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Ärzteschaft

Ablehnungsbescheide für ärztliche Fortbildung in Baden-Württemberg haben Bestand

Dienstag, 5. Februar 2019

/Africa Studio, stockadobecom

Berlin/München – Im vergangenen Jahr hatte die Lan­des­ärz­te­kam­mer Baden-Württemberg dem Fortbildungsanbieter Omniamed die CME-Zertifizierung für eine Veranstaltung verweigert. Nun sind die Ablehnungsbescheide unanfechtbar geworden, teilte die Ärztekammer mit. Gegen den Ablehnungsbescheid hatte das Unternehmen zunächst Widerspruch eingereicht – diesen aber zurückgenommen.

„Dass ein Fortbildungsanbieter seinen Widerspruch zurückgezogen hat, bevor es zu einer gerichtlichen Auseinandersetzung kam, spricht für unser Prüfverfahren und unsere Ablehnungsgründe“, erklärte Ulrich Clever, Präsident der Lan­des­ärz­te­kam­mer Baden-Württemberg. Er zeigte sich erfreut, dass man dazu beigetragen habe, dass ärztliche Fortbildung frei von Interessen Dritter blieben.

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Grundsätzlich würden alle eingereichten Fortbildungen darauf geprüft, ob dafür das Fortbildungszertifikat der Ländesärztekammer Baden-Württemberg vergeben werden könne, hieß es im August vergangenen Jahres. Dabei könne es durchaus vorkommen, dass eine CME-Zertifzierung nicht erlaubt werde. Dies gelte aber nicht nur für Omniamed, sondern auch für alle anderen Anbieter, sagte ein Sprecher der Lan­des­­ärzte­kam­mer.

Clever rief die Ärzte heute erneut dazu auf, ihre Ärztekammer zu kontaktieren, falls Fortbildungen nicht produktneutral erfolgen. „Ärztliche Fortbildung sollte unbedingt frei von kommerziellen Interessen und produktneutral sein; das ist unter anderem in unserer Fortbildungsordnung und in den Bundes­ärzte­kammer-Grundsätzen festgelegt“, sagte Clever. Er machte deutlich, dass immer wieder die Zertifizierung einzelner Veranstaltungen abgelehnt wird. Gründe sind demnach formaler Natur und Interessenkonflikte – also weil die fachliche Unabhängigkeit von Referenten nicht gewährleistet ist.

Fortbildungen in Baden-Württemberg

In Baden-Württemberg gibt es jährlich rund 50.000 Fortbildungsveranstaltungen für Ärzte. Dafür beantragen etwa 8.000 Anbieter von Fortbildungen die Zertifizierung ihrer Veranstaltungen bei der Lan­des­ärz­te­kam­mer. Entsprechend zertifizierte Fortbildungen können Ärzte nach erfolgreicher Teilnahme auf ihr Fortbildungszertifikat anrechnen lassen.

Deutschlandgeschäft aufgegeben

Die OmniaMed-Gruppe hat unterdessen das Deutschlandgeschäft aufgegeben, wie das Unternehmen auf seiner Internetseite mitteilt. Dass es einen Zusammenhang mit dem Ärger um die Zertifizierung von Fortbildungen gibt, schreibt das Unternehmen ausdrücklich nicht. Grund für den Rückzug seien die in Deutschland bestehenden Markt­bedingungen, heißt es lediglich. Man wolle sich künftig voll auf interna­tionale Aktivitäten konzentrieren. 18 Mitarbeiter von OmniaMed Deutschland sind von der Entscheidung betroffen.

Die Ärzteinitiative „MEZIS – Mein Essen zahl‘ ich selbst“ zeigte sich erfreut. Die Initiative hatte durch eine Omniawatch-Recherche auf Verknüpfungen von Omniamed und Pharmaindustrie hingewiesen. Mezis teilte damals mit, man habe sich die Interessenkonflikte bei Omniamed detailliert angesehen. Die Ergebnisse bezeichnete der Verein als „erschreckend“. Mehr als 90 Prozent der Referenten, die bei gesponserten Veranstaltungen Vorträge hielten, hatten demnach zuvor Gelder von den sponsernden Pharmafirmen erhalten, schrieb die Initiative im vergangenen Jahr. Die Sponsoring­summen für eine Tagesveranstaltung seien mit bis zu 200.000 Euro exorbitant hoch.

„Obwohl Omniamed noch Widerspruch gegen die Aberkennung einlegte, spricht die überraschende Geschäftsaufgabe für sich“, hieß es heute von MEZIS. Sie forderte erneut ein größeres CME-Fortbildungsangebot frei von Interessenkonflikten.

Zugleich teilte MEZIS mit, dass der Fortbildungsanbieter Esanum offenbar in die Fußstapfen Omniameds treten wolle. Daher habe man mittlerweile auch deren Veranstaltungskonzept analysiert. Demnach sei das Sponsoringkonzept von Omniamed und Esanum vergleichbar im Hinblick auf sponsernde pharmazeutische Unternehmen, deren Produktpalette und den Leistungsumfang.

Von 14 Vorträgen bei der ersten analysierten Esanum-Veranstaltung im März 2019 in Berlin würden acht Vorträge von ehemaligen Omniamed-Referenten mit weitgehend identischen Inhalten gehalten, hieß es. Fast alle Referenten hätten relevante, teils massive Interessenkonflikte und würden von den sponsernden Firmen bezahlt, so MEZIS. Sponsoringsummen um 100.000 Euro pro Veranstaltung ermöglichten es auch Esanum, die Veranstaltungen kostenfrei oder zu so günstigen Preisen anzubieten, dass andere CME-Fortbildungsanbieter, die ohne die Unterstützung der Pharmaindustrie fortbilden, unter dieser Marktverzerrung erheblich leiden würden.

„Die Ärztekammern sollten in allen Bundesländern, in denen Esanum auftreten will, wie die Baden-Württemberger entscheiden und auch Esanum die Rote Karte zeigen, um endlich die interessenkonfliktfreie ärztliche Fortbildung zu stärken“, sagte Niklas Schurig, MEZIS-Vorstandsmitglied.

Esanum weist Anschuldigungen als falsch zurück

Esanum teilte auf Anfrage des Deutschen Ärzteblattes mit, die Vorwürfe von MEZIS seien „größtenteils nicht korrekt“. Gründer und Geschäftsführer Tom Renneberg wies darauf hin, dass etwa das Fortbildungsprogramm „Hausarzt-Tag 2019“ inhaltlich fertiggestellt worden sei, bevor erste Sponsoren angesprochen wurden. Das mache eine Einflussnahme von Sponsoren auf das Programm von vornherein unmöglich. „Und das ist das Kernargument der MEZIS“, so Renneberg. Er betonte auch, das Programm sei unter Einbeziehung der Wünsche von Ärzten und unter Aufsicht eines Programm­komitees aus erfahrenen Hausärzten erstellt worden.

In Bezug auf das Sponsoringkonzept hieß es, dieses sei vergleichbar mit jedem Sponsoringkonzept eines medizinischen Fachkongresses. „Es mag nicht jedem plausibel erscheinen, warum ein Platinumsponsor mehr Geld ausgibt, um in allen Nennungen ganz oben und als erster genannt zu werden, aber so ist es nun mal – genau wie beim Kongress der medizinischen Fachgesellschaft“, so Renneberg. Er betonte, die Sponsoringsummen seien bei Esanum „genormt“. Das hochpreisigste Sponsoringpaket liege bei rund 24.000 Euro. Grundsätzlich sei es richtig, dass die Aussteller der Industrieausstellung gegen die Gesamtkosten so einer Veranstaltung laufen würden und somit die Eintrittspreise verringerten.

