NewsPolitikEigenanteil für Pflegebedürftige steigt
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Politik

Eigenanteil für Pflegebedürftige steigt

Montag, 28. Januar 2019

/Anke Thomass, stockadobecom

Berlin – Pflegebedürftige müssen für ihre Unterbringung in Heimen aktuellen Zahlen zufolge immer höhere Summen aus eigener Tasche aufbringen. Im Bundesdurchschnitt sind die Kosten, die Heimbewohner selbst tragen müssen, im Januar dieses Jahres auf 1.830 Euro monatlich gestiegen. Das berichtet der Spiegel unter Berufung auf eine neue Statistik des Verbands der Ersatzkassen (vdek).

Anfang 2018 war demnach die finanzielle Belastung für Pflegebedürftige noch 58 Euro niedriger, sie lag bei 1.772 Euro pro Monat. Diese Summe setze sich zusammen aus den Kosten für Unterkunft, Verpflegung und Investitionen sowie einem Pflegekosten­eigenanteil, der derzeit bei durchschnittlich 655 Euro liegt. Die gesetzliche Pflege­versicherung kommt nur für den Rest der Ausgaben auf, die vor allem die eigentlichen Pflegeleistungen umfassen. Bei Menschen, die ihre Rechnung nicht selbst bezahlen können, müssen die Kinder oder das Sozialamt einspringen.

Anzeige

Regional gibt es der vdek-Statistik zufolge große Unterschiede: Besonders tief müssen Pflegebedürftige in Nordrhein-Westfalen in die Tasche greifen. Auf sie kommen im Schnitt Lasten von 2.252 Euro zu. Am günstigsten ist es in Sachsen-Anhalt mit 1.218 Euro. Experten erklären die Kostenspreizung auch mit regional unterschiedlichen Löhnen und Vorgaben für die Personalausstattung.

Die neuen Daten dürften laut Spiegel die Debatte um eine Finanzreform der Pflegekasse befeuern. Politiker fast aller Parteien hatten bereits eine Deckelung des Eigenanteils gefordert. Die Grünen-Sprecherin für Pflegepolitik, Kordula Schulz-Asche, bezeichnete es als „Systemfehler der Pflegeversicherung, dass die Pflegebedürftigen durch ihren Eigenanteil praktisch für jede der so überfälligen Verbesserungen der Pflege aufkommen müssen“.

Dadurch rutschten immer mehr Menschen in die Sozialhilfe, erklärte sie. „Eine Reform ist dringend nötig: Der Eigenanteil muss planbar werden, alle Fortschritte in der Pflege von den Kassen finanziert werden – der sogenannte Sockel-Spitze-Tausch.“ Die Mehr­kosten der Kassen müssten gerecht auf alle verteilt werden, wie die Grünen es mit dem Vorschlag einer Pflege-Bürgerversicherung forderten, hieß es.

Vergangene Woche hatten schon die Verbraucherzentralen Änderungen bei der Pflegeversicherung gefordert, um Betroffene vor weiter steigenden Zahlungen zu schützen. „Der Pflegefall darf nicht länger zur Kostenfalle werden“, sagte der Chef des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv), Klaus Müller. Die Leistungen der Pflegeversicherung sollten daher künftig automatisch jährlich erhöht werden – orientiert an der Inflationsrate und an steigenden Personalkosten. Wie bisher schon die gesetzliche Renten- und Kran­ken­ver­siche­rung brauche zudem auch die Pflegeversicherung einen Zuschuss aus Steuergeld.

Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn (CDU) hatte Mitte Januar angekündigt, er wolle die Finanzierung der Pflege langfristig „ganz neu austarieren“. Angesichts steigender Kosten brauche es schon jetzt eine Grundsatzdebatte über die Zeit nach 2022. © kna/dpa/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Avatar #719236
Pflege_42
am Mittwoch, 30. Januar 2019, 15:29

Eigenanteile im Altenheim

Es gibt die gedeckelten pflegebedingten Eigenanteile und die monatliche Rechnung über den gesamten Eigenanteil ... Das ist erklärungsbedüftig: https://www.pflegegrad.info/stichworte/eigenanteil.php
LNS

Nachrichten zum Thema

6. Juli 2020
Berlin – Die Große Koalition will die Leistungen der Pflegeversicherung anheben. Diese sollten ab dem kommenden Jahr „an die Preisentwicklung angepasst werden und um ein paar Prozentpunkte steigen“,
Koalition will Leistungen der Pflegeversicherung anheben
6. Juli 2020
Schwerin – Für Bewohner von Pflegeheimen und weiteren Betreuungseinrichtungen in Mecklenburg-Vorpommern endet die Zeit der coronabedingten Zwangsisolation. Einer vom Sozialministerium vorgelegten
Mecklenburg-Vorpommern öffnet Pflege- und Behindertenheime
2. Juli 2020
Berlin – Die Pflegebedürftigen in Deutschland und ihre Angehörigen sind mit der Pflegeberatung durch die gesetzliche Kran­ken­ver­siche­rung (GKV) zufrieden. Darauf deutet eine Befragung hin, die der
Befragung deutet auf hohe Zufriedenheit mit der Pflegeberatung hin
30. Juni 2020
Celle – Nach mutmaßlichen Misshandlungen in einem Pflegeheim in Celle hat die Pflegekammer Niedersachsen Veränderungen für die Branche gefordert. „Wenn wir verhindern wollen, dass es so weitergeht,
Nach Misshandlungsvorwürfen in Heim fordert Pflegekammer Meldestelle
26. Juni 2020
Stuttgart – Die Landesregierung hat weitere Lockerungen für Bewohner und Besucher stationärer Pflegeeinrichtungen beschlossen. Die Besuchszeiten sollen ab 1. Juli nicht mehr begrenzt werden, teilte
Lockerungen für Besuche von Pflegeheimen in Baden-Württemberg
24. Juni 2020
München – Angesichts der deutlich gesunkenen Infektionszahlen mit SARS-CoV-2 schafft Bayern die Besuchsbeschränkungen in Krankenhäusern, Altenheimen und Behinderteneinrichtungen ab. Die derzeitigen
Mehr Besuche in Krankenhäusern und Pflegeheimen in Bayern erlaubt
22. Juni 2020
Düsseldorf – Das Ge­sund­heits­mi­nis­terium in Nordrhein-Westfalen (NRW) hat die Coronaregeln für Besuche in Pflegeheimen gelockert. Ab sofort ist wieder körperlicher Kontakt – wie etwa eine Umarmung –
LNS LNS

Fachgebiet

Stellenangebote

    Anzeige

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER