NewsMedizinLange Bildschirmzeiten können Entwicklung von Vorschulkindern behindern
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Lange Bildschirmzeiten können Entwicklung von Vorschulkindern behindern

Dienstag, 29. Januar 2019

/Stanisic Vladimir, stockadobecom

Calgary/Kanada – Kinder, die im Vorschulalter viel Zeit an Computer, Fernseher oder Smartphone verbrachten, wiesen in einer prospektiven Langzeitstudie in JAMA Pediatrics (2019; doi: 10.1001/jamapediatrics.2018.5056) später häufiger Entwicklungsdefizite auf.

Vorschulkinder verbringen heute viel Zeit mit elektronischen Geräten. Im Freien spielen sieht man sie nur noch selten. Pädiater warnen seit Längerem, dass lange Bildschirm­zeiten der motorischen und psychosozialen Entwicklung der Kinder schaden können. Sie verweisen dabei auf Querschnittstudien, die bei Kindern mit langen Bildschirm­zeiten Defizite in der Motorik, etwa beim Laufen, ermittelten, und auch die Kommunikation mit anderen Menschen litt darunter, wenn die Kinder sich häufig in virtuellen Welten bewegen.

Anzeige

Querschnittstudien können jedoch keine Kausalität beweisen. Es ist durchaus möglich, dass weniger sportliche oder schüchterne Kinder bevorzugt nach Bestätigung und Ausdrucksmöglichkeiten in Computerspielen und Apps suchen. Dieses Henne-Ei-Problem lässt sich nur durch Langzeitstudien klären, in denen die Kinder mehrfach untersucht werden und in denen Bildschirmzeiten mit dem Entwicklungsstand zu einem späteren Zeitpunkt in Beziehung gesetzt werden.

Eine solche prospektive Beobachtungsstudie ist die „All Our Families“-Studie, die 2.441 Kinder aus Calgary seit der Schwangerschaft ihrer Mütter begleitet.

Im Alter von 24, 36 und 60 Monaten wurden die Mütter mit dem „Ages and Stages“-Fragebogen detailliert nach dem Entwicklungsstand ihrer Kinder in den 5 Bereichen Kommunikation, Grobmotorik, Feinmotorik, Problemlösungen und personelle soziale Kontakte interviewt. Gleichzeitig machten die Mütter Angaben zu dem aktuellen Medienkonsum ihrer Kinder.

Die Auswertung der Psychologin Sheri Madigan von der Universität in Calgary zeigt, dass längere Bildschirmzeiten nicht nur mit Defiziten in der aktuellen Entwicklung korrelierten. Kinder, die im Alter von 24 Monaten viel Zeit an den Geräten verbrachten, hatten im Alter von 36 Monaten und 60 Monaten schlechtere Ergebnisse in den Entwicklungstests. Diese Korrelationen bestanden nicht nur in der Gesamtgruppe, sondern auch auf der Ebene der einzelnen Kinder.

Die Studie belegt laut Madigan erstmals die „Richtungsbeziehung“, heißt Kausalität, zwischen den Bildschirmzeiten und einer späteren Defiziten in den Screeningtests zur Vorschulentwicklung. Das Ausmaß der Entwicklungsstörung lässt sich aus der Publikation derzeit nicht abschätzen. Zukünftige Analysen werden jedoch zeigen, ob und wie sich die Bildschirmzeiten auf die späteren schulischen Leistungen auswirken werden. © rme/aerzteblatt.de

Liebe Leserinnen und Leser,

diesen Artikel können Sie mit dem kostenfreien „Mein-DÄ-Zugang“ lesen.

Sind Sie schon registriert, geben Sie einfach Ihre Zugangsdaten ein.

Oder registrieren Sie sich kostenfrei, um exklusiv diesen Beitrag aufzurufen.

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort


Mit der Registrierung in „Mein-DÄ“ profitieren Sie von folgenden Vorteilen:

Newsletter
Kostenfreie Newsletter mit täglichen Nachrichten aus Medizin und Politik oder aus bestimmten Fachgebieten
cme
Nehmen Sie an der zertifizierten Fortbildung teil
Merkfunktion
Erstellen Sie Merklisten mit Nachrichten, Artikeln und Videos
Kommentarfunktion und Foren
Kommentieren Sie Nachrichten, Artikel und Videos, nehmen Sie an Diskussionen in den Foren teil
Job-Mail
Erhalten Sie zu Ihrer Ärztestellen-Suche passende Jobs per E-Mail.

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

11. April 2019
Washington – Die Emissionen von Stickstoffdioxid (NO2), die bis zu 80 Prozent im Straßenverkehr entstehen, sind jährlich für etwa vier Millionen Neuerkrankungen am Asthma bronchiale bei Kindern
Straßenverkehr weltweit für Millionen von Asthmaerkrankungen bei Kindern verantwortlich
9. April 2019
Boston – Erhöhter Stress von jungen Müttern kann Spuren im Gehirn der Säuglinge hinterlassen, die in einer Studie in JAMA Pediatrics (2019; doi: 10.1001/jamapediatrics.2019.0492) im
EEG: Mütterlicher Stress toxisch für die Hirnentwicklung des Säuglings
5. April 2019
Bonn – Eine zentrale Anlaufstelle für Kinder mit einer bisher nicht diagnostizierten Erkrankung und ihre Eltern hat das Universitätsklinikum Bonn eingerichtet. Das Zentrum für Seltene Erkrankungen
Neue Anlaufstelle für Kinder mit unklarer Diagnose in Bonn
2. April 2019
Hamburg – Die Hamburger Gesundheitsbehörde hat einen Leitfaden zum Umgang mit Infektionskrankheiten in Kindertagesstätten vorgelegt. Der Leitfaden solle Fachkräften in Kitas Sicherheit geben und
Leitfaden für Umgang mit kranken Kita-Kindern
1. April 2019
Frankfurt am Main – Die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Hessen erwartet, dass die bis Anfang Juli vorliegende neue Bedarfsplanungsrichtlinie die Niederlassung von zusätzlichen Kinderärzten
KV Hessen will für zusätzliche Kinderarztsitze mehr Geld von den Kassen
28. März 2019
St. Louis/Missouri – Kinder, deren Mütter einen Cannabiskonsum in der Schwangerschaft angegeben hatten, wiesen in einer prospektiven Kohortenstudie in JAMA Psychiatry (2019; doi:
Cannabis in der Schwangerschaft könnte Psychoserisiko der Kinder erhöhen
26. März 2019
Berlin – Im Rahmen eines Kooperationsprojekts unter anderem von Ärzten und Krankenkassen sind heute zehn neue Merkblätter und Kurzfilme zum Thema „Seelische Gesundheit von Kindern“ vorgestellt worden.
LNS
NEWSLETTER