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Medizin

Weltweite Elimination von Hepatitis C erfordert stärkere Anstrengungen

Donnerstag, 31. Januar 2019

/Maryna Olyak, stockadobecom

London – Die Entwicklung von direkt wirkenden antiviralen Substanzen (DAA), die eine Hepatitis-C-Infektion innerhalb von wenigen Wochen kurieren können, machen die weltweite Elimination der Hepatitis C möglich. Das ehrgeizige Ziel der Weltgesund­heitsorganisation (WHO) lässt sich laut Berechnungen im Lancet (2019; doi: 10.1016/S0140-6736(18)32277-3) jedoch nur erreichen, wenn bestimmte Bedingungen erfüllt sind.

Derzeit sind weltweit schätzungsweise 69 Millionen Menschen mit Hepatitis C infiziert. Bei 10 bis 20 % dieser Patienten kommt es zur Leberzirrhose und/oder zum Leberkarzinom. Im Jahr 2015 sind 512.000 Menschen an den Folgen der Hepatitis C gestorben, wobei die Zahl der Todesfälle in den letzten Jahren sogar zugenommen hat. Diese Zahlen zeigen, dass das Ziel der WHO, die Zahl der Infektionen bis 2030 um 80 % und die Sterblichkeit um 65 % zu senken, nicht ohne weiteres erreicht werden kann.

Wenn sich nichts ändert, wie sie sind, wird die geschätzte Zahl der Menschen mit Hepatitis C bis 2050 schrittweise auf 58 Millionen sinken, berichtet ein Team um Timothy Hallett vom Imperial College London. Bis Ende des Jahrhunderts könnten die Zahlen sogar wieder ansteigen.

Um die Erkrankungszahlen effektiv zu senken, sind laut Hallet 4 Maßnahmen wichtig. Die größte Sofortwirkung könnte durch eine Verbesserung der Blutsicherheit und der Infektionskontrolle erzielt werden. Die Hepatitis C wird hämatogen durch Blutkonserven oder Blutprodukte übertragen. Ein Spenderscreening und andere hygienische Maßnahmen könnten dies verhindern. Allein diese Maßnahme könnte nach Berechnungen von Hallett die Zahl der Neuinfektionen bis 2030 um 58 % (95-%-Konfidenzintervall 56 bis 60 %) senken.

Die zweite wichtige Maßnahme müsste auf die intravenösen Drogenkonsumenten zielen, die in Ländern mit sicheren Blutkonserven die wichtigsten Überträger der Hepatitis C sind. Die effektivsten Gegenmaßnahmen wären eine Opioidsubstitution und Nadelaustauschprogramme. Wenn nur 40 % der intravenösen Drogen­konsumenten erreicht werden könnten, würde dies die Zahl der Neuinfektionen um weitere 7 Prozentpunkte senken, berichtet Hallett. Zusammen würden diese beiden Maßnahmen bis zum Jahr 2030 etwa 14,1 Millionen Neuinfektionen verhindern.

Auf die Zahl der Todesfälle würden sich diese beiden Maßnahmen nicht sofort niederschlagen. Hier ist laut Hallett nur ein Erfolg zu erwarten, wenn möglichst viele Hepatitis-C-Infizierte eine effektive Therapie erhalten, die heute mit DAA schnell und nebenwirkungsarm möglich ist. Wenn überall die älteren interferonbasierten Therapien (die länger dauern, schlechter vertragen werden und nicht seltener erfolgreich sind) durch die DAA ersetzt würden und alle Patienten gleich nach der Diagnose behandelt würden, könnten bis 2030 nach den Berechnungen von Hallett 640.000 (620.000-670.000) Todesfälle an Leberkrebs und Leberzirrhose verhindert werden. Das Ziel der WHO, die Sterblichkeit um 65 % senken, wäre 2 Jahre später erreichbar.

Als vierte Maßnahme schlägt Hallett ein Screening von Risikogruppen vor. Das Ziel müsste sein, bis 2030 etwa 90 % aller Hepatitis-C-Infektionen zu erkennen und zu behandeln. Besonders gefordert wären hier China, Indien, Pakistan und Ägypten, auf die der größte Anteil der weltweiten Neuinfektionen entfällt.

Dass sich die Szenarien von Hallett erfüllen, darf bezweifelt werden. Notwendig ist nicht nur der Wille, die globale Hepatitisstrategie der WHO vom 2016 zu unterstützen. Es wären auch enorme finanzielle Anstrengungen erforderlich. Die angestrebte Eliminierung (gemeint ist die Reduktion auf ein Niveau, bei dem die Hepatitis C kein „drängendes“ Public-Health-Problem mehr wäre) wäre nur zu erreichen, wenn bis 2030 weltweit 51,8 Millionen DAA-Behandlungen durchgeführt würden. Hallett hat keine Berechnungen zu den Kosten durchgeführt. Nach früheren Schätzungen der WHO müssten jedoch für den Zeitraum von 2016 bis 2021 etwa 11,9 Milliarden US-Dollar in die Eliminierung der Hepatitis C investiert werden. Derzeit ist unklar, wie diese Gelder aufgebracht werden sollen.

In einzelnen Ländern wurden jedoch erstaunliche Fortschritte gemacht. In Ägypten wurden 2016 etwa 700.000 Menschen behandelt, was durch einen günstigen Discount der Hersteller möglich wurde. In Ägypten hat sich die Hepatitis C seit den 1960er- und 1970er-Jahren stark ausgebreitet. Ursache waren iatrogene Infektionen im Rahmen einer völlig misslungenen Massentherapie der Bilharziose. Die Injektionen mit Kaliumantimonyltartrat (Brechweinstein) waren mit Mehrfachspritzen ohne Wechsel der Kanülen erfolgt. © rme/aerzteblatt.de

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