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Politik

Kommunen in Thüringen nutzen Gehaltszuschüsse für Amtsärzte

Montag, 28. Januar 2019

/dpa

Erfurt – Die in Thüringen vor zwei Jahren eingeführten Gehaltszuschüsse des Landes für Amtsärzte sind bei Kommunen gefragt. Acht der 17 Landkreise und vier der sechs kreisfreien Städte haben für dieses Jahr die Landeshilfe zur Aufstockung der Gehälter von 41 Ärzten in den kommunalen Gesundheitsämtern beantragt, wie das Sozialministerium auf Anfrage mitteilte.

Seit 2017 seien durch die Zulage sechs Ärzte für Neueinstellungen in den Gesundheitsämtern gewonnen worden. Der Zuschuss, der auch an bereits in den Ämtern tätige Ärzte gezahlt wird, soll die Gehaltsdifferenz zu den deutlich besser bezahlten Klinikärzten verringern. Diese gilt als Hauptgrund für die Probleme vieler Kommunen, Stellen im öffentlichen Gesundheitsdienst (ÖGD) zu besetzen. Allerdings stößt der finanzielle Anreiz an Grenzen, wie das Ministerium einschätzt.

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Das zeigte sich zuletzt im Unstrut-Hainich-Kreis, wo im Gesundheitsamt seit vergangenen November zwei Humanmediziner ausgeschieden und bislang nicht ersetzt sind. Das Amt verfügt derzeit nur noch über einen Zahnarzt. Geleitet wird es jetzt von einem Juristen, der zum Beispiel für Schuluntersuchungen Ärzte im Ruhestand zur Unterstützung gewonnen hat.

Landesweit sind im Internet derzeit rund 15 Stellen für Mediziner in Gesundheits­ämtern ausgeschrieben, einige von ihnen seit Jahren. Laut Innenministerium gibt es in den Thüringer Gesundheitsämtern etwa 100 Voll- oder Teilzeitstellen für Ärzte.

Aus Ministeriumssicht hilft die Zulagenzahlung nicht, das bundesweite Personal­problem im ÖGD grundsätzlich zu lösen. Nötig sei eine Überarbeitung der ärztlichen Vergütung in diesem Bereich. Hintergrund der Gehaltsdifferenzen sind unterschiedliche Tarifregelungen, die für Ärzte im ÖGD und in Kliniken gelten.

Der SPD-Landtagsabgeordnete Thomas Hartung plädierte angesichts des seit Jahren diskutierten Ärztemangels im ÖGD für eine Überprüfung der Strukturen und Aufgaben der Gesundheitsbehörden. Auch verstärkte Kooperationen zwischen Kommunen sind für Hartung denkbar.

„Wir müssen schauen,  für welche Aufgaben dort wirklich zwingend Humanmediziner nötig sind und was nichtärztliches Personal übernehmen kann“, sagte der Politiker, der selbst ausgebildeter Chirurg ist. Außerdem sei zu prüfen, ob die Verantwortung etwa für Hygienekontrollen in Krankenhäusern besser bei einer Landesbehörde liege. „Das muss nicht jedes Gesundheitsamt selbst machen.“ Möglicherweise stelle sich bei einer gründlichen Überprüfung der ÖGD-Strukturen heraus, dass der Bedarf an Amtsärzten tatsächlich geringer sei, so Hartung.

Dem widersprach der Berufsverband der ÖGD-Ärzte in Thüringen. Aus Sicht von dessen Landesvorsitzender Ingrid Francke würden Zentralisierungen bei Hygienekontrollen zu längeren Anfahrtswegen für die Kontrolleure führen, was eher einen größeren Personal­aufwand nach sich ziehe. 50 Prozent der Arbeit der Gesundheitsämter sei Außendienst. Auch die Übertragung von hoheitlichen Aufgaben des Gesundheitsdienstes an externe Ärzte habe Grenzen. © dpa/aerzteblatt.de

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