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Politik

Unterschiede in der Verordnung von Medizinalcannabis

Montag, 4. Februar 2019

Mehr als 20 Cannabissorten mit unterschiedlichen THC- und Cannabidiol (CBD)-Gehalten stehen Ärzten zur Verordnung zur Verfügung. /dpa

Berlin – Seit 2017 steigt die Zahl der über die Apotheken abgegeben Cannabis­rezepturen und damit der Umsatz in der gesetzlichen Kran­ken­ver­siche­rung (GKV). Nicht immer passiere das im Sinne einer rationalen Pharmakotherapie, kritisierte der Präsident der Bundesapothekerkammer, Andreas Kiefer, kürzlich bei der Veranstaltung „Cannabis als Medizin – Gefahren des Missbrauchs?“ in Berlin.

Aktuelle Auswertungen der Bundesvereinigung Deutscher Apotheker (ABDA) aus dem vergangenen Jahr zeigen deutliche regionale Unterschiede bei der Versorgung mit Cannabisblüten. Im Süden Deutschlands wurden demnach weit mehr Cannabis­rezepturen über die Apotheken abgegeben als im Norden.

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Den durchschnittlichen GKV-Umsatz von 80 Euro pro 1.000 GKV-Versicherten über­schreiten die Bayern den Angaben zufolge um fast das Doppelte, dicht gefolgt von Baden-Württemberg. Den geringsten GKV-Umsatz verbuchen Mecklenburg-Vor­pommern, Sachsen und Westfalen-Lippe mit etwa 30 bis 40 Euro pro 1.000 GKV-Versicherten. „Gäbe es eine anerkannte Ratio in der Pharmakotherapie mit Cannabis dürfte es diese Unterschiede nicht geben“, ist Kiefer überzeugt.

Einen weiteren Hinweis dafür, dass der medizinische Bedarf nicht die Maßgabe für die Verordnung sei, sieht Kiefer in der Relation der eingelösten Rezepte zu unverarbeiteten und zubereiteten (gemahlen und gesiebt) Rezepturen in den Apotheken. Einheiten unverarbeiteter Cannabisrezepturen würden mehr pro Rezept abgegeben als zubereitete Rezepturen.

Für Kiefer gilt es somit als bewiesen, dass Cannabis nicht ausschließlich im Sinne einer rationalen Pharmakotherapie eingesetzt wird. Es liegt seiner Meinung nach aber nicht an der Qualität der Verordner oder der Apotheker.

Viel interessanter ist aber die Beobachtung, dass Schmerztherapeuten viel häufiger die Zubereitungen verordnen, während Allgemeinmeidziner viel häufiger unverarbeitete Cannabisblüten verordnen. Erik Bodendieck, Mitglied Kommission „Sucht- und Drogen“ bei der BÄK

Damit Ärzte mehr Erfahrungen mit dem Einsatz von Medizinalcannabis sammeln können, schlägt Erik Bodendieck, Mitglied Kommission „Sucht- und Drogen“ bei der Bundes­ärzte­kammer (BÄK) vor, die Verordnung auf bestimmte Facharztgruppen zu beschränken.

Diese Einschränkung würde auch die DAK Gesundheit als sinnvoll erachten, stimmte Detlev Parow, Leiter Abteilung Arznei-/Hilfsmittel und sonstige Leistungen, zu. Aus Sachsen kann Bodendieck berichten, dass in erster Linie Schmerztherapeuten Medizinalcannabis verordnen und an zweiter Stelle die Allgemeinmediziner. „Viel interessanter ist aber die Beobachtung, dass Schmerztherapeuten viel häufiger die Zubereitungen verordnen, während Allgemeinmediziner viel häufiger unverarbeitete Cannabisblüten verordnen“, erläuterte der Präsident der Sächsischen Lan­des­ärz­te­kam­mer.

Indikationsliste fehlt

Bodendieck und Parow vermissen zudem eine Indikationsliste für Medizinalcannabis. Entscheiden muss laut Sozialgesetzbuch 5 der Arzt im Einzelfall nach begründeter Einschätzung. „Das Gesetz verschiebt damit die Last in Gänze auf den Arzt“, kritisierte der Allgemeinmediziner Bodendieck aus Leipzig. Auch aufgrund der geringen Evidenz rufe die BÄK daher dazu auf, Cannabis nur im Einzelfall zu verordnen, wenn alles andere ausgeschöpft ist.

Es ist nicht Sache des MDKs restriktiv eine vom Gesetzgeber gewollte Therapie zu behindern. Wieland Schinnenburg, FDP

Im Zweifelsfall können die Krankenkassen die Anträge auch an den Medizinischen Dienst (MDK) zur Prüfung weitergeben. Die DAK Gesundheit würde dies in 99 Prozent der Anträge tun, berichtete Parow. Welche inhaltlichen Ablehnungsgründe neben formalen Fehlern gerechtfertigt seien, wäre aber unklar.

Deutliche Kritik an der Prüfung des MDK äußerte Joachim Nadstawek vom Berufsver­band der Ärzte und Psychologischen Psychotherapeuten in der Schmerz- und Palliativmedizin in Deutschland (BVSD): „Es verschlägt mir die Sprache, welche Anträge der MDK ablehnt. Es geht nicht, dass der MDK Therapieempfehlungen ausspricht“, so Nadstawek.

Auch Wieland Schinnenburg, Sprecher für Drogen- und Suchtpolitik der FDP, betonte die Entscheidungsbefugnis des einzelnen Arztes. „Es ist nicht Sache des MDK restriktiv eine vom Gesetzgeber gewollte Therapie zu behindern.“

Daraufhin stellte Axel Meeßen Geschäftsführer vom MDK Berlin/Brandenburg noch mal die Prüflogik klar, die von vielen nicht verstanden würde. Nicht die Menge an Indikationen sei ausschlaggebend, ob ein Patient Cannabis bekommen sollte. Für jede einzelne Indikation müsse der Arzt zeigen, dass Therapiealternativen bereits ohne Erfolg erhoben wurden. Meeßen empfiehlt Ärzten daher, sich auf eine Indikation zu fokussieren. © gie/aerzteblatt.de

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Avatar #112726
woewe
am Dienstag, 5. Februar 2019, 12:12

giftiges Cannabiskraut

Dr. Bodendieck kann mir bis heute nicht erklären, was an dem von ihm so bezeichneten "giftigen Cannabiskraut", er meinte dort sicher wie auch hier im Beitrag die Blüten, so giftig, giftiger als der Reinstoff THC ist.

Ansonsten wird auch in diesem Artikel (vgl. P.Z.) vorwiegend mit Unterstellungen und Verdächtigungen gegenüber Patienten und ihren verschreibenden Ärzten operiert, werden Statistiken "bemüht", ohne dass auch nur einer dieser hypothetischen Fälle von Missbrauch in der Verschreibung nachgewiesen oder vorgestellt wurde. Patienten werden gar nicht erst befragt und das, obwohl eine Begleitstudie zur Verschreibungspraxis verpflichtend ist und erste Ergebnisse daraus vorliegen sollten.

Außerdem, bei dem Aufwand, den Patienten aktuell betreiben müssen, um bei deren Symptomen bei bekannter oder erwarteter Hilfe durch Cannabis einen Arzt zu finden, die KK bzw. den MDK zu überzeugen, die richtige Sorte in der Apotheke zu bekommen, den Arzt (zB bei Regress-Drohungen durch die KV) bei der Stange zu halten, da ist die Besorgung von Hanf als "Spaßdroge" vom Schwarzmarkt immer noch wesentlich einfacher als eine hypothetische missbräuchliche Verschreibung.

