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Politik

Bundesgerichtshof entscheidet über Entschädigung nach Lebendspenden

Montag, 28. Januar 2019

/dpa

Karlsuhe – Der Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe will morgen darüber ent­scheiden, ob zwei Nierenlebendspender nach einer erfolgten Spende ein Recht auf Schmerzensgeld und Schadenersatz haben (Az. VI ZR 318/17 u.a.). Die Spender hatten die Universitätsklinik Essen und die verantwortlichen Ärzte verklagt, weil diese Risiken verschwiegen haben sollen.

Aus der Sicht des Spenders Ralf Zietz, der mit anderen die „Interessengemeinschaft Nierenlebendspende“ gegründet hat, wird die Lebendspende weithin verharmlost. „Wir möchten die Nierenlebendspende nicht abschaffen“, heißt es auf der Homepage. „Wir halten sie für einen in Ausnahmefällen gangbaren Weg.“

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Dennoch sind die Warnungen deutlich: „Die Quote der spürbar gesundheitlich beeinträchtigten Spender ist hoch“, heißt es. „Bis zur Hälfte der Nierenlebendspender erkrankt durch die Spende.“ Beispielsweise an chronischer Erschöpfung, Konzen­trations- und Gedächtnisproblemen oder Blutveränderungen, die zu Herz- und Kreislauferkrankungen bis hin zu einer Demenz führen könnten.

Schlechte Erfahrung haben die Kritiker nach eigenen Angaben mit Ärzten und Versicherungen gemacht. Ständig gebe es Streitigkeiten über die Kostenübernahme von Folgeoperationen, auch über Lohnfortzahlungen und Rehakosten. „Nicht selten kommt es zu Arbeitsplatzverlusten, zur Berufsunfähigkeit und sogar zu Familien­dramen.“

Zietz und seine Mitstreiter fordern deshalb unter anderem ehrliche Aufklärung über die tatsächlichen Risiken, eine bessere medizinische Versorgung der Spender, ausreichende Rehamaßnahmen und 100 Prozent Lohnersatz bis zur vollständigen Genesung ohne zeitliche Begrenzung.

Nicht zu vernachlässigen sind offenbar auch die menschlichen Konflikte zwischen Spender und Empfänger. So mancher potenzielle Nierenlebendspender gerate unter großen moralischen Druck, berichtet Zietz. „Studien zeigen, dass die Hälfte der Paare sich nach Lebendspenden trennt“, berichtete der ehemalige DGB-Vorsitzende Michael Sommer im Spiegel. „Auch weil sie die Dankbarkeit nicht aushalten.“

Der rechtliche Rahmen für Lebendspenden ist streng. Das Gesetz erlaubt nach Informationen der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) die Lebendspende nur unter engen Verwandten und einander sehr nahestehenden Menschen – und nur wenn der Spender „voraussichtlich nicht über das Operationsrisiko hinaus gefährdet oder über die unmittelbaren Folgen der Entnahme hinaus gesundheitlich schwer beeinträchtigt wird“.

Zwang, psychische Abhängigkeit oder finanzielle Anreize dürfen keine Rolle spielen – was eine Kommission in jedem Einzelfall überprüft. Im vergangenen Jahr wurden 690 Organe nach einer Lebendspende transplantiert, davon 638 Nieren und 52 Lebern. © kna/aerzteblatt.de

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