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Medizin

US-Studie: Stärken und Schwächen des Hausarztmodells

Dienstag, 29. Januar 2019

/Minerva Studio, stockadobecom

Boston – Hausärzte sind in den USA nicht selbstverständlich. Ein Viertel der Bevölkerung muss sich bei Krankheiten an Spezialisten oder Kliniken wenden. Eine Studie in JAMA Internal Medicine (2019; doi: 10.1001/jamainternmed.2018.6716) hat jetzt Stärken und Schwächen des Hausarztmodells („Primary Care“) ermittelt.

Das US-Ge­sund­heits­mi­nis­terium führt regelmäßig Umfragen zum Gesundheitszustand in der Bevölkerung durch. Im Medical Expenditure Panel Survey wird die Inanspruch­nahme von medizinischen Leistungen abgefragt, wobei die Angaben teilweise durch Rückfragen bei den Anbietern validiert werden. Zwischen 2012 und 2014 wurden 49.286 Erwachsene mit und 21.133 Erwachsene ohne „Primary Care“ befragt. David Levine vom Brigham and Women’s Hospital und Mitarbeiter haben die Antworten der beiden Gruppen verglichen. Seine Propensity-Analyse berücksichtigt, dass die Erwachsenen mit medizinischer Grundversorgung älter waren, und es waren mehr Frauen und Personen europäischer Herkunft darunter.

Bei der Zahl der ambulanten medizinischen Kontakte gab es keine Unterschiede. Erwachsene mit „Primary Care“ hatten im Durchschnitt 6,7 Arztbesuche im Jahr, bei den Erwachsenen ohne „Primary Care“ waren es 5,9 pro Jahr. Die Differenz von 0,8 Kontakten war statistisch nicht signifikant. Auch die Zahl der Notaufnahmen (jeweils 0,2 pro Jahr) und der stationären Aufenthalte (0,1 für beide) war gleich.

Neben diesen Rahmendaten gab es jedoch Unterschiede. So erhielten Erwachsene mit „Primary Care“ mehr Rezepte (14,1 versus 10,7; Differenz 3,4; 95-%-Konfidenzintervall 2,0 bis 4,7).

Ein wichtiger Unterschied bestand in den vorbeugenden Arztbesuchen (Unterschied 14,7 %; 12,3 bis 17,1 %). Erwachsene mit „Primary Care“ nahmen häufiger an einer Darmkrebsvorsorge (16,1 %; 12,0 bis 20,3 %) und an der Mammografie (14,2 %; 8,8 bis 19,6 %) teil. Sie wurden häufiger gegen Grippe geimpft, und es wurde häufiger der Blutdruck kontrolliert. Diabetiker erhielten häufiger eine hochwertige Betreuung mit regelmäßigen HbA1c-Checks, Fuß- und Augenuntersuchungen. Erwachsene mit „Primary Care“ wurden auch häufiger zu Diäten, Sport und zur Rauchentwöhnung beraten.

In der medikamentösen Behandlung gab es – trotz der häufigeren Rezepte – dagegen Defizite. Betablocker wurden nach einem Herzinfarkt tendenziell seltener verordnet (Unterschied: minus 4,6 %, minus 14,3 bis plus 5,0 %), bei Patienten mit chronischer Herzinsuffizienz war der Unterschied sogar statistisch signifikant (minus 15,4 %; minus 18,5 bis minus 12,4 %). Und auch Asthmapatienten erhielten signifikant seltener „Controller“-Medikamente (Unterschied: minus 15,4 %; minus 18,5 bis minus 12,4 %).

Erwachsene mit „Primary Care“ schätzten die Kommunikation mit Ärzten häufiger positiv ein. Die Doktoren würden ihnen zuhören, besser erklären, sie wären respektvoll und würden sich mehr Zeit nehmen (Unterschied insgesamt 10,2 %; 7,2 bis 13,1 %).

Das Urteil des Editorialisten Allan Goroll vom Massachusetts General Hospital in Boston fällt dagegen nicht eindeutig positiv aus. Einerseits würde die bessere Bewertung der „Primary Care“ durch die Patienten vermutlich die Anstrengungen der Hausärzte in der Primärversorgung widerspiegeln, die sich intensiver um die Vorsorge und die Gesundheitsberatung kümmerten. Andererseits wären die Defizite in der medikamentösen Behandlung ein Hinweis darauf, dass Diagnose- und Management­fähigkeiten auf hausärztlicher Ebene „ungenutzt bleiben und möglicherweise atrophieren“. © rme/aerzteblatt.de

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Avatar #600500
Wiebrecht
am Donnerstag, 31. Januar 2019, 20:14

Einseitig

Der Kommentar des "Editorialisten" Allan Goroll bewertet einseitig die medikamentöse Behandlung, wobei noch nachzuweisen wäre, dass mehr Medikamente die jeweils bessere Lösung sind. Hingegen ignoriert er die von Hausärzten vermehrt propagierten und allseits indizierten nicht-medikamantösen Therapien Ernährung, Sport und Raucherentwöhnung. Ein schiefes Bild!
LNS

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