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Ärzteschaft

Hilfsorganisation ruft nach Korrektur des Patentsystems für Arzneimittel

Dienstag, 5. Februar 2019

/ngaga35, stockadobecom

München – Ein „fehlgeleitetes Patentsystem“ ist der Hilfsorganisation Ärzte der Welt zufolge eine Ursache für die hohen Preise moderner Krebstherapien. Diese belasteten die Gesundheitssysteme und behinderten den Zugang von Patienten zu lebens­wichtigen Medikamenten. Ärzte der Welt fordert die internationale Gemeinschaft dazu auf, alle ihnen zur Verfügung stehenden Mittel zu nutzen, um diesen Patentmissbrauch zu verhindern.

Laut der Hilfsorganisation kommen in Europa zwei besorgniserregende Entwicklungen zusammen: Zunächst steige aufgrund der demografischen Entwicklung die Zahl der Krebsdiagnosen. Im Augenblick liege sie in Europa bei rund 3,7 Millionen im Jahr. „Begleitet wird diese Entwicklung von einem weiteren besorgniserregenden Trend: Die steigenden Kosten neuer Therapien“, schreibt Ärzte der Welt.

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Dass eine Krebs­behandlung zwischen 50.000 und 90.000 Euro pro Jahr und Patient koste, sei nichts Ungewöhnliches mehr. „Doch damit ist das Limit noch lange nicht erreicht: Die vor einigen Monaten in Europa zugelassenen sogenannten Car-T-Zell-Therapien schlagen mit zwischen 300.000 und 350.000 Euro pro Patient zu Buche“, rechnet die Organisation vor. Vor diesem Hintergrund werde es den staatlichen Gesundheits­systemen immer schwerer fallen, den Zugang jedes Patienten zu den bestmöglichen Medikamenten sicherzustellen.

„Lange Zeit waren Patente auf medizinische Wirkstoffe darauf ausgerichtet, Forschung und Entwicklung voranzutreiben. Doch das Patentsystem ist erheblich von seinen ursprünglichen Prinzipien abgerückt und zunehmend Missbrauch ausgesetzt“, meint Ärzte der Welt. Das Hilfswerk weist darauf hin, dass viele innovative Arzneimittel­therapien von kleineren Firmen entwickelt würden – häufig Start-ups – und dann von großen Unternehmen aufgekauft würden. 

„Klar ist, dass die hohen Summen, die den Staaten aufgebürdet werden, die Kosten für Fusionen und Übernahmen enthalten“, argumentiert Ärzte ohne Grenzen und fordert, den Zugang zu innovativen Therapien notfalls über Zwangslizenzen sicherzustellen.

„Regierungen haben die Pflicht, sicherzustellen, dass ihre Gesundheitssysteme zukunftsfähig sind. Sie müssen dem Zugang zur Gesundheitsversorgung für alle gegenüber den privaten Interessen Weniger Priorität einzuräumen“, so das Hilfswerk. © hil/aerzteblatt.de

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