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Politik

Tarifbindung in Altenpflege in Thüringen gering

Montag, 28. Januar 2019

/dpa

Erfurt – Viele Beschäftigte in der Altenpflege in Thüringen profitieren nach Ein­schätzung von Sozialministerium und Gewerkschaft Verdi kaum von Tariflöhnen. Im Gesundheits- und Sozialwesen, zu dem neben Kliniken, Krankenkassen, Wohl­fahrtsverbänden, Kindergärten und anderen Sozialeinrichtungen auch die Altenpflege gehört, werden die Gehälter nur für elf Prozent der Betriebe und 37 Prozent der Beschäftigten über Tarifverträge geregelt. Das teilte das Ministerium auf Anfrage mit.

Die Zahl stammt aus einer Untersuchung des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufs­forschung für 2017, aktuellere Daten liegen noch nicht vor. In Thüringen arbeiten nach amtlicher Statistik rund 32.000 Menschen in der Altenpflege, zwei Drittel in Teilzeit.

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Eine ausschließlich auf die Altenpflege bezogene Studie der Landesregierung hatte vor fünf Jahren ergeben, dass weniger als sieben Prozent der Anbieter Tariflöhne für Pflegebeschäftigte zahlen. Das Sozialministerium hat nach eigenen Angaben keinen Überblick darüber, ob es in der Zwischenzeit mehr geworden sind.

Die Gewerkschaft Verdi sieht als Grund für die geringe Tarifbindung vor allem ein Strukturproblem mit einem stark zersplitterten Anbietermarkt und einem nur geringen gewerkschaftlichen Organisationsgrad in Pflegeeinrichtungen. „Private Pflegeanbieter, darunter auch große Ketten, haben längst eine marktbeherrschende Stellung“, sagte die beim Verdi-Landesbezirk für die Pflege zuständige Gewerkschaftssekretärin Manuela Schaar. Sie seien an Tarifvereinbarungen oft nicht interessiert.

Dagegen machten kommunal betriebene Pflegeheime weniger als fünf Prozent der Einrichtungen aus. Gerade in der öffentlichen Verwaltung sei die Tarifbindung aber am höchsten. Laut Ministerium erhalten in Thüringen 93 Prozent der Angestellten von Kommunen und Land Tarifgehälter.

Aus Sicht des Ministeriums wäre eine stärkere Tarifbindung im Konkurrenzkampf um Pflegekräfte von Vorteil auch für die Arbeitgeber. In Thüringen mit mehr als 950 Pflegeeinrichtungen beklagen Betreiber seit Jahren, dass dort ausgebildete Fachkräfte wegen der besseren Bezahlung vor allem nach Hessen oder Bayern abwandern.

„Es gibt in der Altenpflege grundsätzlich keinen einheitlichen Ansprechpartner für die Gewerkschaften“, bemängelte Schaar. Private Pflegeanbieter seien nur zum Teil im Dachverband bpa, der für Thüringen rund 220 Mitgliedsunternehmen angibt, organisiert. Einige Wohlfahrtsverbände hätten Vereinbarungen mit nicht im Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) vertretenen Gewerkschaften getroffen, bei den Kirchen gelten laut Ministerium eigene Arbeitsvertragsrichtlinien.

Verdi hat mit fünf Kreisverbänden von Wohlfahrtsorganisationen Tarifvereinbarungen getroffen. Wo es Tarifverträge gibt, erhalten Pflegefachkräfte in Thüringen laut Verdi Stundenlöhne zwischen 12,35 und 15,65 Euro brutto. Für Hilfskräfte gilt ein bundesweiter Branchenmindestlohn von 10,05 Euro. © dpa/aerzteblatt.de

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