NewsPolitikAOK-Institut sieht bei Biosimilars Einsparpotenzial in Milliardenhöhe
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Politik

AOK-Institut sieht bei Biosimilars Einsparpotenzial in Milliardenhöhe

Dienstag, 29. Januar 2019

/monropic, stockadobecom

Berlin – Biologische Arzneimittel sind in Deutschland dem Wissenschaftlichen Institut der AOK (WIdO) zufolge zu teuer. Das liege unter anderem daran, dass in dem Markt der Biologika und ihrer Nachahmerprodukte – der Biosimilars – bislang kein richtiger Wettbewerb entstanden sei. Das könnte sich mit dem geplanten „Gesetz für mehr Sicherheit in der Arzneimittelversorgung“ (GSAV) aber ändern, so die Hoffnung des Instituts.

Die Krankenkassen geben laut WIdO für patentfreie biologische Arzneimittel pro Jahr rund vier Milliarden Euro aus – das sind etwa zehn Prozent der gesamten Arzneimittelausgaben der gesetzlichen Kran­ken­ver­siche­rung (GKV). „Die Herausforderungen sind dabei weniger die Verordnungsmengen des Wirkstoffs als vielmehr die konstant hohen Preise für Originalbiologika, die sich oftmals auch nach Auslauf des Patentschutzes halten“, sagte Helmut Schröder, stellvertretender Geschäftsführer des WIdO

Anzeige

Normalerweise gehen Experten nach dem Patentablauf eines Wirkstoffes davon aus, dass der Wettbewerb die Preise und damit die Kosten für die Krankenkassen senkt. Doch der Wettbewerb im biosimilarfähigen Markt entwickelt sich dem WIdO zufolge nur schleppend, die Preise lägen bislang meist nur geringfügig unter denen der Originalanbieter, obwohl Biosimilars im Schnitt nur ein Viertel der Forschungs- und Entwicklungskosten ihrer Referenzprodukte verursachten.

Außerdem würden Biosimilars nur zurückhaltend verordnet. Ihr durchschnittlicher Verordnungsanteil innerhalb der jeweiligen Wirkstoffe liegt laut WIdO im Durchschnitt bei 15 Prozent gegenüber den Originalbiologika. 

Das Institut rechnet vor, dass die GKV selbst bei den hohen aktuellen Biosimilarpreisen pro Jahr 758 Millionen Euro einsparen könnte, wenn systematisch das preiswerteste Biologikum in der Therapie eingesetzt würde. Preisnachlässe, wie sie in anderen europäischen Ländern wie Großbritannien oder Norwegen gelten, könnten sogar bis zu 2,9 Milliarden Euro pro Jahr sparen.

Das WIdO hofft jetzt auf den Gesetzgeber: Der aktuelle Entwurf zum GSAV sieht nach einem Übergangszeitraum von drei Jahren die Austauschmöglichkeit beziehungsweise verpflichtende Substitution von Biologika durch Biosimilars in der Apotheke vor.

„Dies würde im Endeffekt den Wettbewerbsdruck auf die pharmazeutischen Hersteller enorm erhöhen und die Kosten der gesetzlichen Krankenkassen erheblich senken, bei gleichbleibend hoher Qualität der Therapie für Patienten“, erklärte Schröder. Er weist darauf hin, dass unter anderem die Arznei­mittel­kommission der deutschen Ärzteschaft (AkdÄ) in einem Leitfaden Biosimilars für die Erstverordnung und für Folgeverordnungen empfiehlt. © hil/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

19. Juni 2020
Stanford/Kalifornien – Frauen, denen in den 90 Tagen vor dem Beginn einer Schwangerschaft Benzodiazepine verordnet wurden, hatten in einer Kohortenstudie ein erhöhtes Risiko auf eine
Studie: Benzodiazepine erhöhen Risiko auf Eileiterschwangerschaft
19. Juni 2020
Berlin – Der Anteil der Generika an der gesamten Arzneimittelversorgung in Deutschland ist im Jahr 2019 weiter angestiegen: von 78,2 auf 78,7 Prozent. 2009 lag er noch bei 67,1 Prozent. Das geht aus
Anteil der Generika steigt weiter
5. Juni 2020
Hamburg – Die Arzneimittelausgaben der Techniker Krankenkasse (TK) sind im März stark gestiegen. In der Woche vor Inkrafttreten der Kontaktverbote erhöhten sich die Ausgaben für Medikamente auf knapp
Arzneimittelausgaben der Techniker Krankenkasse gestiegen
12. Mai 2020
Brüssel − Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn setzt auf finanzielle Anreize, um die Produktion wichtiger Arzneimittel zurück nach Europa zu holen. „Europa muss bei Arzneimitteln wieder
Spahn will finanzielle Anreize für Arzneimittelproduktion in Europa
27. April 2020
Berlin – Mit dem Beginn der Coronakrise sind im März die Ausgaben der gesetzlichen Kran­ken­ver­siche­rung (GKV) für Arzneimittel ohne Impfstoffe im Vergleich zum Vorjahresmonat um 25 Prozent auf 3,84
Ausgaben für Medikamente gestiegen
12. März 2020
Frankfurt – Die niedergelassenen Ärzte in Deutschland haben im vergangenen Jahr weniger Medikamente über das sogenannte grüne Rezept verordnet als noch 2018. Das berichtet der Statistikdienstleister
Einsatz des grünen Rezepts zurückgegangen
27. Februar 2020
Berlin – Bei der Verordnung von Biologika und Biosimilars gibt es in Deutschland ein Einsparpotenzial von 328 Millionen Euro. Zu diesem Ergebnis kommt eine Untersuchung des Marktforschungsinsituts
LNS LNS

Fachgebiet

Stellenangebote

    Anzeige

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER