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Kritik an unbelegten Gesundheitsangaben auf Nahrungs­ergänzungsmitteln

Dienstag, 29. Januar 2019

/dpa

Berlin – Bei pflanzlichen Nahrungsergänzungsmitteln (Botanicals) gibt es nach wie vor unbelegte Gesundheitsversprechen („Health Claims“), mit denen geworben wird. Darauf hat der Bundesverband der pharmazeutischen Industrie (BPI) hingewiesen und dies zum wiederholten Mal kritisiert.

Gesundheitsbezogene Aussagen in der Lebensmittelwerbung müssen nachprüfbar und durch Studien belegt sein. Dies hat die Health-Claims-Verordnung der Europäischen Union (EU) aus dem Jahr 2006 festgelegt. Die Umsetzung der Verordnung wurde von der EU-Kommission allerdings 2010 für pflanzliche Produkte gestoppt.

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Seit Inkrafttreten der Health-Claims-Verordnung wurden laut BPI 4.637 Anträge auf Überprüfung der gesundheitsbezogenen Aussagen gestellt. 2.758 dieser Health Claims wurden bewertet. Die übrigen, also fast die Hälfe der Claims, sind bis heute nicht bewertet. „Stattdessen darf mit einigen tausenden gesundheitsbezogenen Aussagen weiterhin ungeprüft auf Nahrungsergänzungsmitteln geworben werden. Dafür sorgt eine Übergangsregelung“, bemängelt der BPI.

„Wenn die Bundesregierung es Ernst damit meint, Kennzeichnungen zu verbessern und somit den Verbraucherschutz zu erhöhen, dann muss sie bei der EU endlich darauf pochen, alle Botanicals durch die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) bewerten zu lassen“, sagte Kai Joachimsen, Hauptgeschäftsführer des BPI.

Der Verband wehrt sich schon seit Längerem gegen diese Praxis – bislang aber mit wenig Erfolg. Im Herbst 2017 hatte der EU-Gerichtshof eine entsprechende Klage abgewiesen, die die EU-Kommission dazu verpflichten wollte, in der Sache tätig zu werden.

„Es darf also weiterhin der Eindruck erweckt werden, dass ungeprüfte, pflanzliche Lebensmittel einen gesundheitlichen Zusatz­nutzen haben. Die Verbrauchertäuschung wird auf unbestimmte Zeit manifestiert“, hieß es damals aus dem BPI. Diese Aussage passt laut dem Verband immer noch.

Unterdessen sehen Verbraucherschützer großen Aufklärungsbedarf bei Nahrungsergänzungsmitteln. Seit dem Start des Portals www.klartext-nahrungsergaenzung.de vor zwei Jahren habe es mehr als 2,3 Millionen Zugriffe auf die Seite gegeben, wie die Verbraucherzentrale Berlin heute mitteilte. Klare gesetzliche Regelungen seien „längst überfällig“.

„Die Auswertung von rund 1.000 Anfragen und Beschwerden zeigen uns: Verbraucher brauchen dringend Informationen zu den teilweise willkürlich zusammengemixten Cocktails aus Pflanzenextrakten, Vitaminen, Mineralstoffen und diversen sonstigen Stoffen“, erklärte Britta Schautz von der Verbraucherzentrale Berlin. Die enthaltenen Pflanzen und zum Teil hochkonzentrierten Pflanzenauszüge könnten durchaus gesundheitsschädlich sein.

Zu vielen teils exotischen Pflanzen wie Kudzuwurzel, Schlafbeere oder Maca lägen nur unzureichende Sicherheitsnachweise vor. Deren Inhaltsstoffe könnten sich zum Beispiel negativ auf den Hormonstoffwechsel oder den Blutdruck auswirken. Unklar bleibe zudem, wie der Mix aus verschiedenen Pflanzenauszügen, Algen, Pilzen und anderen Stoffen miteinander reagiert.

Auch seien Wechselwirkungen von Pflanzenstoffen mit Medikamenten möglich, warnen die Verbraucherschützer. So könnten Gingko-Präparate die Wirkung von blutverdünnenden Medikamenten beeinflussen. Meist unhaltbare Gesundheitsversprechen und riskante Zutaten häufen sich demnach insbesondere bei Produkten, die in Onlineshops oder im Direktvertrieb angeboten werden. Nahrungsergänzungsmittel müssen in Deutschland nicht zugelassen werden, ehe sie auf den Markt kommen. © hil/afp/aerzteblatt.de

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