Dass einige Bundesländer Spitzenreiter in der Verschreibung sind, hat mE auch mit der Aufklärung unter der dortigen Ärzteschaft zu tun, setzt doch im Saarland Dr. Gottschling schon seit langem C. in der Pädiatrie und Palliativmedizin ein und publiziert das öffentlich. Das Gegenstück sind vor allem einige Ostprovinzen, wo bezüglich dieser Therapie offensichtlich Wüste herrscht, Erfahrungen von Patienten dort, Gespräche mit einzelnen Ärzten, steht doch ausgerechnet der auch hier zitierte Dr. Bodendieck einem Ärzteverband eines solchen Bundeslandes (Sachsen) vor.
Avatar #725920
Syntaxie
am Dienstag, 5. Februar 2019, 03:51

Patienten erst ausgiebig schädigen

...durch industrielle Gifte .. !!?
>Auch aufgrund der geringen Evidenz rufe die BÄK daher dazu auf, Cannabis nur im Einzelfall zu verordnen, wenn alles andere ausgeschöpft ist.<
Geringe Evidenz zu behaupten ist einfach schizophren !
Wäre das Thema spaßig, würde ich den Herren Kiefer, Bodendieck und dergleichen eine spezielle Merkbefreiungsbescheinigung ausstellen.

>Einen weiteren Hinweis dafür, dass der medizinische Bedarf nicht die Maßgabe für die Verordnung sei, sieht Kiefer in der Relation der eingelösten Rezepte zu unverarbeiteten und zubereiteten (gemahlen und gesiebt) Rezepturen in den Apotheken. Einheiten unverarbeiteter Cannabisrezepturen würden mehr pro Rezept abgegeben als zubereitete Rezepturen.<
1.) kann sich jeder mit zwei Händen selbst einen "grinder" zulegen und benutzen (ab dem Zermahlen entsteht CBN durch Lufteinfluß)
2.) ist Übelwilligkeit, niemals etwas positives zu akzeptieren auch ein Merkmal von Schizophrenie

Miesmacher, Spaßbremsen, intolerant und merkbefreit sind sie.
Exemplarisch "Mr. Stranger" in der längeren Kommentarkette zu dortigem Artikel: https://www.mopo.de/hamburg/wie-schaedlich-ist-die-droge-wirklich--daniel-war-schon-mit-15-abhaengig-von-cannabis-31883402
Avatar #725920
Syntaxie
am Montag, 4. Februar 2019, 19:48

Es reicht, Herr Steiner !

Verschonen Sie uns bitte mit Ihrem Spam, den Textbausteinen, die nichts weiter als primitive, schizophren überspitzte und negative Frontaldarstellung sind !

Arbeiten Sie für die Pharmaindustrie ?
Avatar #749369
Ambush
am Montag, 4. Februar 2019, 18:44

Hype um Cannabis in der Medizin als ideologischer Boost für die Drogenszene

Wehret den Anfäneg !

http://www.faz.net/aktuell/wissen/drogen-in-der-medizin-cannabis-auf-rezept-14919955.html bzw.: "Und wir haben damit keine wirklich guten Erfahrungen gemacht. Es gibt Einzelne, denen die Mittel gut helfen, aber bei den meisten stellen wir die Behandlung nach kurzer Zeit wieder ein.“ Mangels Wirkung oder wegen zu vieler Nebenwirkungen." ... der Artikel in der faz ist recht aufschlussreich, wie wenig berechtigt der Hype um Cannabis in der Medizin in Wahrheit ist... und zwar insgesamt...

Da leider von Cannabis-Konsumenten und Personen aus der Drogenszene immer wieder Cannabis bei ADHS "gepriesen" wird, dazu hier:

http://news.doccheck.com/de/blog/post/5607-cannabis-und-adhs-studie-zu-sativex-zeigt-keinen-signifikanten-nutzen-bei-adhs/

http://news.doccheck.com/de/blog/post/5565-medizinischer-einsatz-von-cannabis-bei-adhs/

Ich persönlich halte die Propagierung von Cannabis gegen ADHS für sehr gefährlich: Es wird dadurch eine ohnehin für Cannabis (und auch andere, viel härtere Drogen) überdurchschnittlich anfällige Personen-Gruppe, eben Menschen mit ADHS, zusätzlich gelockt...und nicht nur halbwegs gefestigte Persönlichkeiten werden angelockt, sondern viel mehr noch ungefestigte, unreife junge Menschen mit ADHS, die bis zum ca. 30. Lebensjahr diverse Weichenstellungen in ihrem Leben vor sich haben... man erweist Eltern von Jugendlichen mit ADHS, die ihrem 16-jährigen ADHS-Sohn das Kiffen ausreden und ihn zur stärkeren Beschäftigung mit schulischen Angelegenheiten animieren wollen, einen Bärendienst. Der sich ohnehin in einer schwierigen Lebensphase befindende Jugendliche kann dann sagen. "Aber das Kiffen ist doch gut gegen mein ADHS!" ...eine Zunahme an gescheiterten Schulkarrieren, abgebrochenen Berufsausbildungen und manchmal auch dem Einstieg in den völligen sozialen Absturz... daran machen sich fahrlässig agierende Propagierer von Cannabis gegen ADHS mitverantwortlich...

Eine Freundin von mir mit ADHS-Diagnose hat mit 32 Jahren das erste mal gekifft, nach eigenem Bekunden, um ihre Migräne selbst zu therapieren. Die Folge war bei ihr eine Cannabis-induzierte Psychose mit darauffolgendem monatelangem stationären Psychiatrie-Aufenthalt. Ein einziges Mal Kiffen hat bei ihr dafür ausgereicht...und das im Alter von 32 Jahren. Es bestand bei ihr auch nach ein halbes Jahr später noch eine Residualsymptomatik der Psychose... Das nur mal als abschreckendes Beispiel für die Cannabis-Enthusiasten …

Im Übrigen gibt es in der Bundesrepublik wie auch anderswo in Europa und in USA eine bedenkliche Entwicklung, Drogenkonsum insgesamt als Lifestyle oder gar medizinische Wunderwaffe zu bejubeln...laut Statistiken steigt in den letzten Jahren die Drogen-Kriminalität an, auch die zunehmende gesellschaftliche "Akzeptanz" oder sagen wir Banalisierung insbesondere von Cannabis dürfte da ihren Anteil daran haben. Während man früher Cannabis , LSD , MDMA etc. überzogen kriminalisiert hat, scheint heute das gegensätzliche Problem zu bestehen, nach dem Motto: "Ist doch alles nicht so schlimm." Beides ist grundfalsch. ich denke nicht, das ein Dasein als unproduktiver "Versager, Kiffer, Loser" für das Individuum oder die Gesellschaft erstrebenswert sein sollte....

was massenhafter Drogenkonsum mit einer Gesellschaft anrichten kann, sieht man z.B. an Jemen, Somalia und benachbarten Ländern...in Jemen und Somalia ist jeweils quasi das gesamte Land im kollektiven Kat-Rausch...im Jemen wird statt Weizen nur noch Kat angebaut, sämtliches Getreide muss importiert werden...was das aggressiv machende Kat an Förderung des Terrorismus und islamistischer Strömungen in genannten Ländern alles "geleistet" hat, sollte nicht unterbewertet werden...nun ist Kat zwar nicht direkt mit Cannabis vergleichbar, aber eben ein Beispiel, wie die kulturelle Akzeptanz einer Droge diese Gesellschaft zu Grunde richten kann.... ...anderes Beispiel: der massenhafte, kulturell dort akzeptierte Genuss des "Wässerchens" in Russland...die durchschnittliche Lebenserwartung in Russland ist nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion um 20 Jahre gefallen...ein hauptsächlicher "Verdienst" des Alkohols... wehret den Anfängen...

ich habe für bestimmte leuchtende Beispiele aus dem ADHS-Spektrum, die in Foren mit ihrer Drogen- und Cannabis-Propaganda die Gesellschaft zersetzen und anderen Personen indirekt Schaden zufügen, keinen Respekt übrig !
LNS

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