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Medizin

Wie Schlafmangel Schmerzen verstärkt

Freitag, 1. Februar 2019

/dpa

Berkeley – Eine schlaflose Nacht senkte in einer humanexperimentellen Studie im Journal of Neuroscience (2019; doi: 10.1523/JNEUROSCI.2408-18.2018) am darauf­folgenden Tag die Schmerzschwelle für Temperaturen, was in der funktionellen Magnetresonanztomografie mit einer verminderten Aktivität in Hirnzentren verbunden war, die die Schmerzwahrnehmung modulieren.

Schmerzen und Schlaf vertragen sich schlecht. Viele Schmerzpatienten berichten, dass ihre chronischen Schmerzen sie auch nachts nicht zur Ruhe kommen lassen. Weniger bekannt ist, dass die Schmerzempfindung nach einer durchwachten Nacht erhöht ist. Ein Team um den Neurowissenschaftler Matthew Walker von der Universität von Kalifornien in Berkeley hat dies in einem einfachen Experiment an 25 Erwachsenen untersucht.

Bei den Probanden wurde an 2 Tagen die Schmerzschwelle durch eine Temperatur­sonde gemessen, die sich langsam erwärmte. Am ersten Tag waren die Probanden ausgeschlafen. Die Schmerzschwelle lag bei 111 Grad Fahrenheit (etwa 44 Grad Celsius). In der Nacht vor der zweiten Messung hatten die Probanden nicht geschlafen. Die Schmerzschwelle sank auf 107 Grad Fahrenheit.

Die Forscher haben während der Untersuchung mit der funktionellen Magnetresonanz­tomografie gemessen, welche Hirnregionen durch den Schmerzreiz aktiviert werden. Nach der schlaflosen Nacht kam es zu einer deutlichen Aktivitätssteigerung im somatosensorischen Cortex, der ersten Umschaltstation für eintreffende Signale im Gehirn. Gleichzeitig kam es zu einer verminderten Aktivität im Nucleus accumbens und in der Inselrinde.

Der Nucleus accumbens ist Teil des Belohnungssystems des Gehirns mit Dopamin als dem wichtigsten Rezeptor. Die Inselrinde ist vermutlich dafür verantwortlich, dass der Schmerz dem Bewusstsein mitgeteilt wird. Beide Zentren steuern die physiologischen Reaktionen auf den Schmerz. Warum sie nach einer durchwachten Nacht weniger aktiv sind, kann die Studie nicht erklären. Klar scheint jedoch zu sein, dass Schlafmangel die Reaktion auf den Schmerz verstärkt.

Dies bestätigte eine Umfrage unter 230 Teilnehmern einer Crowdfundingplattform. Die Befragten wurden gebeten, ihre nächtlichen Schlafstunden sowie ihre täglichen Schmerzzustände über einige Tage zu melden. Die Auswertung ergab, dass selbst geringfügige Verschiebungen in den Schlaf- und Wachmustern mit Veränderungen der Schmerzempfindlichkeit verbunden waren.

Die Ergebnisse sollten nach Ansicht von Walker auch den Krankenhäusern zu denken geben. Frühere Studien haben gezeigt, dass die Nachtruhe der Patienten häufig durch den Arbeitsablauf in der Klinik gestört wird. Patienten, die zu wenig schlafen, könnten nach den Ergebnissen der Studie mehr Schmerzmittel benötigen.

© rme/aerzteblatt.de

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