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Politik

AOK-Institut sieht bei Biosimilars Einsparpotenzial in Milliardenhöhe

Dienstag, 29. Januar 2019

/monropic, stockadobecom

Berlin – Biologische Arzneimittel sind in Deutschland dem Wissenschaftlichen Institut der AOK (WIdO) zufolge zu teuer. Das liege unter anderem daran, dass in dem Markt der Biologika und ihrer Nachahmerprodukte – der Biosimilars – bislang kein richtiger Wettbewerb entstanden sei. Das könnte sich mit dem geplanten „Gesetz für mehr Sicherheit in der Arzneimittelversorgung“ (GSAV) aber ändern, so die Hoffnung des Instituts.

Die Krankenkassen geben laut WIdO für patentfreie biologische Arzneimittel pro Jahr rund vier Milliarden Euro aus – das sind etwa zehn Prozent der gesamten Arzneimittelausgaben der gesetzlichen Kran­ken­ver­siche­rung (GKV). „Die Herausforderungen sind dabei weniger die Verordnungsmengen des Wirkstoffs als vielmehr die konstant hohen Preise für Originalbiologika, die sich oftmals auch nach Auslauf des Patentschutzes halten“, sagte Helmut Schröder, stellvertretender Geschäftsführer des WIdO

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Normalerweise gehen Experten nach dem Patentablauf eines Wirkstoffes davon aus, dass der Wettbewerb die Preise und damit die Kosten für die Krankenkassen senkt. Doch der Wettbewerb im biosimilarfähigen Markt entwickelt sich dem WIdO zufolge nur schleppend, die Preise lägen bislang meist nur geringfügig unter denen der Originalanbieter, obwohl Biosimilars im Schnitt nur ein Viertel der Forschungs- und Entwicklungskosten ihrer Referenzprodukte verursachten.

Außerdem würden Biosimilars nur zurückhaltend verordnet. Ihr durchschnittlicher Verordnungsanteil innerhalb der jeweiligen Wirkstoffe liegt laut WIdO im Durchschnitt bei 15 Prozent gegenüber den Originalbiologika. 

Das Institut rechnet vor, dass die GKV selbst bei den hohen aktuellen Biosimilarpreisen pro Jahr 758 Millionen Euro einsparen könnte, wenn systematisch das preiswerteste Biologikum in der Therapie eingesetzt würde. Preisnachlässe, wie sie in anderen europäischen Ländern wie Großbritannien oder Norwegen gelten, könnten sogar bis zu 2,9 Milliarden Euro pro Jahr sparen.

Das WIdO hofft jetzt auf den Gesetzgeber: Der aktuelle Entwurf zum GSAV sieht nach einem Übergangszeitraum von drei Jahren die Austauschmöglichkeit beziehungsweise verpflichtende Substitution von Biologika durch Biosimilars in der Apotheke vor.

„Dies würde im Endeffekt den Wettbewerbsdruck auf die pharmazeutischen Hersteller enorm erhöhen und die Kosten der gesetzlichen Krankenkassen erheblich senken, bei gleichbleibend hoher Qualität der Therapie für Patienten“, erklärte Schröder. Er weist darauf hin, dass unter anderem die Arznei­mittel­kommission der deutschen Ärzteschaft (AkdÄ) in einem Leitfaden Biosimilars für die Erstverordnung und für Folgeverordnungen empfiehlt. © hil/aerzteblatt.de

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