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Kopf-Hals-Tumore: NSAID könnten Überlebenszeiten bei jedem dritten Patienten deutlich verlängern

Dienstag, 29. Januar 2019

/dpa

San Francisco – Patienten mit einer Mutation in einem bei Kopf-Hals-Tumoren häufigen Krebsgen hatten laut einer Studie im Journal of Experimental Medicine (2019; doi: 10.1084/jem.20181936) eine deutlich verlängerte Überlebenszeit, wenn sie nichtsteroidale Antiphlogistika (NSAID) eingenommen hatten.

Mehr als ein Viertel aller Patienten mit Kopf-Hals-Tumoren hat aktivierende Mutationen im Gen PIK3CA. Es enthält die Information für p110alpha, eine Untereinheit des Enzyms Phosphatidylinositol-4,5-Bisphosphate 3-Kinase. Es wird allgemein angenommen, dass die Mutante die Proliferation der Krebszellen fördert, indem es die Bildung von Prostaglandin E2 steigert. Acetylsalicylsäure (ASS) und andere NSAID verhindern dies und könnten deshalb das Krebswachstum bremsen.

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Ein Team um Jennifer Grandis von der Universität von Kalifornien in San Francisco hat hierzu die Daten von 266 Patienten ausgewertet, bei denen zwischen Mai 2008 und März 2013 ein Kopf-Hals-Tumor chirurgisch entfernt wurde. Bei 75 Patienten (28 %) wurden aktivierende Mutationen im Gen PIK3CA und/oder eine vermehrte Expression seines Genprodukts gefunden.

Ein Drittel dieser Patienten hatte, aus welchem Grund auch immer, regelmäßig NSAID eingenommen. In der Regel war dies ASS. Die Analyse von Grandis ergab nun, dass die Einnahme von NSAID über mindestens 6 Monate mit einem deutlich verlängerten krankheitsspezifischen Überleben (DSS) verbunden war (Hazard Ratio auf einen Krebstod: 0,23, 95-%-Konfidenzintervall 0,09 bis 0,62). Auch das Gesamtüberleben (OS) war verlängert (Hazard Ratio auf einen Tod 0,31; 0,14-0,69).

In der Gruppe der Patienten mit PIK3CA-Mutationen betrug die erwartete 5-Jahres-DSS für NSAID-Anwender 72 % und für Nicht-Anwender 25 %. Die prognostizierte 5-Jahres-Gesamtüberlebensrate lag laut Grandis bei NSAID-Anwendern bei 78 gegenüber 45 bei Nichtanwender. Bei Patienten ohne Mutationen hatte die Einnahme von NSAID keinen Einfluss auf die Überlebenszeiten.

Diese Ergebnisse sprechen dafür, dass NSAID die Behandlungsergebnisse von Patienten mit Kopf-Hals-Tumoren verbessern, wenn Mutationen im PIK3CA-Gen vorliegen.

Die Forscher konnten diese Vermutung durch experimentelle Studien untermauern. ASS, Sulindac oder Celecoxib verminderten das Wachstum von Kopf-Hals-Tumoren, die Mäusen implantiert wurden. Zelllinien reagierten empfindlicher auf NSAID, wenn ihr PIK3CA-Gen mutiert war. Die Mutation erhöhte außerdem die Konzentration von Prostaglandin E2 in den Zellen, was durch Celecoxib vollständig verhindert wurde.

Als nächster Schritt ist eine randomisierte kontrollierte Studie geplant. Dort soll ein Teil der Patienten nach der Operation zusätzlich zur Chemotherapie mit einem NSAID behandelt werden. Eine Reihe ähnlicher Studien wird derzeit in Großbritannien bei Patienten mit Darmkrebs, Magenkrebs, Prostatakrebs und Brustkrebs durchgeführt, für die es ebenfalls Hinweise auf eine präventive Wirkung von ASS gibt.

© rme/aerzteblatt.de

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