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Politik

Ältere Patienten erhalten zu viele potenziell gefährliche Wirkstoffe

Dienstag, 5. Februar 2019

/pix4U, stockadobecom

Berlin – Nach wie vor erhalten in Deutschland zu viele Patienten über 65 Jahren Arzneimittel, die sie aufgrund der potenziell gefährlichen Wirkungen für ältere Menschen nicht erhalten sollten. Darauf hat der Arzneimittelexperte Gerd Glaeske vom Socium Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik an der Universität Bremen kürzlich hingewiesen.

Die Priscusliste, die 83 dieser Wirkstoffe enthält, war 2010 im Deutschen Ärzteblatt veröffentlicht worden. „Nach einem ‚Auswertungs-Hype‘ bis 2012 hat sich der Blick auf die Priscusliste wieder ziemlich getrübt, obwohl ihr Wert für die Therapiesicherheit und patientenorientierte Verordnungsqualität unbestreitbar ist“, sagte Glaeske auf einem Kongress des Bundesverbands Managed Care (BMC) in Berlin.

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Der Wissenschaftler verwies auf den Barmer-Arzneimittelreport 2017, in dem die Verordnung von Arzneimitteln aus der Priscusliste ausgewertet worden war. Demnach war der Anteil der Barmer-Versicherten ab 65 Jahren, die zwischen zwei und vier Priscus-Arzneimittel erhalten hatten, zwar rückläufig. Waren 2010 noch 165.434 Patienten betroffen, ging die Zahl 2016 auf 128.980 zurück. Damit haben rund 22 Prozent.

Bezogen auf alle Barmer-Versicherten über 65 Jahren gab es eine Veränderung von 7,92 Prozent auf 5,65 Prozent. Glaeske sprach von einem ausgesprochen enttäuschenden und deprimierenden Ergebnis. Insbesondere im ambulanten Bereich werde die Liste viel zu wenig berücksichtigt, erklärte er.

Dem Forscher zufolge stehen Tranquilizer und Antidepressiva, die vor allem Frauen verordnet würden, im Mittelpunkt der Priscusliste. Zu deren unerwünschten Arzneimittelwirkungen gehörten Medikamentenabhängigkeit, Stürze, kognitive Beeinträchtigungen sowie eine eventuelle Erhöhung des Risikos für eine Alzheimer-Demenz.

Glaeske sprach sich dafür aus, Steuerungsinstrumente in Vertragskonzepte zu integrieren und ihre Umsetzung zu prüfen. „Man könnte die Verordnung von Arzneimitteln aus der Priscusliste auch sanktionieren“, schlug Glaeske vor. „Warum sollte dies nicht zu Regressen führen?“. In jedem Fall sei die Nichtberücksichtigung der Liste auch ein ökonomisches Problem, da circa 30 Prozent der Krankenhaus­einweisungen auf vermeidbare Verordnungsprobleme zurückzuführen seien.

© fos/may/aerzteblatt.de

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