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Medizin

Brexit: Studie sagt Anstieg von Schlaganfällen und Herzinfarkten voraus

Dienstag, 29. Januar 2019

/J.Mühlbauer exclus,stockadobecom

London – Der Austritts Großbritanniens aus der Europäischen Union könnte im nächsten Jahrzehnt Tausende zusätzlicher Todesfälle an Herz-Kreislauf-Erkrankungen zur Folge haben, rechnen Public Health-Forscher in BMJ Open (2019; 0: e026966) vor. Als Grund nennen sie die steigenden Preise und den dadurch sinkenden Verzehr von Obst und Gemüse. Viele Briten würden sich nach dem Brexit ungesünder ernähren und einige deshalb früher sterben.

Das Vereinigte Königreich ist derzeit nicht in der Lage, die Bevölkerung ausreichend mit Obst und Gemüse aus dem eigenen Land zu versorgen: 84 % der Früchte und 43 % des Gemüses wurden 2017 aus der Europäischen Union (EU) und Nicht-EU-Ländern importiert. Nach dem Brexit werden sich die Preise erhöhen, da dann Zölle für importierte Waren zu entrichten sind. Die größten Auswirkungen hätte nach den von Paraskevi Seferidi und Mitarbeitern des Imperial College London vorgestellten Zahlen ein „No Deal“-Szenario.

Wenn sich die Hardliner durchsetzen und es keine Verträge mit Europa (und anderen Ländern) gäbe, würden zunächst die allgemeinen Regeln der Welthandelsorganisation gelten. Zölle auf Obst und Gemüse würden Importe verteuern. Seferidi errechnet einen Preisanstieg für Bananen um 16,9 % (95-%-Konfidenzintervall 16,6 bis 17,1 %). Zitrusfrüchte würden um 14,3 % (7,6-27,2 %) und Tomaten um 14,9 % (13,2-16,6 %) teurer.

In der Folge würde der Verzehr von Obst um 11,4 % (9,5-14,2 %) und der Verzehr von Gemüse um 9,1 % (7,8-11,0 %) zurückgehen. Da ein geringer Verzehr von Obst und Gemüse das Risiko auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöht, käme es zu vermehrten Todesfällen. Dies würde sich nicht sofort bemerkbar machen, da sich die Erkrankungen erst langsam entwickeln. Im Jahrzehnt zwischen 2021 bis 2030 könnte es jedoch zu 12.400 (6.690-23.390) zusätzlichen Todesfällen durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen kommen. Das wäre ein Anstieg um 1,7 %.

Die Zahlen sind keine reine Spekulation, sondern Berechnungen. Sie beruhen auf den bekannten Daten zum Verzehr von Obst und Gemüse in Großbritannien. Die Aus­wirkungen von Preissteigerungen auf den Verzehr wurden mit dem „IMPACT Food Policy-Model“ berechnet. Er wurde vom International Food Policy Research Institute (IFPRI) zur Analyse von Versorgungskrisen in Drittweltländern entwickelt. Zu den Auswirkungen eines verminderten Obst- und Gemüseverzehrs auf kardiovaskuläre Erkrankungen gibt es epidemiologische Studien. Die britischen Forscher haben Schätzungen verwendet, die Renata Micha von der Tufts Friedman School of Nutrition Science and Policy in Boston vor einigen Jahren im amerikanischen Ärzteblatt veröffentlicht haben (JAMA 2017; 317: 912-924). Die Auswirkungen auf die Herz-Kreislauf-Erkrankungen in Großbritannien wurden aufgrund von Landesstatistiken berechnet oder abgeschätzt.

Natürlich lassen sich Preisentwicklungen nur bedingt vorhersagen und es muss auch nicht zu einem „No deal“-Brexit kommen. Seferidi hat noch weitere Szenarien durchgerechnet. Bei einem Freihandelsabkommen mit der EU käme es nur zu einem Rückgang um 7,0 % beim Obstverzehr und um 2,7 % beim Gemüseverzehr. Der Anstieg der Herz-Kreislauf-Todesfälle im nächsten Jahrzehnt würde dann auf 5.740 (2.860-11.910) begrenzt. Wenn es der britischen Regierung bis Ende März gelänge, neben der EU auch mit Drittländern Verträge auszuhandeln, würde der Obstverzehr nur um 4,4 % und der Gemüseverzehr um 2,5 % sinken. Das ergäbe dann 4.110 (2.130-8.100) zusätzliche Herz-Kreislauf-Todesfälle im nächsten Jahrzehnt.

Am besten wäre es natürlich, wenn die britische Regierung Importzölle bei Obst und Gemüse völlig vermeiden könnte. Wegen anderer Handelsbarrieren käme es laut Seferidi dennoch zu einem Rückgang der Importe von Obst um 2,8 % und der Importe von Gemüse um 4,0 %. Die Folge wären 4.160 (2.330-7.380) zusätzliche Herz-Kreislauf-Todesfälle zwischen 2021 und 2030. © rme/aerzteblatt.de

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Avatar #759732
Peter Meier
am Mittwoch, 30. Januar 2019, 10:44

Neueste Studien

Wahrscheinlich steigen in der restlichen EU die Zahlen von Herzinfarkten und Schlaganfällen noch staerker als in Grossbritannien, weil durch die Preissteigerung von Obst und Gemuese, i.e. durch den Wertverlust des Teuro, die Menschen sich nur noch weniger Obst und Gemuese leisten koennen.
Avatar #759732
Peter Meier
am Mittwoch, 30. Januar 2019, 10:44

Neueste Studien

Wahrscheinlich steigen in der restlichen EU die Zahlen von Herzinfarkten und Schlaganfällen noch staerker als in Grossbritannien, weil durch die Preissteigerung von Obst und Gemuese, i.e. durch den Wertverlust des Teuro, die Menschen sich nur noch weniger Obst und Gemuese leisten koennen.
Avatar #748578
Ferdinand Wolfbeißer
am Dienstag, 29. Januar 2019, 18:42

Dr. Rath

Den Engländern könnte somit helfen, dass sie jenes Vitamin C (oder mehr), das ihnen durch den befürchteten Rückgang bei diesen Nahrungsmitteln (Obst und Gemüse) fehlen wird, auf dem Wege der Nahrungsmittelergänzung zuführen. Über die Bedeutung des Vitamin C für die Gefäßgesundheit: http://members.chello.at/meinewebseite/Emai.htm
LNS

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