NewsMedizinChemotherapien schädigen das Herz von Kindern unterschiedlich stark
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Chemotherapien schädigen das Herz von Kindern unterschiedlich stark

Montag, 4. Februar 2019

Ärztin untersucht das Herz einen Jungen. /Gina Sanders, adobe.stock.com
/Gina Sanders, adobe.stock.com

Seattle – Mehr als 80 % aller Krebserkrankungen bei Kindern können heute geheilt werden. Viele der eingesetzten Zytostatika sind jedoch kardiotoxisch. Einige Patienten entwickeln deshalb im Erwachsenenalter eine Herzinsuffizienz. Eine Studie in JAMA Oncology hat jetzt die Auswirkungen der einzelnen Zytostatika verglichen (2019; doi: 10.1001/jamaoncol.2018.6634).

Um pädiatrische Krebserkrankungen heilen zu können, sind neben einer eventuellen Strahlentherapie hochwirksame Zytostatika erforderlich. Etwa die Hälfte der Patienten wird derzeit mit Anthrazyklinen (Doxorubicin, Daunorubicin, Epirubicin und Idarubicin) oder mit einem Anthrachinon (Mitoxantron) behandelt. Es ist bekannt, dass diese Zytostatika den Herzmuskel schädigen können, doch wie hoch das Risiko für die Krebsüberlebenden ist, lässt sich nur schwer abschätzen.

Ein Team um Eric Chow vom Fred Hutchinson Cancer Research Center in Seattle hat deshalb die Daten von 3 Kohortenstudien aus den USA („Childhood Cancer Survivor Study“ und „St Jude Lifetime study“) und den Niederlanden („Dutch Childhood Oncology Group LATER“) ausgewertet mit Daten zu 28.423 Kindern, die teilweise bereits in den 1960er Jahren behandelt wurden.

Die Kinder waren im Alter von median 6,1 Jahren (0 bis 22,7 Jahre) behandelt worden: 9.330 Patienten waren mit Doxorubicin, 4.433 mit Daunorubicin, 342 mit Epirubicin, 241 mit Idarubicin und 265 mit Mitoxantron behandelt worden. Nach median 20,0 Jahren (5,0 bis 40,0 Jahre) konnten 399 schwere Kardiomyopathie-Fälle (Grad 3 oder höher) beobachtet werden. Chow schätzt, dass bis zum Alter von 40 Jahren 3,4 % der Krebsüberlebenden (95-%-Konfidenzintervall 3,1 bis 3,8 %) an einer schweren und in der Regel dauerhaften Herzinsuffizienz erkranken. Das ist viel in einem Alter, in dem Herzerkrankungen ungewöhnlich sind.

Kardiotoxizität ist substanzabhängig

Die weitere Analyse ergab, dass die Kardiotoxizität zwischen den einzelnen Substanzen sehr unterschiedlich ausgeprägt ist. Daunorubicin und Epirubicin lösten seltener als Doxorubicin eine Kardiomyopathie aus. Die Äquivalenzrate betrug 0,6 (0,4-1,0) für Daunorubicin und 0,8 (0,5-2,8) für Epirubicin. Mitoxantron ist nach den Berechnungen von Chow dagegen 10-mal so kardiotoxisch wie Doxorubicin (Äquivalenzrate 10,5; 6,2-19,1). Hinzu kommt noch, dass die Kardiotoxizität von Mitoxantron nicht linear mit der Dosis ansteigt, sondern eher exponentiell.

Die Ergebnisse sollten nach Ansicht von Chow zu einer kritischen Überprüfung der Therapieschemata führen. Ironischerweise wurde Mitoxantron vor 40 Jahren als eine weniger toxische Alternative zu Doxorubicin eingeführt.

© rme/aerzteblatt.de

Liebe Leserinnen und Leser,

diesen Artikel können Sie mit dem kostenfreien „Mein-DÄ-Zugang“ lesen.

Sind Sie schon registriert, geben Sie einfach Ihre Zugangsdaten ein.

Oder registrieren Sie sich kostenfrei, um exklusiv diesen Beitrag aufzurufen.

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort


Mit der Registrierung in „Mein-DÄ“ profitieren Sie von folgenden Vorteilen:

Newsletter
Kostenfreie Newsletter mit täglichen Nachrichten aus Medizin und Politik oder aus bestimmten Fachgebieten
cme
Nehmen Sie an der zertifizierten Fortbildung teil
Merkfunktion
Erstellen Sie Merklisten mit Nachrichten, Artikeln und Videos
Kommentarfunktion und Foren
Kommentieren Sie Nachrichten, Artikel und Videos, nehmen Sie an Diskussionen in den Foren teil
Job-Mail
Erhalten Sie zu Ihrer Ärztestellen-Suche passende Jobs per E-Mail.

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

5. Juni 2020
Los Angeles − Eine Kombination aus dem Checkpoint-Inhibitor Atezolizumab mit dem Angiogenesehemmer Bevacizumab hat in einer Phase-3-Studie im New England Journal of Medicine (2020; 382:
Atezolizumab plus Bevacizumab verlängert Überlebenszeit bei Leberzellkarzinom
5. Juni 2020
Alexandria – CAR-T-Zellen gegen BCMA können selbst Patienten mit 5 Rezidiven eines multiplen Myeloms noch anhaltend in Remission bringen. Zu einem hohen Anteil lassen sich dabei sogar komplette
Pentarefraktäres multiples Myelom: Dauerhaftes komplettes Ansprechen auf CAR-T-Zellen gegen BCMA
5. Juni 2020
Alexandria – Die CAR-T-Zell-Therapie von Kindern mit rezidivierter oder therapierefraktärer akuter lymphoblastischer B-Zell-Leukämie (r/r B-ALL) ist auch bei einer ZNS-Manifestation wirksam und
CAR-T-Zellen sind bei Kindern mit ZNS-Manifestation einer rezidivierten ALL hoch wirksam und sicher
5. Juni 2020
Alexandria – Die Positronenemissions-Tomografie (PET) mit radioaktiv markierten, niedermolekularen Liganden des Prostata-spezifischen Membranantigens (PSMA) hat in den letzten Jahren Einzug in die
Prostatakarzinom: PSMA-PET kann vor allem im beginnenden Rezidiv Vorteile haben
5. Juni 2020
Alexandria – Beim lokal fortgeschrittenen Rektumkarzinom ohne Fernmetastasen wird gewöhnlich eine neoadjuvante Chemoradiotherapie mit nachfolgender totaler mesorektaler Exzision und möglichst einer
Lokal fortgeschrittenes Rektumkarzinom: Totale neoadjuvante Therapie mit deutlichem Vorteil
5. Juni 2020
Alexandria – Die Therapie des Multiplen Myeloms hat sich in den letzten beiden Jahrzehnten enorm weiterentwickelt, aber eine Heilung ist für die Mehrzahl aller Patienten nach wie vor nicht möglich.
Multiples Myelom: KRd ist in der Induktionstherapie nicht besser als VRd
5. Juni 2020
Alexandria – Die zielgerichtete Therapie mit Tucatinib zusätzlich zu Trastuzumab und Capecitabin verlängert deutlich das Überleben von Frauen mit einem metastasierten HER2-positiven Brustkrebs, die
LNS LNS
Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER