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Politik

RKI und KVen wollen Lücken beim Impfmonitoring schließen

Donnerstag, 31. Januar 2019

Arzt macht einen Eintrag im Impfausweis. /Alexander Raths, stockadobecom
Die Surveillance von Infektionskrankheiten in Deutschland beruht im Wesentlichen auf der Meldepflicht im Rahmen des Infektionsschutzgesetzes. Nicht meldepflichtig sind Infektionen mit Herpes zoster oder humanen Papillomaviren (HPV). /Alexander Raths, stockadobecom

Berlin – Ab diesem Jahr soll es beim bundesweiten Impfmonitoring des Robert-Koch-Instituts (RKI) und der Kassenärztlichen Vereinigungen (KV) einige Neuerungen geben.  Bei einer Jubiläumsveranstaltung „15 Jahre KV-Impfsurveillance“ in Berlin kündigten die Redner kürzlich mehr Berichte und genauere Analysen an. Sie sprachen auch über Lücken bei den Impfdaten. Ein bundesweites Impfregister lehnte RKI-Präsident Lothar H- Wieler entschieden ab.

KV-Impfsurveillance: Neuerungen 2019

  • Impfungen im Kindes-/Jugendalter (Jahresmitte)
  • Impfungen im Erwachsenenalter (Herbst)
  • gemeinsam mit anderen Datenquellen
  • Neue Impfungen (zum Beispiel: Zoster, Pneumokokken) und Zielgruppen (zum Beispiel Schwangere, COPD-Patienten)
  • weitere Formate: zum Beispiel Bundesländer-Berichte (eventuell)
  • Ausweitung der VacMap auf weitere Impfungen geplant

Seit 2006 übermitteln allen 17 KVen anonymisierte Abrechnungsdaten niedergelassener Ärzte zu Impf­leistungen, Kinder- und Jugend­vorsorgeuntersuchungen und Diagnosen impfvermeidbarer Erkrankungen an das RKI. Immer zum Beginn des neuen Jahres präsentierte das RKI seine Analyse der Impfquoten im Epidemiologischen Bulletins. Daraus lassen sich auch Wirksamkeit, Sicherheit und Nebenwirkungen ableiten.

2019 erscheinen jetzt erstmals zwei Berichte zu Impfquoten. Die Analysen basierend auf KV-Daten sollen ab sofort getrennt nach Kindern und Jugendlichen mit den Schwerpunkten Masern, Rotaviren und humane Papillomviren und Standard-Erwachsenenimpfungen wie Influenza und Pneumokokken publiziert werden. Der Zeitpunkt verschiebt sich von Anfang des Jahres in die Jahresmitte beziehungsweise in den Herbst. Davon versprechen sich RKI und KVen aktuellere Ergebnisse.

Integration weiterer Daten

Diese Daten sollen darüber hinaus ab 2020 durch weitere primäre Quellen des RKIs ergänzt werden, berichtete Ole Wichmann, Leiter des Fachgebiets Impfprävention am RKI. Als Beispiel nannte er die Schuleingangsuntersuchung und eine Surveillance von Krankenhauspersonal zu Influenza. Zudem werden die Datenbanken der KVen erweitert, um Impfquoten in Indikationsgruppen analysieren zu können.

Auf der Agenda des RKI stünde aber auch die Ausarbeitung der VacMap für weitere Impfungen, sagte Wichmann. Diese interaktive Karte liefert derzeit qualitative, quantitative und regional aufgelöste Impfquoten für Masern und Rotaviren. „Das Pilotprojekt VacMap war äußerst erfolgreich und wurde sehr positiv aufgenommen“, berichtete Wichmann. Immer häufiger erkundigen sich Gesundheitsämter nach Landkreisen, die besonders niedrige Impfquoten aufweisen.

Empfehlungen für passende Maßnahmen leitet das RKI jedoch nicht aus ihren Auswertungen ab. Entsprechend unspezifisch waren die Vorschläge dazu bei der Veranstaltung in Berlin. Die einen probieren es mit Aufklärungsveranstaltungen, andere bemühen Impfkampagnen. In Münster etwa ließ sich der Oberbürgermeister auf dem Marktplatz impfen. In Thüringen startete vor etwa einem Jahr einen Influenza-Impfkampagne mit Plakaten, Flyern und einer Webseite, die sich speziell an die Generation über 60 Jahre richtet.

Die bisherige Auswertung konnte jedoch noch keine besseren Influenza-Impfquoten ausmachen, berichtete Julia Neufeind vom RKI. Wichmann sprach sich für eine aktive Einladung zur J1-Untersuchung aus, um die gesunden Jugendlichen zum Arzt zu bewegen. „Das wäre eine einfache Maßnahme, um Impflücken zu schließen – zumindest die bei HPV“, ist der RKI-Experte überzeugt.

Mit einem Impfregister wäre eine mittelere Bundesinstitution beschäftigt. Der Mehrwert ist mehr als fraglich. Lothar H- Wieler, Präsident des RKI

Lücken der KV-Impfsurveillance

Die stete Ausweitung schützt die KV-Impfsurveillance nicht vor Lücken. Sie dokumentiert weder Impfungen im stationären Bereich, noch Impfungen bei Privatversicherten (13 Prozent). Soziodemografische Verknüpfungen auf Patientenebene sind ebenfalls kein Bestandteil der Auswertung. „Zusätzliche Datenquellen könnte man integrieren, vielleicht muss man das sogar“, sagte Wichmann mit Verweis auf die hausarztzentrierte Versorgung, die Betriebsmedizin und Privatversicherte. Dabei müsse das RKI aber genauestens prüfen, ob die Repräsentativität der Daten gefährdet sei.

Trotz bestehender Lücken – die zusätzlichen Informationen eines nationalen Impfregisters überzeugen RKI-Präsident Wieler nicht. Für ihn überwiegen die Nachteile: Hierfür müssten jährlich 20 Millionen Einträge verschlüsselt und pseudonymisiert werden.

„Mit einem Impfregister wäre eine mittelere Bundesinstitution beschäftigt. Der Mehrwert ist mehr als fraglich“, wendete Wieler ein. Er geht davon aus, dass ein Impfregister Kosten im zweistelligen Millionenbereich verursachen würde, wärend die KV-Impfsurveillance etwa 500.000 Euro pro Jahr koste. Auch nach Wichmanns Ansicht überwiegen die Vorteile der KV-Impfsurveillance (siehe Kasten). „Sollte man ein Impfregister neu aufbauen, würde man hier bei null anfangen“, sagte er. Denn sicherlich würde niemand alle Daten aus Impfpässen nachträglich einpflegen. Die Komponenten, die die KV-Impfsurveillance nicht abdeckt, wie etwa die Möglichkeit eines Reminders, könnten beispielsweise die Krankenkassen oder andere Akteure übernehmen, so sein Vorschlag.

© gie/aerzteblatt.de
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