NewsÄrzteschaftPrivater Hausarztanbieter wird kritisch gesehen
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Ärzteschaft

Privater Hausarztanbieter wird kritisch gesehen

Montag, 28. Januar 2019

/dpa

Frankfurt am Main – Die Firma Alpha-Ärzte bietet seit kurzem Hausbesuche von Medizinern gegen Bezahlung an. Privatversicherte erhalten die Kosten erstattet, gesetzlich Versicherte müssen den Besuch selbst finanzieren. Kassenärztliche Vereinigung (KV) Hessen und Ärztekammer Hessen sind von der Geschäftsidee nicht begeistert.

Vom Rhein-Main-Gebiet aus wollen die Alpha-Ärzte das Bundesgebiet aufrollen. „Die Überlegung war von vornherein eine deutschlandweite Abdeckung“, sagte Geschäfts­führer Raphael Weiland. Im April 2017 wurde in Frankfurt am Main bereits der erste Patient behandelt, danach folgten Darmstadt, Offenbach, Wiesbaden und Mainz, im vergangenen Jahr dann Hamburg und der Raum Nürnberg/Erlangen/Fürth. 2019 sollen München, Köln, Düsseldorf und Berlin dazukommen, so Weiland.

Anzeige

Der Kern des Angebots ist dem Unternehmen zufolge „den perfekten Zugang zu schaffen“. Etwa für die alleinerziehende Mutter, die Oma mit Gehbehinderung oder den Freiberufler unter Zeitdruck. Die bisher 15 Ärzte des Teams kommen nach Hause, stellen eine Diagnose und behandeln vor Ort. Für Selbstzahler kostet das maximal 180 Euro. „Der Anteil der Selbstzahler steigt stark“, sagte Weiland, derzeit liege er bei rund 20 Prozent.

KV pocht auf Bereitschaftsdienst

Die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Hessen ist von der Geschäftsidee der Alpha-Ärzte nicht begeistert: Es gebe schließlich einen ärztlichen Bereitschaftsdienst (ÄBD). An den können sich Patienten wenden, wenn die Praxen geschlossen sind, also nachts und am Wochenende. Er ist bundesweit unter der Nummer 116117 erreichbar – und kostenlos. Allerdings kommt der Arzt nur selten nach Hause. Laut KV führen elf bis 13 Prozent der ÄBD-Kontakte zu einem Hausbesuch.

Die Alpha-Ärzte hätten keine Lücke im Gesundheitssystem entdeckt, sondern ein Geschäftsmodell, sagt KV-Sprecher Karl Matthias Roth. Die Firma verdiene an der Bequemlichkeit der Menschen, die es sich leisten können. „Es gibt keine Versorgungs­lücke, es gibt nur eine Bequemlichkeitslücke – das ist ein Unterschied.“ Jeder bekomme im deutschen Gesundheitswesen die Versorgung, die er benötige, nur eben nicht immer sofort und bei sich zu Hause auf dem Sofa.

Die Lan­des­ärz­te­kam­mer Hessen hat sogar Zweifel daran, ob das Modell der Alpha-Ärzte legal ist. „Nach der ärztlichen Berufsordnung müssen Ärzte, die Hausbesuche durchführen, niedergelassen sein. Die Ausübung ärztlicher Tätigkeit im Umherziehen ist berufswidrig“, sagte Sprecherin Katja Möhrle. Auch private Krankenversicherer zahlten nur bei niedergelassenen Ärzten. „Weitere Voraussetzung für die Übernahme der Kosten ist, dass es sich um eine medizinisch erforderliche Leistung handelt.“

Da die Alpha-Ärzte privatärztlich tätig sind, benötigen sie keinen Vertragsarztsitz, argu­mentiert hingegen Weiland. Alle Mediziner seien approbiert, jede Behandlung werde für den Hausarzt dokumentiert, abgerechnet werde nach der Gebührenordnung für Ärzte. Übrigens bezuschusse sogar manche gesetzliche Krankenkasse die Kosten. Es gebe Vorbehalte von Kollegen, aber die könne man im Gespräch schnell ausräumen. „Wir nehmen niemandem Patienten weg, sondern wir verbessern für alle die Versorgung“, sagte Weiland.

Die Bundes­ärzte­kammer (BÄK) und die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) äußerten sich zu dem Thema nicht. Bei der KBV hieß es, es handle sich ja gerade um Angebote außerhalb des Leistungskatalogs der gesetzlichen Kran­ken­ver­siche­rung. Die BÄK erklärte, sie prüfe weder Geschäftsmodelle auf ihre rechtliche Zulässigkeit noch überwache sie das ärztliche Berufsrecht.

Dienstleistungen für Privatversicherte und Selbstzahler seien im Kommen, sagt Thilo Kaltenbach, Gesundheitsexperte bei der Unternehmensberatung Roland Berger. „Sicherlich ist der Markt für diese Art von Diensten momentan noch sehr klein, doch dahinter steckt noch Potenzial.“ Es gebe zum Beispiel Apps, mit denen Patienten einen Arzt rufen können. „Wenn die Digitalisierung des Gesundheitswesens in den kommenden zwei bis drei Jahren weiter voranschreitet, werden sich solche Dienstleistungen in Verbindung mit der digitalen Gesundheitskarte auf dem Markt verstärkt etablieren.“

So setzen die Alpha-Ärzte auch auf Videosprechstunden. Seit das Fernbehand­lungsverbot gelockert wurde, ist es unter bestimmten Bedingungen erlaubt Patienten zu behandeln, ohne sie persönlich zu treffen. Das Angebot soll Weiland zufolge in Zukunft stark ausgebaut werden. © dpa/aerzteblatt.de

Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Avatar #539999
klausenwächter
am Montag, 28. Januar 2019, 23:45

Versorgung jenseits der Terminservicestellen

Findige Unternehmer haben Neuland geclaimt, das durch das Terminservicegesetz demarkiert worden ist.
Avatar #749292
bluedreams54
am Montag, 28. Januar 2019, 21:41

Logische Folge

Tja. So musst es kommen. Die Hausärzte lehnen oftmals wegen ' mangelnder Kapazitäten'- sprich nicht austeichende Honorierung seitens GKV Hausbesuche strikt ab. Nun haben sich darein privatärztl. abrechnende Dienste gesetzt, die genau die Gruppe der KV- Patienten bedient, die nicht Privatpatienten sind aber über ausreichend Mittel verfügen die Leistung zu bezahlen. Ich hatte eine Grippe mit 40°Fieber und konnte kaum noch laufen. Ich wurde vertröstet durch ärztl. Notdienste und aufgefordert, doch in die Praxen zu kommen. Ich würde einen privat abrechnenden Hausbesuchnotdienst in solch einer Sutuatio auf jeden Fall nutzen.
LNS

Nachrichten zum Thema

20. Mai 2019
Berlin – Die Zahl der Allgemeinärzte steigt allmählich an. Dazu haben neben der finanziellen Förderung von Weiterbildungsstellen in Praxen und Krankenhäusern auch bessere Weiterbildungsstrukturen
Die Zahl der Hausärzte steigt allmählich
10. Mai 2019
Erfurt – Die Hausärzte haben auf den negativen Einfluss von Konzepten und Vorgaben aus Politik und Selbstverwaltung auf die Entwicklung ihres Berufsstandes hingewiesen. Konkret kritisierten sie die
Hausärzte wehren sich gegen Generalverdacht
24. Februar 2019
Berlin – Die große Koalition will gesetzlich Versicherte belohnen, wenn sie bei Gesundheitsproblemen zuerst zum Hausarzt gehen. Bei einer entsprechenden Selbstverpflichtung sollen die Patienten einen
Prämien für Teilnahme an der hausarztzentrierten Versorgung geplant
29. Januar 2019
Boston – Hausärzte sind in den USA nicht selbstverständlich. Ein Viertel der Bevölkerung muss sich bei Krankheiten an Spezialisten oder Kliniken wenden. Eine Studie in JAMA Internal Medicine (2019;
US-Studie: Stärken und Schwächen des Hausarztmodells
17. Januar 2019
Berlin – Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn (CDU) hat sein Angebot an die Ärzte erneuert, in einen „konstruktiven Dialog“ über die umstrittenen Regelungen im Terminservice- und Versorgungsgesetz
Spahn signalisiert Gesprächsbereitschaft beim Terminservice- und Versorgungsgesetz
2. Oktober 2018
Berlin – Eine App namens „Egopulse“ haben der Deutsche Hausärzteverband zusammen mit der GWQ ServicePlus AG und der Egopulse Deutschland GmbH vorgestellt. „Über diese TÜV-zertifizierte App können
Hausärzte stellen eigene Versorgungs-App vor
24. September 2018
Bonn – 82 Prozent der Bürger in Deutschland befürworten ein System, in dem ihr Hausarzt bei allen medizinischen Fragen immer der erste Ansprechpartner ist. Das berichtete der Deutsche Hausärzteverband
LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER