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Medizin

Klimawandel könnte Zahl der angeborenen Herzfehler erhöhen

Donnerstag, 31. Januar 2019

/coffeemill, stockadobecom

Albany/New York – Zu den Folgen der Klimaerwärmung könnte eine Zunahme von angeborenen Herzfehlern gehören, wie Umweltmediziner in JAHA: Journal of the American Heart Association (2019; 8: e010995) vorrechnen.

Die Ursache von angeborenen Herzfehlern ist zumeist unklar. Bei den wenigsten Kindern werden Mutationen oder andere genetische Störungen gefunden. Zu den möglichen Umweltfaktoren gehören hohe Lufttemperaturen, schreibt Shao Lin von der School of Public Health der University of Albany im US-Staat New York.

Dass Hitze eine teratogene Wirkung hat, konnte nicht nur in tierexperimentellen Studien gezeigt werden. Auch für den Menschen gibt es Hinweise. So kommt es etwa nach Fieberphasen in der Frühschwangerschaft häufiger zu Herzfehlern. In den letzten Jahren haben 2 Studien auf einen möglichen Anstieg von Herzfehlern nach Hitze­phasen im Frühjahr oder Sommer hingewiesen. Nathalie Auger von der Universität Montreal berichtet in Environmental Health Perspectives (2017; 125: 8-14), dass die Prävalenz von Herzfehlern von 878,9 auf 979,5 pro 100.000 Geburten steigt, wenn in den Wochen 2 bis 8 der Schwangerschaft (also während der Zeit der Herzentwicklung) die Außentemperaturen für 10 Tage über 30 °C lagen, wobei aber vor allem unkritische Herzfehler zunahmen. Für Vorhofseptumdefekte ermittelte Auger einen Anstieg der Prävalenz um 37 %.

Zu ähnlichen Ergebnissen kam Lin jüngst in einer Analyse der US-National Birth Defects Prevention Study, die nach den Risikofaktoren für Fehlbildungen sucht. Auch hier kam es nach Hitzetagen während der Frühschwangerschaft häufiger zu Herzfehlern der Neugeborenen. So erhöhten 3 bis 11 Hitzetage im Sommer während der Frühschwangerschaft das Risiko auf ventrikuläre Septumdefekte um den Faktor 2,17 bis 3,24. Extreme Hitzetage im Frühjahr, zu denen es in den Südstaaten kommen kann, waren mit einem Anstieg der konotrunkalen Defekte und der ventrikulären Septumdefekte um 23 bis 78 % verbunden (Environment International 2018; 118: 211-221).

Jetzt hat Lin seine Daten zu den Szenarien der Klimaerwärmung für die 8 Regionen der USA, die sich an der National Birth Defects Prevention Study beteiligen (Bevölkerung: 110 Millionen), für den Zeitraum von 2025 bis 2035 in Beziehung gesetzt.

Die NASA und das Goddard Institute for Space Studies hatten für die Staaten des mittleren Westens den größten relativen Anstieg der Hitzetage in den Sommermonaten prognostiziert, während die Bevölkerung im Süden und Südwesten durch zusätzliche extreme Hitzeperioden im Frühjahr belastet wird.

Bei dem ungünstigsten der 3 Szenarien könnte es in den 8 Regionen in den 11 Jahren zwischen 2025 und 2035 zu etwa 7.000 zusätzlichen Geburten mit Herzfehlern kommen, berichtet Lin. Zum Vergleich: Im ganzen Land (325 Millionen Einwohner) kommen pro Jahr etwa 40.000 Kinder mit Herzfehlern zur Welt.

Am stärksten betroffen wären nach den Berechnungen von Lin der Süden und der Nordwesten, gefolgt vom Mittleren Westen. Der Westen, sprich Kalifornien, scheint dagegen von zusätzlichen Hitzewellen verschont zu werden.

Den Schwangeren rät Lin, in der Frühschwangerschaft eine extreme Hitze zu meiden. Vor allem in den Gestationswochen 3 bis 8sollten sie sich an den heißen Tagen nicht zu lange im Freien aufhalten.

© rme/aerzteblatt.de

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