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Medizin

Diese Gene machen Menschen morgens (ein wenig) früher wach

Mittwoch, 30. Januar 2019

/megaflopp, stockadobecom

Exeter/England – Eine genomweite Assoziationsstudie (GWAS) ermittelt in Nature Communications (2019; doi: 10.1038/s41467-018-08259-7) 351 Genvarianten, die Menschen morgens früher aufstehen lassen. Die Studie bestätigte außerdem die Vermutung, dass „Lerchen“ weniger anfällig für psychische Erkrankungen sind. Eine Schutzwirkung vor Adipositas oder Diabetes war dagegen nicht nachweisbar.

Bei den wenigsten Menschen stimmt die innere Uhr mit der Tagesdauer überein. Es gibt Lerchen, die morgens wach sind, bevor der Wecker klingelt, und Eulen, die sich dann noch einmal umdrehen möchten. In den letzten Jahren konnten die genetischen Zeitgeber der inneren Uhr teilweise entschlüsselt werden.

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Einige der Genvarianten, die ein Team um Michael Weedon von der Universität Exeter jetzt bei Frühaufstehern häufiger gefunden hat, befinden sich tatsächlich auf den Zeitgebergenen PER1, PER2, PER3, CRY1, FBXL3 und ARNTL oder wenigstens in deren Nähe. Andere wie RGS16 und INADL beeinflussen die Funktion der Retina, weshalb bei einigen Menschen die Morgenmüdigkeit vielleicht auf eine Sehstörung zurückzuführen ist. Tatsächlich haben die Augen eine wichtige Kontrollfunktion für die innere Uhr, die sich im Nucleus suprachiasmaticus direkt über der Kreuzung der Sehnerven befindet.

Aber auch Gene, die den Appetit regulieren (FTO) oder die Insulinsekretion beeinflussen (MADD) und selbst Gene im Stoffwechsel von Nikotin und Koffein (CYP2A6) könnten einen Einfluss darauf haben, ob Menschen morgens gerne aufstehen. Die Vermutung, dass Morgenmuffel ein genetisch erhöhtes Risiko auf eine Adipositas oder einen Typ-2-Diabetes haben, konnte Weedon in der Studie nicht bestätigen. Die in epidemiologischen Studien gefundenen Assoziationen hätten wohl andere Ursachen, vermutet der Forscher. Für die Beobachtung, dass Nachtmenschen eher an Depressionen oder einer Schizophrenie erkranken, liefert die Studie dagegen plausible Argumente. Einige Genvarianten befanden sich in Genen Stellen, die in früheren Studien mit einer Schizophrenie in Verbindung gebracht wurden (NRXN1, NRXN2 und NRXN3).

Insgesamt sollte der Einfluss der Gene nicht überbewertet werden. Die 5 % der Personen mit den meisten Morgenallelen sind gerade einmal 25 Minuten früher wach als die 5 % mit den wenigsten Morgenallelen. Weedon schätzt die Heritabilität des Chronotyps gerade einmal auf 13,7 %. Die Gene eignen sich deshalb nur begrenzt als Ausrede für chronische Morgenmuffel.

Es handelt sich übrigens bereits um die dritte genomweite Assoziationsstudie zum Chronotyp des Menschen. Untersucht wurde das Blut von 697.828 Teilnehmern der UK Biobank und der US-Firma 23andMe, die genetische Analysen für Privatpersonen anbietet. Die Ergebnisse wurden an mehr als 85.760 Personen der UK-Biobank überprüft, deren Bewegungsmuster mit einem Akzelerometer am Arm bestimmt wurden. © rme/aerzteblatt.de

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Avatar #755239
Wolfgang Rödle
am Mittwoch, 6. Februar 2019, 15:42

Zirkadianer Rhythmus und andere Faktoren

Eulenmutter hat meine Zustimmung.

Eine andere Sicht auf das Thema, weg von den Genen:
In "Largo, RH. Babyjahre: Entwicklung und Erziehung in den ersten vier Jahren" beschreibt der Author auf 2 Seiten ganz einfach die 3 Typen von Schlaf-Wach-Rhythmen.

"Normalschläfer": 24 Stunden Tagesrhythmus --> Schlaf-Wach-Rhythmus immer gleich und kein Problem mit dem Aufstehen.
"Lerchen"/"Frühaufsteher": weniger als 24 Stunden Tagesrhythmus --> Ist abends früher müde und morgens früher fit.
"Eulen"/"Langschläfer": länger als 24 Stunden Tagesrhythmus --> Ist abends länger fit und morgens noch nicht ausgeschlafen.

Der Author bezieht sich auf den Zirkadianen Rhythmus. (https://de.wikipedia.org/wiki/Circadiane_Rhythmik)

Das Thema ist weitaus komplexer, was der Author auch erklärt. Manche Menschen brauchen nur wenige Stunden Schlaf, andere eben mehr. Einige müssen nachts schlafen, andere tagsüber. Dazu kommt ein unterschiedlicher Schlaf-Wach-Rhythmus und wahrscheinlich spielen noch viele weitere Faktoren eine Rolle.

Eine Lösung ist hier schwierig. Man kann keine komplett variablen Schul- oder Arbeitszeiten für die Menschen machen. Dennoch wäre es ein Anfang, wenn die Menschen anfangen zu verstehen, dass nicht "das böse Schulkind schuld sein muss", weil es lange wach war und deswegen um 8:00 Uhr noch keine Höchstleistung erbringen kann im Vergleich zu Mitschülern.
Avatar #759821
Eulenmutter
am Freitag, 1. Februar 2019, 10:35

Unausgeschlafene Gesellschaft am Abgrund

Wieder einmal wird nicht berücksichtigt, dass Morgenmuffel weniger schlafen KÖNNEN, weil sie nicht nur zu früh aufstehen MÜSSEN, sondern auch abends nicht früher in den Schlaf finden können. Inwieweit zu wenig Schlaf insbesondere in der Jugend besagte psychische Krankheiten auslöst, gehört unbedingt auf den Prüfstand! In der Pubertät sind die meisten Kinder Eulen. Die Anwesenheitspflicht in der Schule - im Grunde noch in der Tiefschlafphase - hat verheerende Auswirkungen auf die lebenslange Gesundheit, weil das jugendliche Gehirn mehr Schlaf braucht, um sich neu strukturieren zu können. All das wissen Ärzte schon lange. Warum also kommen die Macher dieser Studie zu der Schlussfolgerung, dass allein die Gene Schuld seien? Die frühe Anwesenheitspflicht in der Schule ist staatliche verordnete Körperverletzung, gegen die die Ärzteschaft endlich vorgehen muss, wenn sie sich wider besseren Wissens nicht der unterlassenen ärztlichen Hilfeleistung schuldig machen will.
Die Kosten für unsere Gesellschaft sind natürlich enorm. Abgesehen von den gesundheitlich bedingten Ausfällen und privaten Katastrophen wirkt sich der Schlafmangel auf die Bildungsqualität bzw. Pisa-Studie aus.
Jugendliche Eulen haben wegen der Folgen des Schlafmangels letztlich geringere Chancen auf einen NC-Studienplatz ...zB solche, die auch begabte Ärzte und insbesondere fähige Nachtdienstler wären. Sind Ärzte daher überwiegend Lerchen? Kommen deshalb solche Studien zustande? Fehlt es letztlich an Einfühlungsvermögen, das im Abitur gar nicht abgefragt wird?
LNS

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