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Ärzteschaft

Mehr Ärzte in Bayern, aber nicht mehr Zeit für die Versorgung

Freitag, 25. Januar 2019

/Thomas Reimer, stock.adobe.com

München – Die Zahl der Ärzte in Bayern ist im vergangenen Jahr auf einen Rekordwert gestiegen. Nach Daten der Bayerischen Lan­des­ärz­te­kam­mer (BLÄK) arbeiteten zuletzt 64.516 Ärzte im Freistaat, das waren zwei Prozent mehr als im Vorjahr.

BLÄK-Präsident Gerald Quitterer sieht aber noch keine Entwarnung beim drohenden Ärztemangel. Denn besonders stark steige die Zahl der angestellten Mediziner, sagte Quitterer in München. Diese arbeiteten aber meist nicht wie viele Praxisinhaber 50 oder 60 Stunden in der Woche. Ein beträchtlicher Teil der angestellten Ärzte arbeite zudem in Teilzeit, erklärte Quitterer. Es gebe zwar mehr Köpfe, aber in „der Versorgung kommt nicht mehr ärztliche Zeit an“.

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Nach den Daten der Ärztekammer ist vor allem die Zahl der Krankenhausärzte deutlich gewachsen. Innerhalb von 20 Jahren legte sie um mehr als 75 Prozent zu, von 17.763 auf 31.238. Die Zahl angestellter Mediziner in Arztpraxen hat sich innerhalb eines Jahrzehnts mehr als verdreifacht, von 2.393 auf 7.190. Für Nachwuchsmediziner müsse es interessanter werden, eine eigene Praxis zu betreiben, forderte Quitterer.

Die Förderprogramme etwa von Staatsregierung und Kassenärztlicher Vereinigung Bayern reichten offenbar noch nicht aus. So sei die Zahl der Allgemeinärzte, die in Bayern eine Praxis führen, innerhalb eines Jahrzehnts um gut ein Fünftel gesunken, von 5.805 auf 4.760.

Der BLÄK-Präsident fordert auch weitere Änderungen beim Zugang zum Medizinstudium. Die Abiturnote sollte seiner Ansicht nach weniger Gewicht haben. Wichtig sei es, dass mehr Bewerber ein Medizinstudium aufnehmen können, die den festen Wunsch haben, in der Patientenversorgung gerade auf dem Land zu arbeiten, sagte Quitterer.

Bayerns Ge­sund­heits­mi­nis­terin Melanie Huml (CSU) sagte heute, insgesamt betrachtet sei die ambulante ärztliche Versorgung in Bayern gut aufgestellt. Allerdings gebe es merkliche Ungleichgewichte in der Verteilung der Ärzte – zumeist zwischen Stadt und Land. Huml verwies auf die Förderung von bis zu 60.000 Euro für die Niederlassung von Haus- und Fachärzten. Psychotherapeuten könnten eine Förderung von bis zu 20.000 Euro erhalten. „Aktuell haben wir 488 Mediziner bei ihrer Praxisgründung unterstützt, darunter 395 Hausärzte, 32 Fachärzte sowie 61 Psychotherapeuten“, sagte die Ministerin.

Sie betonte, um mehr Landärzte zu gewinnen, müsse man auch genügend Ausbildungskapazitäten vorhalten. Bayern habe eine Vorreiterrolle übernommen und für mehr als 250 zusätzliche Medizinstudienplätze an der Universität Augsburg gesorgt. Auch andernorts würden mehr Studienplätze geschaffen. Mit einer Landarztquote von bis zu fünf Prozent aller Medizinstudienplätze in Bayern will die Staatsregierung zudem sicherstellen, dass Studenten später als Hausarzt in Regionen arbeiten, die ärztlich unterversorgt oder davon bedroht sind. © dpa/aerzteblatt.de

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Avatar #37858
jmh-mgh
am Montag, 28. Januar 2019, 11:20

Augenwischerei !!!

Ich höre nach nur 5 Jahren als Hausarzt frustriert, demotiviert und vor allem desillusioniert wieder auf. Ich hab so die Schnautze voll von der Politik und auch von den Standesvertretern, von den ständigen Anfeindungen, von dem wirklich ätzenden Spiel der Krankenkassen, die mit - man möchte fast meinen absichtlicher - Falschinformation Patienten gegen Ärzte ausspielen, den heimlichen Honorarkürzungen durch die Hintertür ( Zusatzvergütungen für aufwendig zu Betreuende läuft ersatzlos aus, weil diese Regelung das "Up-coding" fördere - mal eben 2000 Euro weniger im Quartal), den Fallen, die uns gestellt werden mit Regressen und persönlicher Haftung, den wachsenden Vorgaben ( siehe 25 Std.-Debatte), usw., usw., usw, usw. .....
Liebe Absolventen, liebe Kollegen, mit Niederlassungsabsichten, überlegt es euch gut, ob ihr euch persönlich haftbar machen lassen wollt - mit Allem was ihr habt, also auch Haus, Auto, etc. - um in einer Scheinselbständigkeit zu arbeiten und Tag für Tag ausgeliefert zu sein!
Ich gebe meine Praxis an eine junge Kollegin ab, mal schauen wie lange sie obiges mitmacht.
Ach, übrigens, ich bin 42, werde mich wieder anstellen lassen, und zwar nicht in einer Praxis und das ganze auch noch außerhalb Bayerns.
Ich schließe mit einem Zitat von Friedrich August III.:
„Na, wenn Ihr mich nicht wollt, macht Euren Dreck alleene..."
Schönen Tag noch!

Avatar #88767
fjmvw
am Samstag, 26. Januar 2019, 10:44

Warum kein Klartext, Herr Kammerpräsident?

Zitat: "Für Nachwuchsmediziner müsse es interessanter werden, eine eigene Praxis zu betreiben, forderte Quitterer."

Wenn es derzeit uninteressant ist, eine eigene Praxis zu betreiben, ist doch der Frage nachzugehen, WARUM es uninteressant ist? Einen Teil der Antwort hat der Kammerpräsident schon gegeben. Quitterer: "Die Förderprogramme etwa von Staatsregierung und Kassenärztlicher Vereinigung Bayern reichten offenbar noch nicht aus."

Eine Tätigkeit in eigener Praxis ist solange uninteressant, wie die Niederlassung nicht angemessen honoriert wird. Einmalige Zuschüsse von 60T hören sich gut an. Legt man diese Zuschüsse auf 30 Jahr in der Niederlassung um, bleiben pro Jahr gerade mal 2.000€ übrig.

Wenn jemand den Ärzten 60T pro Jahr (und auf Dauer) mehr anbietet, dann wird sich an der Niederlassungwilligkeit etwas ändern. Bleibt das aus, wird es immer weniger Ärzte in eigener Praxis geben.
LNS

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