NewsMedizinAntibiotika könnten Klinikaufenthalte bei Asthmaexazer­bationen verlängern
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Antibiotika könnten Klinikaufenthalte bei Asthmaexazer­bationen verlängern

Dienstag, 29. Januar 2019

/phirakon jaisangat, stockadobecom

Springfield/Massachusetts – Obwohl ein Nutzen von Antibiotika bei akuten Exazer­bationen eines Asthma bronchiale nicht belegt ist, werden sie in Notfallambulanzen häufig verordnet. Eine Studie in JAMA Internal Medicine (2019; doi: 10.1001/jamainternmed.2018.5394) kommt jetzt zu dem Ergebnis, dass der Einsatz mit einer Verlängerung des Klinikaufenthaltes, höheren Kosten und häufigeren Durchfallerkrankungen verbunden war.

Die schwere Atemnot, mit der Patienten mit einem Asthmaanfall in der Klinik eingeliefert werden, verlangen nach einer konsequenten Reaktion. Dazu gehört bei vielen Notfallärzten nicht nur der Einsatz von Bronchodilatatoren und Steroiden, um die Atmung zu erleichtern und die Entzündungsreaktion zu stoppen. Viele Ärzte behandeln die Patienten zusätzlich mit einem Antibiotikum gegen eine vermeintliche Infektion, die sie als Trigger der Exazerbation vermuten.

Der Einsatz von Antibiotika ist kontrovers. Zwar hatten sich in einer früheren randomisierten kontrollierten Studie (TELICAST) die Symptome der Patienten verbessert, nicht aber deren Lungenfunktion (NEJM 2006; 354: 1589-1600). Das damals eingesetzte Antibiotikum Telithromycin wird aufgrund zahlreicher Risiken nur noch selten verordnet. Eine neuere Studie (AZALEA) konnte für das weniger umstrittene Antibiotikum Azithromycin keine Vorteile nachweisen
(JAMA Internal Medicine 2016; 176: 1630-1637). Eine aktuelle Cochrane-Analyse gibt aufgrund der widersprüchlichen Ergebnisse aus insgesamt 6 Studien keine Empfehlung ab.

Die Analyse von elektronischen Krankenakten aus 542 Notfallambulanzen in den USA zeigt nun, dass von 19.811 Patienten 8.788 (44,3 %) ein Antibiotikum erhielten. Der Einsatz war nach einer Analyse von Mihaela Stefan von der University of Massachusetts Medical School in Springfield/Maryland und Mitarbeitern mit einem längeren Kranken­haus­auf­enthalt verbunden, ohne dass die Zahl der Patienten mit einem Behandlungsversagen gesenkt werden konnte.

In einer Propensity-Score-Analyse, die nur Patienten mit (möglichst gleichen) Eigenschaften vergleicht, war der Einsatz von Antibiotika mit einem um 29 % längeren Kranken­haus­auf­enthalt verbunden (95-%-Konfidenzintervall 27 bis 31 %) sowie mit höheren Krankenhauskosten (median 4.776 versus 3.641 US-Dollar). Die Odds Ratio auf ein Therapieversagen betrug 0,95 (0,82 bis 1,11).

Dem fehlenden Nachweis stand neben den höheren Kosten auch eine höhere Rate von Nebenwirkungen gegenüber. Dazu gehörte eine höhere Rate von Durchfall­erkrankungen (1,4 versus 1,1 % in der Propensity-Analyse).

Wie bei allen Datenbankanalysen sind die Ergebnisse mit Vorbehalt zu betrachten. Es ist durchaus denkbar, dass Antibiotika bevorzugt bei Patienten mit bedrohlicheren Symptomen eingesetzt werden, was die längeren Liegezeiten und die höheren Klinikkosten plausibel erklären würde. Eine Propensity-Score-Analyse kann diese Verzerrungen nicht immer ausschließen. © rme/aerzteblatt.de

Liebe Leserinnen und Leser,

diesen Artikel können Sie mit dem kostenfreien „Mein-DÄ-Zugang“ lesen.

Sind Sie schon registriert, geben Sie einfach Ihre Zugangsdaten ein.

Oder registrieren Sie sich kostenfrei, um exklusiv diesen Beitrag aufzurufen.

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort


Mit der Registrierung in „Mein-DÄ“ profitieren Sie von folgenden Vorteilen:

Newsletter
Kostenfreie Newsletter mit täglichen Nachrichten aus Medizin und Politik oder aus bestimmten Fachgebieten
cme
Nehmen Sie an der zertifizierten Fortbildung teil
Merkfunktion
Erstellen Sie Merklisten mit Nachrichten, Artikeln und Videos
Kommentarfunktion und Foren
Kommentieren Sie Nachrichten, Artikel und Videos, nehmen Sie an Diskussionen in den Foren teil
Job-Mail
Erhalten Sie zu Ihrer Ärztestellen-Suche passende Jobs per E-Mail.

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

3. Juni 2020
Bristol − Die Bemühungen des National Health Service (NHS), den Einsatz von Antibiotika in der hausärztlichen Versorgung zu verringern, hat laut einer Studie in PLOS ONE (2020; DOI:
Großbritannien: Verminderte Antibiotikaverordnung senkt Häufigkeit bestimmter Resistenzen
2. Juni 2020
Genf – Laut der Welt­gesund­heits­organi­sation (WHO) überwacht mittlerweile eine Rekordzahl von Ländern Antibiotikaresistenzen und erstattet darüber Bericht. Aus den von ihnen vorgelegten Daten geht
Antibiotikaresistenzen weltweit auf dem Vormarsch
29. Mai 2020
Berlin – Im Kampf gegen Antibiotikaresistenzen sollen interdisziplinäre Teams aus Ärzten und Apothekern an Krankenhäusern passende Strategien entwickeln. Das ist eine Empfehlung der Kommission
Neues RKI-Papier zu Antibiotikaeinsatz
26. Mai 2020
Berlin − Die Einrichtung von Umweltzonen, die es mittlerweile in 58 deutschen Städten gibt, hat über die Verbesserung der Luftqualität die Ausgaben der Krankenkassen für Arzneimittel gegen Herz-
Studie: Städtische Umweltzonen senken Ausgaben für Herzmedikamente und Asthmasprays
12. Mai 2020
Berlin – Die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) hat eine Übersicht erstellt, welche Patienten mit chronischen Atemwegs- und Lungenerkrankungen ein höheres Risiko für
Welche Lungenpatienten durch COVID-19 besonders gefährdet sind
4. Mai 2020
Durham/North Carolina − Ein Schwebstofffilter, der über 14 Tage die Feinstaubkonzentration im Schlafzimmer gesenkt hat, hat in einer randomisierten Studie in JAMA Pediatrics (2020; doi:
Asthma: Feinstaubfilter im Schlafzimmer verbessert Lungenfunktion von Kindern
21. April 2020
Lissabon, Porto und Berlin − Haushunde können mit multiresistenten Keimen besiedelt sein, die sie möglicherweise über das Futter aufnehmen. Eine Übertragung auf den Hundehalter ist möglich, aber
LNS LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER