NewsHochschulenWissenschaftler erforschen Folgen von Misshandlungen im Kindesalter
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Hochschulen

Wissenschaftler erforschen Folgen von Misshandlungen im Kindesalter

Donnerstag, 31. Januar 2019

/dpa

Leipzig – Wenn Menschen in der Kindheit Misshandlungen erleben, können sie ein Leben lang psychisch verletzbar bleiben. Das ist eine Erkenntnis von Forschungen, über die die Universitätsklinik Leipzig heute berichtete.

Zudem fanden die Wissenschaftler anhand von Haaranalysen heraus, dass sich die biologische Stress­regulation von Kindern mit und ohne Erfahrungen einer Miss­handlung schon ab dem Alter von acht Jahren deutlich voneinander unterscheidet. Die Experten empfehlen deshalb, möglichst früh mit Therapien zu beginnen.

Anzeige

Nach Angaben der Uniklinik bewilligte das Bun­des­for­schungs­minis­terium mehr als 2,5 Millionen Euro für eine zweite Runde des Forschungsprojektes über die Folgen einer Vernachlässigung im Kindesalter. Das Vorhaben führt Experten der Medizin, Mitarbeiter der Jugendhilfe und von Jugendämtern sowie psychobiologische Grundlagenforscher zusammen. Die Uniklinik berief sich auf aktuelle Untersuchungen, wonach etwa eins von zehn Kindern in den westlichen Industrieländern von Misshandlungen betroffen ist. Das könne weitreichende Folgen für die psychische und körperliche Entwicklung haben.

„Wenn Kinder unter negativen, teilweise traumatisierenden Lebensbedingungen aufwachsen, leiden sie später häufig an psychischen oder körperlichen Leiden wie Depressionen oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen“, teilte die Klinik mit. Das Wissen darüber entstamme vorwiegend retrospektiven Studien. Es seien also kranke Erwachsene nach ihren Erinnerungen an ihre Kindheit befragt worden.

Bisher gebe es kaum prospektive Langzeitstudien, die ausgehend von den aktuellen Lebens­bedingungen die psychische und physische Gesundheit der Kinder untersuchten. Diese Lücke soll nun geschlossen werden. „Wir müssen die Kinder schon ganz früh erreichen, um spätere gesundheitliche Folgen abmildern zu können“, betonte Kai von Klitzing, Chef der Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik des Kindes- und Jugendalters.

Bereits seit 2012 haben die Leipziger Forscher 800 Mädchen und Jungen im Blick, von denen etwa die Hälfte Misshandlungen erfuhr. Das Ziel der Untersuchung besteht auch darin, geeignete Therapieformen zu entwickeln.

In der ersten Phase des Projektes zeigte sich beispielsweise, dass Kinder mit negativen Erfahrungen „in einer Wettbewerbssituation übermäßig stark die Kooperation mit Gleichaltrigen suchen und sich so verletzlich machen, von ihren Spielpartnern ausgenutzt zu werden“, wie es hieß. „Sie setzen sich also selbst der Gefahr aus, immer wieder negative Erfahrungen im Kontakt zu machen – ein Mechanismus, der wahrscheinlich zur langfristig erhöhten psychischen Verletzlichkeit beiträgt.“ © dpa/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

2. Juni 2020
München – Insbesondere bei Familien in Quarantäne und bei akuten finanziellen Sorgen haben Frauen während der Coronakrise häusliche Gewalt erfahren. Das ist das Ergebnis einer Onlinebefragung von rund
Häusliche Gewalt steigt in Quarantäne und in finanzieller Not
29. Mai 2020
Berlin − Ein Bündnis von rund 50 Organisationen wünscht sich mehr staatlichen Einsatz gegen Kinderarmut. „Die Armut von Kindern und Jugendlichen stagniert auf hohem Niveau“, heißt es in dem
Bündnis wünscht sich größeren Einsatz gegen Kinderarmut
15. Mai 2020
Berlin – Kräuter- und Früchtetees für Babys und Kleinkinder müssen künftig zuckerfrei sein. Kommen sollen auch neue Hinweise auf den Packungen für die Eltern, nicht selbst nachzusüßen. Das legt eine
Baby- und Kindertees müssen künftig zuckerfrei sein
15. Mai 2020
Berlin – Die Zahl der Anrufe bei der vom Bundesfamilienministerium initiierten Kinderschutzhotline hat während der Coronakrise stark zugenommen. Allein in den ersten beiden Mai-Wochen sei das
Mehr Anrufe bei der Kinderschutzhotline
14. Mai 2020
Berlin − Der Bundestag hat über die Rechte von Kindern in der Coronakrise debattiert. Die Linken sowie die Grünen-Fraktion hatten heute je einen Antrag hierzu eingebracht. Während die Linken
Bundestag berät über Kinderrechte während Coronapandemie
11. Mai 2020
Berlin – Im vergangenen Jahr wurden 112 Kinder getötet und damit weniger als im Jahr zuvor (136). Der überwiegende Teil der Opfer (93) war jünger als sechs Jahre. Das geht aus der aktuellen
Zahl der Kinderpornografiefälle deutlich gestiegen
7. Mai 2020
Berlin − Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Daniela Ludwig, warnt vor den Langzeitfolgen der Coronakrise für Kinder suchtkranker Eltern. „Es ist schon klar, dass die aktuellen wie auch
LNS LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER