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Medizin

Prävention mit Finasterid bei Prostatakrebs bleibt umstritten

Montag, 28. Januar 2019

/Sebastian Kaulitzki, stockadobecom

San Antonio – Die Männer, die in den 1990er-Jahren in einer Präventionsstudie 7 Jahre lang den 5-alpha-Reduktase-Inhibitor Finasterid eingenommen hatten, sind in der Folge zu einem Viertel seltener an einem Prostatakrebs erkrankt. Ein Überlebensvorteil lässt sich aber auch in der jüngsten Analyse im New England Journal of Medicine (2019; 380: 393-394) nicht sicher nachweisen.

Am Prostate Cancer Prevention Trial (PCPT) hatten zwischen 1993 und 1997 insgesamt 18.882 Männer im Alter über 55 Jahre teilgenommen. Sie waren in der bisher größten Studie zur Prävention der häufigsten Krebserkrankung bei Männern auf die tägliche Einnahme von Finasterid oder Placebo randomisiert worden.

Die ersten Ergebnisse waren im Jahr 2003 vorgestellt worden. Damals waren in der Finasteridgruppe 18,4 % der Teilnehmer an einem Prostatakarzinom erkrankt gegenüber 24,4 % in der Placebogruppe. Dies ergab eine Reduktion der Krebsrate um relativ 24,8 %, die mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 18,6 bis 30,6 % signifikant war.

Die Analyse hatte aber auch ergeben, dass die diagnostizierten Prostatakarzinome in der Finasteridgruppe häufiger einen ungünstigen Gleasonscore (7 bis 10) aufwiesen. Sollte Finasterid nur die Entwicklung harmloser Prostatakarzinome verhindert oder eventuell sogar die Entstehung aggressiver Tumore gefördert haben? Die meisten Fachgesellschaften rieten deshalb in der Folge von einer Krebsprävention mit Finasterid ab.

Bei einer späteren Analyse kam heraus, dass bis Oktober 2011 in der (früheren) Finasteridgruppe 10,5 % am Prostatakarzinom erkrankt waren, in der (früheren) Placebogruppe dagegen 14,9 %. Die Krebsrate war erneut um 30 % vermindert (24 bis 35 %). Aber auch die Zahl der High-Grade-Tumore war erneut (wenn auch weniger stark) erhöht.

Die Forscher hatten deshalb (unter Verwendung der Daten der Sozialversicherungen) die Sterberate der Patienten ermittelt. Die 15-Jahresüberlebensraten von 78,0 % in der Finasteridgruppe und 78,2 % in der Placebogruppe unterschieden sich nicht. Auch aus diesen Ergebnissen ließ sich keine Empfehlung einer Finasterid-Einnahme zur Krebsprävention ableiten.

Jetzt legt das Team um Ian Thompson vom Santa Rosa Hospital Medical Center in San Antonio eine weitere Analyse vor. Nach nunmehr im Durchschnitt 18,4 Jahren sind von den 9.423 Männern der (früheren) Finasteridgruppe 3.048 gestorben, davon 42 an Prostatakrebs. In der ehemaligen Placebogruppe sind von 9.457 Teilnehmern 2.979 gestorben, davon 56 an Prostatakrebs. Die Gesamtsterblichkeit war gleich, die Sterberate am Prostatakarzinom war in der Finasteridgruppe um 25 % vermindert. Die Hazard Ratio von 0,75 verfehlte mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 0,50 bis 1,12 allerdings das Signifikanzniveau.

Ein sicherer Nutzen von Finasterid lässt sich damit aus den Ergebnissen erneut nicht ableiten, zumal das absolute Sterberisiko am Prostatakarzinom nur von 0,60 % auf 0,43 % gesenkt wurde. Andererseits bleibt es weiter möglich, dass eine Einnahme von Finasterid über die 7 Jahre der Studie hinaus eine bessere Wirkung erzielt hätte. Die Frage einer Chemoprävention dürfte deshalb umstritten bleiben. Für Anhänger wie Thompson ist Finasterid eine sichere und kostengünstige Möglichkeit, eine Erkrankung am Prostatakarzinom zu vermeiden. Die Blockade der Androgenproduktion bleibt allerdings nicht ohne Nebenwirkungen (Libidoverlust, Gynäkomastie).

In den Empfehlungen dürfte die Prävention eines Prostatakarzinoms ein möglicher Zusatznutzen für Männer bleiben, die das Mittel zur Behandlung der androgenetischen Alopezie einnehmen. Die Anwendung ist in diesen Indikation allerdings auf das Alter von 18 bis 41 Jahren beschränkt. © rme/aerzteblatt.de

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