Interessenskonflikte sind transparent gemacht

Renneberg betonte auch, gute Referenten zu finden, die nicht schon einmal für ihren Vortrag auf einer Tagung ein Gehalt bezogen hätten, oder sich ihren Aufwand für die Teilnahme an einer klinischen Studie hätten vergüten lassen, sei schwer. Nahezu unmöglich sei dies, wenn Referenten dann noch gute Sprecher und Experten auf ihrem Fachgebiet sein sollten und für ihren Vortrag ebenfalls keine Vergütung beziehen würden.

Der Esanum-Geschäftsführer erläuterte, Interessenkonflikte seien daher nicht das Hauptkriterium bei der Auswahl der Referenten. „Meistens liegen die Tätigkeiten, für die die Referenten vergütet wurden, in der Vergangenheit. Ihnen eine Beeinflussung vorzuwerfen, grenzt an Verleumdung, ist in jedem Fall jedoch eine bloße Unterstellung“, sagte Renneberg.

Es sei zudem „naheliegend“, dass ein Referent mit vergüteten Tätigkeiten für viele verschiedene und zueinander in starker Konkurrenz stehende Unternehmen sehr ausgewogen informiert sein könne. „Insofern sehen wir da kein Problem. Es besteht Konsens in der Community der Fortbildungsveranstalter, dass sich Interessenkonflikte als solche nicht vermeiden lassen, sie können lediglich gemanagt werden, und zwar durch Transparenz“, so Renneberg. Diese biete man sowohl in den Vorankündigungen als auch in den ersten Folien der Vorträge. © may/aerzteblatt.de

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Avatar #727681
markusbschmidt
am Mittwoch, 6. Februar 2019, 22:31

Irreführende Überschrift

Der Veranstalter hat seinen Widerspruch zurückgenommen, höchstwahrscheinlich weil er sich aus dem gesamten Deutschen Markt zurückzieht und das Widerspruchverfahren (mit völlig offenem Ausgang) weiterzuführen ihn nur sinnlos Geld kosten würde.
Der Author vermittelt mit seiner Wortwahl, dass die Ablehnungsbescheide sich hier gegen irgendwen oder irgendetwas durchgesetzt haben. Etwas irreführend, wie ich finde.
Gruß
M. Schmidt
Avatar #760122
GastrodocMünchen
am Mittwoch, 6. Februar 2019, 14:00

Sind denn alle Kollegen/-innen und die MEZIs weltfremd?

Liebe Kolleginnen und Kollegen,
wenn man sich diese Neiddebatte, die von den MEZIs angezettelt wird, so durchliest, dann kommt man doch sehr ins Staunen und Grübeln.
Auf welchem Stern leben diese Aktivisten?
Nahezu ALLE Fortbildungen in Deutschland, die in einem größeren Rahmen stattfinden, sind von der Pharmaindustrie gesponsert.
Als Internist und Gastroenterologe kann ich da die DGIM- und DGVS-Kongresse nennen, die sonst gar nicht stattfinden würden. Das bedeutet aber doch nicht automatisch, dass die Sponsoren versuchen, Einfluss auf die Referenten zu nehmen.
Gutes Beispiel sind die Veranstaltungen von medUpdate, zu denen viele Kollegen/-innen pilgern und die NATÜRLICH AUCH IN GROSSEM UMFANG von der Pharmaindustrie unterstützt werden. Dafür bekommt die Industrie Werbeflächen, da kann man hingehen oder auch nicht. Ohne diese Unterstützung wäre eine solch breit angelegte Fortbildung in Deutschland tot. Wollen wir das? Oder sind wir als Akademiker nicht selbst in der Lage, zu entscheiden, in wieweit wir uns beeinflussen lassen? Jeder halbwegs vernünftige Mediziner merkt doch, ob ein/e Referent/-in objektiv vorträgt oder Lobbyarbeit betreibt. Sorry, aber diese Art von vorauseilendem Gehorsam in der Korrektheit ist weltfremd. Und die niedergelassenen Kollegen/-innen, die ja auch Unternehmer sind und deren Laden bei laufenden Kosten stillsteht, wenn sie eine Fortbildung besuchen, brauchen die CME-Punkte, sonst bekommen sie Ärger. Die haben nicht die Möglichkeit wie ich als Klinikarzt in der wöchentlichen Tumorkonferenz mal eben für eine Stunde Diskussion 5 CME-Punkte einzusammeln. Also bitte, etwas mehr Realitätssinn.
Avatar #760087
Dr.Mabuse77
am Dienstag, 5. Februar 2019, 20:43

Da muss ich laut lachen...

Da schließe ich mich vosue gerne an!

Ich bin ja ganz gerne zu den Omnimeds gegangen: Bester Rahmen viele der Kollegen aus der Region zu treffen und sich ein wenig auszutauschen, auch wenn wir uns in den letzten Jahren doch sehr dezimiert haben... Mehr war das dann aber auch nicht mehr. Es war schon zu erkennen, dass da wohl einige in dem Laden Fortbildung machen wollten, aber dann kam halt doch wieder der Evergreen mit den NOAKs wie schon die zehn Jahre davor und hinterher waren die Damen von Servier und Co an ihren Zettelhaufentischen im Foyer ganz außer sich, wie toll doch dieser unabhängige Vortrag (schon wieder) war... Sei's drum: Wir haben doch gelernt ne versteckte Pharmabotschaft zu erkennen und bei Omniamed war das ja alle Jahre die selbe Kiste. Dafür darfs aus meiner Sicht zumindest natürlich auch Punkte geben, denn Infos waren es ja auch. Aber bitte nicht als ach so neutral verkaufen.

Wenn ich den Artikel da so lese, dann muss ich aber mal nachfragen, wer da besser informiert ist - Schreiber oder Leser? Nachdem die Omniamed mir erst noch ne Einladung zur Jahresfortbildung in Berlin geschickt hatte und ich mich wie immer angemeldet hatte, kam jetzt ne Absage der Veranstaltung von denen, aber gleich mit dem Hinweis, dass es da ja jetzt wen neues aufm Markt gibt: Die Esanum Academie - schreiben die sich absichtlich so komisch? Tut beim Hinschauen weh... Das wäre ja von der Omniamed überprüft und für fachlich so super befunden worden. Ein Glück, dass die Pleite gemacht haben oder was auch immer "hinter Rückzug aus Deutschland" steckt. Jetzt darf ich zu ner noch besseren Veranstaltung mit denselben Referenten und denselben Themen. Das kann ja nur unabhängig geworden sein, insbesondere, wen die Sponsoren wie BI, Amgen, Bayer etc. schon Wochen und Monate vor den Fortbildungen reinreden können und ihre besten Redner ins Rennen schicken... Dass das die Compliance-Abteilungen echt noch mitmachen? Da wundert es auch nicht, wenn einem die Kollegen zwitschern, dass da dieselben Namen dahinterstecken und Esanum schon vor Monaten die ehemalige Omniamed-Führungsriege angeworben hat. Da wird es mir dann doch zu bunt... Dann allen Kollegen dort viel Spaß und guten Appetit: Verhungert bin ich dort nie.
Avatar #93860
vosue
am Dienstag, 5. Februar 2019, 19:20

Halten uns Mezis und die Kammern für blöd

Deutschland, wo entwickelst Du Dich hin? Als wenn Omniamed, Esanium und wie sie alle Heißen die einzigen Informationsquellen sind. Wichtig ist gute Didaktik, reproduzierbare Fakten und Aktualität- welches Präparat man verschreibt ist nicht abhängig von Vorträgen und Pharmazie, wer die Ärzte für so manipulierbar hält, sollte mal Medizin vor Ort machen und nicht am politischen Geplänkel teilnehmen
LNS

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