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Ärzteschaft

Weiter Mangel trotz Ärztezuwachs in Sachsen-Anhalt

Mittwoch, 30. Januar 2019

/dpa

Magdeburg – Die Zahl der berufstätigen Mediziner ist in Sachsen-Anhalt weiter gestiegen. Zum Ende vergangenen Jahres praktizierten landesweit 9.436 Frauen und Männer, wie die Ärztekammer Sachsen-Anhalt gestern mitteilte. 2017 hatte es knapp 9.300 berufstätige Ärzte gegeben, 2016 weniger als 9.200.

Am Ärztemangel ändere das aber wenig. Ein Trend zur Teilzeitarbeit und zum Angestelltenverhältnis wirke einer Entspannung der Situation entgegen, sagte der Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Sachsen-Anhalt, Burkhard John. Laut der Ärztekammer arbeiteten 2018 mehr als 1.200 Ärzte in Teilzeit, 2015 seien es erst 930 gewesen.

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Wichtige Kennziffer ist aus Sicht von KV und Ärztekammer die Arztdichte: In Sachsen-Anhalt sei Ende 2017 auf 241 Einwohner ein Arzt gekommen – nur in Niedersachsen (246) und Brandenburg (251) war demnach das Verhältnis noch schlechter. Das beste Verhältnis habe Hamburg mit 139 Einwohnern je Arzt gehabt.

Laut John gibt es vielfach Probleme, Praxen nachzubesetzen, wenn Ärzte in den Ruhestand gehen. Allein 138 Hausarztpraxen müssen der KV zufolge besetzt werden – eine Größenordnung wie in den vergangenen Jahren. Junge Ärzte strebten häufiger ein Angestelltenverhältnis an, was auch für ältere Mediziner ein Modell zum Ende ihres Berufslebens sei. Dazu biete die wachsende Zahl Medizinischer Versorgungszentren nach dem Vorbild der DDR-Polikliniken Möglichkeiten.

Die KV betreibt inzwischen eine Reihe von Praxen als Eigeneinrichtungen. Dort können ambulant tätige Ärzte im Angestelltenverhältnis arbeiten und müssen das Risiko der Selbstständigkeit und langer, unberechenbarer Arbeitszeiten nicht selbst tragen. „Aber das kann nicht die Lösung sein“, betonte John. Der Plan der Bundesregierung, in unterversorgten Regionen solche Einrichtungen der KV zu etablieren, schieße über das Ziel hinaus. „Hätten wir überall solche Eigeneinrichtungen, hätten wir gar keine Ärzte, die wir da beschäftigen könnten.“

Stattdessen müssten in Sachsen-Anhalt vorhandene Bemühungen weiter „hochaktiv“ betrieben werden. Das beginne mit der Vergabe von Stipendien und reiche bis zur Landarztquote der Landesregierung. Danach werden bis zu 20 der landesweit 400 Medizinstudienplätze in Halle und Magdeburg pro Jahr für angehende Landärzte reserviert.

Wie es inzwischen um die Alterspyramide bestellt ist, macht eine Statistik der Ärztekammer klar: Danach machen Ärzte ab 60 Jahren 35 Prozent aus, 50- bis 59-Jährige 22 Prozent, 40 bis 49-Jährige dagegen nur 16 Prozent. Zudem sind 21 Prozent zwischen 30 und 39 Jahre alt. Die Altersgruppe der 40- bis 49-jährigen Mediziner schrumpfte in den vergangenen Jahren stetig, bei den 50- bis 59-Jährigen blieb die Zahl dagegen in etwa gleich. Einen deutlich ansteigenden Trend registriert die Ärztekammer bei den Medizinern über 60 Jahre.

© dpa/aerzteblatt.de

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Avatar #88767
fjmvw
am Donnerstag, 31. Januar 2019, 09:09

KV-Chef hat’s gemerkt. Es gibt nicht genügend Ärzte!

Würde sich der KV-Chef aus Sachsen-Anhalt selbst zuhören, dann käme er von ganz allein auf die Ursache für das Problem. Von da aus wäre es nur noch ein kleiner Schritt zur Lösung. Aber der Reihe nach.

KV-Chef führt aus, dass die KV Praxen als Eigeneinrichtungen betreibt. Aber man könne nicht einmal „nur“ in den unterversorgten Gebieten ausschließlich Eigeneinrichtungen betreiben, weil es einfach nicht genügend Ärzte gibt. Ob das vielleicht daran liegen könnte, dass es für Ärzte selbst im Angestelltenverhältnis nicht attraktiv genug ist, im niedergelassenen Bereich zu arbeiten?

Der Nachwuchs arbeitet im Schnitt 28h pro Woche, ein selbstständiger Praxisinhaber „alten Schlages“ dagegen doppelt so viel. Also braucht man für jeden ausscheidenden Arzt ZWEI Ärzte als Ersatz. Da viele Ärzte keine Nachfolger finden, erreichen zwangsläufig immer mehr Regionen den Status „Unterversorgung“.

Wie kann man diese Entwicklung verhindern, Herr KV-Chef?
Sie wissen es nicht? Gut, dann mache ich Ihnen einen Vorschlag. Sorgen Sie für angemessene Honorare, dann wird die Unterversorgung schnellstmöglich behoben.

Bleibt es dagegen bei der völlig unzureichenden Honorierung, dann gilt, was Sie schon festgestellt haben: Es gibt gar keine Ärzte, die man da beschäftigen könnte.

Übrigens, die ökonomisch korrekte Zustandsbeschreibung lautet:
Es gibt BEI DEN DERZEITIGEN Honoraren nicht genügend Ärzte.
Bei ANGEMESSENEN Honoraren gibt es immer genügend Ärzte.
LNS

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