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Medizin

Aortenstenose: Welchen älteren Patienten nutzt ein Klappenersatz am ehesten?

Dienstag, 5. Februar 2019

/dpa

Boston – Auch wenn eine schwere Aortenstenose bei hochbetagten Menschen heute durch eine Operation oder eine Katheterbehandlung behoben werden kann, profitieren nicht alle Patienten von der Behandlung. Nach den Ergebnissen einer Kohortenstudie in JAMA Internal Medicine (2019; doi: 10.1001/jamainternmed.2018.6738) lassen sich die Erfolgschancen durch eine umfassende geriatrische Untersuchung abschätzen.

Mehr als 3 % aller Über-75-Jährigen hat eine Stenose der Aortenklappe, die die Pumpfunktion des Herzmuskels einschränkt und das Sterberisiko erhöht. Die Behandlung bestand lange ausschließlich in einem chirurgischen Aortenklappenersatz (AKE), der die Behandlung auf Patienten beschränkt, die körperlich fit genug für eine Herzoperation waren. Heute besteht für inoperable Patienten die Möglichkeit einer Transkatheter-Aortenklappenimplantation (TAVI), die auch bei gebrechlichen Patienten technisch möglich ist. Doch nicht allen Patienten geht es nach einer AKE oder TAVI besser als davor.

Ein Team um Dae Hyun Kim vom Beth Israel Deaconess Medical Center in Boston hat in einer prospektiven Kohortenstudie untersucht, ob sich der Ausgang der Operation durch eine Untersuchung des funktionellen Status vorhersagen lässt. An der Studie nahmen 246 Patienten im Alter von über 70 Jahren teil, bei denen auf Anraten der Kardiologen entweder ein AKE oder eine TAVI durchgeführt wurde.

Vor der Behandlung wurde bei allen Patienten eine umfassende geriatrische Untersuchung (CGA) durchgeführt mit Bestimmung eines Frailtyindex (CGA-FI). Der Index bewertet neben der Eigenanamnese (20 Items) den funktionellen Status (22 Items), die körperlich-geistige „Performance“ (3 Items: MMSE, Gehgeschwindigkeit, Griffstärke) und den Ernährungszustand (3 Items: Gewichtsverlust, BMI und Serumalbumin). Jeder Item wird mit 0 bis 1 Punkt bewertet, wobei 1 Punkt eine erhöhte Gebrechlichkeit anzeigt. Die Gesamtsumme dividiert durch die Zahl der Items ergibt dann einen Gesamt CGA-FI von 0 (nicht gebrechlich) bis 1 Punkt (sehr gebrechlich).

Im Verlauf des ersten Jahres nach der Behandlung wurden die Patienten 5-mal telefonisch kontaktiert, wobei jeweils nur nach dem funktionellen Status, sprich nach 22 unterschiedlichen  Tagesaktivitäten gefragt wurde.

Nach den Ergebnissen der Untersuchungen wurden die Patienten 5 „Trajektorien“ zugeordnet, die einen exzellenten, guten, mittelmäßigen, schlechten oder sehr schlechten Verlauf beschrieben.

Der CGA-FI war sowohl bei den mit Katheter behandelten Patienten (TAVI) als auch bei den operierten Patienten (AKE) in der Lage, die „Trajektorie“ vorherzusagen.

Nach der TAVI hatten alle Patienten mit einem CGA-FI-Index von 0,20 oder darunter eine exzellente oder gute „Trajektorie“, während es bei den meisten Patienten mit einem CGA-FI-Index von 0,51 oder höher zu einer schlechten oder sehr schlechten “Trakjektorie“ kam. Diese Patienten hatten vermutlich keinen Vorteil durch die TAVI, auch wenn die Implantation der Aortenklappe gelungen war und sich die Herzfunktion verbesserte.

Nach der AKE hatten die meisten Patienten mit einem CGA-FI-Index von 0,20 oder darunter eine exzellente oder gute „Trajektorie“. Ein CGA-FI-Index von 0,41 bis 0,50 kündigte eher eine mittelmäßige „Trajektorie“ an. Schlechte oder sehr schlechte “Trakjektorien“ waren sehr selten, da gebrechliche Patienten in der Regel nicht für eine Operation infrage kommen.

Das Fazit der Studie ist, dass sich vor allem vor einer TAVI eine umfassende geriatrische Untersuchung (CGA) lohnt, da sie einigen Patienten, die geringe Chancen auf eine Verbesserung des funktionellen Status und damit ihrer Lebensqualität haben, einen unnötigen Eingriff erspart. © rme/aerzteblatt.de

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