NewsÄrzteschaftÄrzte wollen nutzbringende E-Health-Anwendungen
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Ärzteschaft

Ärzte wollen nutzbringende E-Health-Anwendungen

Dienstag, 29. Januar 2019

/leowolfert, stockadobecom

Berlin – Ärzte sind offen für digitale Lösungen, wenn sie sich davon einen praktischen Nutzen für die Patientenversorgung versprechen. Das zeigt der zweite Digitalisierungs­report der DAK-Gesundheit in Zusammenarbeit mit der Ärzte Zeitung, der heute in Berlin vorgestellt wurde. 2.300 Ärztinnen und Ärzte haben dafür im Herbst 2018 an der anonymen Onlinebefragung teilgenommen und über ihre Einstellungen zu digitalen Versorgungsangeboten Auskunft gegeben. Ein Kernthema der Studie sind die Möglichkeiten einer elektronischen Gesundheitsakte (eGA).

Danach finden es 71 Prozent der an der Umfrage teilnehmenden Ärzte gut, wenn durch eine eGA ein digitaler Wechselwirkungscheck der Medikation des Patienten unterstützt wird. 21 Prozent stehen dem neutral gegenüber. Etwas mehr als die Hälfte der Ärzte meinen zudem, dass die Verfügbarkeit zurückliegender Befunddaten anderer Ärzte über die eGA die eigene Anamnese vereinfacht und die Qualität der Behandlung verbessert. 29 Prozent der Befragten sind hingegen der Auffassung, dass dies einen unnötigen Zusatzaufwand zum ohnehin erforderlichen Arzt-Patienten-Gespräch bedeutet und daher überflüssig ist.

Anzeige

Bekanntheit gestiegen, aber nicht der Verbreitungsgrad

Im Vergleich zum ersten Digitalisierungsreport ein Jahr zuvor ist der Bekanntheitsgrad einiger digitaler Versorgungslösungen gestiegen, der Nutzungs- beziehungsweise Verbreitungsgrad ist hingegen weiterhin gering: Immerhin 87 Prozent der Ärzte können sich unter Onlinevideosprechstunden etwas vorstellen (ein Jahr zuvor: 83 Prozent). Dies ist darauf zurückzuführen, dass der Deutsche Ärztetag im Mai 2018 das Verbot der ausschließlichen Fernbehandlung gelockert hat. Allerdings spielt die Online­videosprechstunde bei 81 Prozent der Ärzte noch keine Rolle. Nur jeweils drei Prozent der Befragten gaben an, ein solches Angebot konkret zu planen oder bereits mit Videosprechstunden zu arbeiten.

Nicht viel anderes sieht das beim Thema eGA aus: Inzwischen haben zwar 74 Prozent der Ärzte schon von der eGA gehört (ein Jahr zuvor: 52 Prozent). Dies ist eine Folge davon, dass 2018 mehrere Krankenkassenverbünde erste eGA-Modelle öffentlichkeits­wirksam vorgestellt haben. Allerdings sind nach der Umfrage erst neun Prozent der Ärzte damit schon einmal konkret in Berührung gekommen.

Ähnliches gilt für digitale Gesundheitsangebote wie Onlinecoaching oder Diagnostik-Apps für Patienten, die für das Gros der Ärzte in der Praxis noch keine Rolle spielen: Nur 18 beziehungsweise 17 Prozent der Ärzte haben sich damit schon einmal befasst. Anders sieht das bei der Onlineterminvereinbarung aus: Hiervon hat etwa die Hälfte der Ärzte schon gehört, und immerhin 46 Prozent hatten schon konkret damit zu tun.

Qualitätssicherung ist wichtig

„Der Nutzen von E-Health und digitalen Anwendungen muss im Mittelpunkt stehen, sowohl für den Arzt als auch den Patienten“, betonte Andreas Storm, Vorstands­vorsitzender der DAK-Gesundheit. Digitalisierung sei eine Gestaltungsaufgabe und benötige vor allem auch Qualität.

Storm verwies dabei auf ein Ergebnis der Befragung, wonach 63 Prozent der Ärzte einen Nutzennachweis für Therapie-Apps fordern. 70 Prozent der Befragten halten zudem die medizinischen Fachgesellschaften für geeignet, diese neuen digitalen Gesundheitsangebote zu bewerten. Digitalisierung sei nur gemeinsam mit allen Akteuren möglich, meinte Storm. Er forderte daher eine „nationale Digital-Health-Strategie“, für die der Staat klare Rahmenvorgaben mache, die konkrete Ausgestaltung aber den Akteuren überlasse.

Im Hinblick auf die Digitalisierung des Gesundheitswesens und mit Blick auf die elektronischen Patientenakte, die bis spätestens Anfang 2021 alle Krankenkassen ihren Versicherten zur Verfügung stellen sollen, setzen die Ärzte nicht nur auf die manipu­lationssichere, zuordenbare und vollständige Übertragung der von Ärzten erhobenen medizinischen Daten, sondern auch auf einen leichteren innerärztlichen Informations­austausch. Das betonte Thomas Kriedel, Vorstandsmitglied der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV). Hierfür müssten die Daten strukturiert und standardisiert ausgetauscht werden können, und die dafür genutzten Systeme müssten interoperabel sein. 

KBV will Standardisierung verantworten

Bei der Patientenakte haben sich die Akteure in einem Letter of Intent dabei auf eine grobe Struktur geeinigt. Für den Bereich der medizinischen Daten will die KBV die Verantwortung übernehmen und die medizinischen Informationsobjekte, also beispielsweise die Befunde, standardisieren – „selbstverständlich auf Basis interna­tionaler Standards und in enger Abstimmung mit allen Beteiligten“, so der KBV-Vorstand. „Ist die Standardisierung erst einmal erreicht, sind die Anforderungen der Ärzte an die Digitalisierung klar und einfach: Sie muss Aufwände reduzieren, Arbeitsabläufe verschlanken, die Kommunikation erleichtern und den Informationsaustausch verbessern“, erklärte Kriedel. © KBr/aerzteblatt.de

Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

3. Juni 2020
Berlin – Die vier Justizminister der Grünen in den Bundesländern bestehen darauf, den Einsatz der geplanten Corona-Warn-App per Gesetz zu regeln. So müsse sichergestellt werden, dass die App lediglich
Grüne Justizminister beharren auf Gesetz für Corona-Warn-App
3. Juni 2020
Berlin – Der Versichertenstammdatendienst (VSDM) der Tele­ma­tik­infra­struk­tur (TI) ist weiterhin gestört. Die Gematik hat nun ein auf einer eigens eingerichteten Internetseite wichtige Informationen
Gematik richtet Informationsportal zur TI-Störung ein
3. Juni 2020
Osnabrück – Der Erfolg der Corona-Warn-App hängt in Deutschland entscheidend davon ab, dass sich viele Menschen testen lassen und die Ergebnisse schnellstmöglich in das Programm übertragen. Das hat
Corona-Warn-App: Erfolg hängt von Nutzern ab
2. Juni 2020
Berlin – Die Entwickler der Corona-Warn-App des Bundes haben den kompletten Programmcode der mit Spannung erwarteten Anwendung offengelegt. „Über Pfingsten haben wir alle restlichen, noch nicht
Kompletter Programmcode der Corona-Warn-App veröffentlicht
2. Juni 2020
Berlin – Die seit dem 27. Mai bestehende Störung des Ver­sicher­ten­stamm­daten­ab­gleichs in der Tele­ma­tik­infra­struk­tur (TI) muss von der Gematik zügig behoben werden. Das hat die Kassenärztliche
TI-Störung: Kassenärztliche Bundesvereinigung erwartet schnelle Problemlösung
2. Juni 2020
Rom – Italien startet mit seiner angekündigten Warn-App im Kampf gegen die Coronapandemie. Die Anwendung auf dem Smartphone soll Bürgern einen Hinweis senden, wenn sie sich in der Nähe eines
Coronakrise: Italien startet Warn-App
29. Mai 2020
Berlin – Der Onlineabgleich der Versichertenstammdaten ist in vielen medizinischen Einrichtungen derzeit weiterhin nicht möglich. Die Probleme bestehen seit dem 27. Mai, wie die Gematik jetzt
LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER