NewsPolitikAusweitung der Lebendspende umstritten
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Politik

Ausweitung der Lebendspende umstritten

Mittwoch, 30. Januar 2019

/dpa

Berlin – Bei der heutigen Anhörung im Gesundheitsausschuss zur von der Bundes­regierung geplanten Reform der Organspendenpraxis in Krankenhäusern gab es von den Gesundheitsexperten nur wenig Kritik am Gesetzentwurf zur Verbesserung der Zusammenarbeit und der Strukturen bei der Organspende. Er beinhalte geeignete Regelungen, um die Zahl der Spenden zu erhöhen, meinte der Großteil der Experten.

Intensiv diskutiert wurde hingegen ein Antrag der FDP-Fraktion, in dem sich die Partei für eine liberalere Organspendenpraxis ausspricht. So sollten vermehrt altruistische Organlebendspenden ermöglicht werden, um die Zahl der verfügbaren Organe zu erhöhen. Bislang ist hierzulande eine Lebendspende nur zwischen Menschen erlaubt, die sich sehr nahestehen, wie Eltern, Geschwister oder Ehepartner.

Anzeige

Den Liberalen zufolge sollte eine Organlebendspende jedoch künftig auch möglich sein, ohne dass zwischen Spender und Organempfänger ein besonderes Näheverhältnis besteht. Denkbar sei beispielsweise eine Überkreuzspende zwischen zwei Paaren. Darüber hinaus sollten anonyme, nicht zielgerichtete Lebendspenden an einen Organpool zulässig sein. Die FDP fordert in ihrem Antrag zudem, das derzeit geltende Subsidiaritätsprinzip zu streichen. Dieses schreibt derzeit vor, dass eine mögliche postmortale Spende der Lebendspende vorzuziehen ist – auch wenn von einer nahestehenden Person ein Organ angeboten werde.

Die Deutsche Transplantationsgesellschaft (DTG) begrüßt grundsätzlich weitergehende Spendenmöglichkeiten. Angesichts des dramatischen Mangels an Spenderorganen und 8.000 aktiv gemeldeten Menschen auf der Warteliste für eine Niere, müsse man über alle Möglichkeiten nachdenken, sagte Bernhard Banas von der DTG bei der heutigen Anhörung. Eine Lebendspende stelle eine wichtige Überlebenschance dar. Auch altruistische Lebendspenden, Überkreuz-Lebendspenden zwischen Paaren und Kettentransplantationen seien sinnvoll.

Ähnlich äußerte sich der Wirtschaftswissenschaftler Axel Ockenfels von der Universität zu Köln. Die Transplantationsregelungen in Deutschland seien im internationalen Vergleich besonders restriktiv. Paare würden deshalb zunehmend für Überkreuz­spenden ins Ausland gehen. Ockenfels sprach sich deshalb dafür aus, die Möglich­keiten für Lebendspenden zu erweitern.

Sorgen vor einem möglichen Organhandel seien aus seiner Sicht unbegründet, da beide Seiten ein Organ geben sowie erhalten würden. Zudem plädierte der Wissenschaftler dafür, das Subsidiaritätsprinzip zu streichen. Eine Lebendspende erziele meist bessere Erfolge als eine postmortale Spende. Es gebe keinen Grund, diese der Lebendspende vorzuziehen.

Egbert Trowe, Sprecher der Lebertransplantierten Deutschland, votierte gegen eine Ausweitung der Lebendspende. Sie könne schwere Nebenwirkungen für den Spender zur Folge haben, bei dem in einen gesunden Organismus eingegriffen werde. © ER/hib/aerzteblatt.de

Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

14. Februar 2020
Berlin – Der Bundesrat hat die Neuregelung der Organspende gebilligt. Damit bleiben Organspenden in Deutschland weiterhin nur mit ausdrücklicher Zustimmung erlaubt. Die Entscheidungslösung war im
Länderkammer billigt Neuregelung der Organspende
10. Februar 2020
Berlin – Die Nachfrage nach Organspendeausweisen ist angestiegen. Im Januar seien rund 740.000 Ausweise bestellt worden, womit sich die Zahl mehr als verdoppelt habe, berichtet das Wirtschaftsmagazin
Höhere Nachfrage nach Organspendeausweisen
28. Januar 2020
Prag – In Tschechien sind 2019 Organe von 288 Verstorbenen transplantiert worden. Dies sei mit Abstand Rekord, meldete Radio Prag heute unter Berufung auf das tschechische Koordinationszentrum für
Organspenden in Tschechien auf Rekordhoch
27. Januar 2020
Münster – Die Kammerversammlung der Ärztekammer Westfalen-Lippe (ÄKWL) hat die nordrhein-westfälische (NRW) Landesregierung aufgefordert, den Infektionsschutz im Bundesland neu aufzustellen und dabei
Ärztekammer Westfalen-Lippe rügt Landesregierung für Infektionsschutz
22. Januar 2020
Berlin – Die Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) hat Nachbesserungen am in der vergangenen Woche beschlossene Gesetz zur Stärkung der
Intensivmediziner wollen Änderungen am Gesetz zur Organ- und Gewebespende
21. Januar 2020
Berlin – Die Bundesregierung plant keine Forschungsvorhaben, die in einem Zusammenhang mit Gebärmuttertransplantationen stehen. Das geht aus der Antwort des Bundesministeriums für Gesundheit (BMG) auf
Gebärmuttertransplantation: Keine Forschungsförderung geplant
17. Januar 2020
Berlin – Unter dem Eindruck der Abstimmung über die Widerspruchs- oder Entscheidungsregelung bei der Organspende gestern Vormittag im Bundestag hat Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn (CDU) der
LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER