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Ausland

Genitalverstümmelung verletzt Menschenrechte von Mädchen und Frauen

Dienstag, 5. Februar 2019

/dpa

Genf – Rund 200 Millionen Frauen leben weltweit mit den Folgen einer Genital­verstümmelung. Der Eingriff ist verbreitet in etwa 30 Ländern in Teilen Afrikas, des Nahen Ostens und Asiens. Er gilt als schwere Menschenrechtsverletzung, wie die Welt­gesund­heits­organi­sation (WHO) zum internationalen Tag gegen weibliche Genitalverstümmelung (FGM – Female Genital Mutilation) am 6. Februar in Erinnerung rief.

Die Hälfte der betroffenen Frauen lebt nach Angaben der UN-Kinderhilfswerks Unicef in Indonesien, Ägypten und Äthiopien. Die WHO rief Ärzte und medizinisches Personal auf, solche Eingriffe niemals durchzuführen. Sie hat Richtlinien veröffentlicht, wie Ärzte Verletzungen durch FGM am besten behandeln können.

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Als Genitalverstümmelung bei Mädchen und Frauen gilt jede Prozedur, bei der die äußeren weiblichen Geschlechtsorgane aus nichtmedizinischen Gründen ganz oder teilweise entfernt werden. Der Eingriff führt oft zu starken Blutungen, Infektionen und später zu Zysten und Totgeburten. „Es gibt keine medizinische Rechtfertigung für FGM“, sagte WHO-Sprecher Tarik Jasarevic. Im Gegensatz dazu kann die Beschneidung bei Männern, bei der die Vorhaut des Penis teilweise entfernt wird, etwa vor bestimmten Krankheiten schützen.

Die Praxis ist älter als Christentum und Islam. Mädchen werden sowohl in christlichen als auch in islamischen Ländern beschnitten. Die Verstümmelung soll unter anderem die Lust am Sex einschränken. Für viele Frauen ist der Geschlechtsverkehr danach schmerzhaft. Der UN-Bevölkerungsfond (UNFPA) gibt zwar an, die Praxis gehe tendenziell zurück. Durch das Bevölkerungswachstum in den betroffenen Ländern sinke die absolute Zahl aber dennoch kaum.

„Aufgrund des Bevölkerungswachstums in den betroffenen Regionen wird zwar die statistische Wahrscheinlichkeit, Opfer von Genitalverstümmelung zu werden, nicht zunehmen – doch die absolute Zahl der Opfer steigt an“, sagt Renate Bähr, Geschäftsführerin der Die Deutsche Stiftung Weltbevölkerung (DSW).

Viele Länder hätten zwar Gesetze erlassen, die Genitalverstümmelung verbieten oder einschränken würden. Allerdings täten die Regierungen bislang zu wenig, um über diese Gesetze aufzuklären und sie auch wirklich umzusetzen. „Es ist höchste Zeit, dass Mädchen auch in der Praxis gleichberechtigt behandelt werden – das schließt ihr Recht auf körperliche Unversehrtheit mit ein“, so Bähr. © dpa/aerzteblatt.de

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Avatar #727963
von Roy, Edward
am Mittwoch, 6. Februar 2019, 11:31

"Jede Form von FGM (I, II, III, IV) gehört verboten – überall auf der Welt"

Frage an Dr. Katarina Barley bezüglich Inneres und Justiz

[E]rstmals in der Geschichte der USA begann im April 2017 ein Strafprozess nach 18 USC 116 (female genital mutilation, FGM). In Detroit, Michigan, waren Dr. Nagarwala sowie die Eheleute Attar angezeigt worden, drei Angehörige der schiitischen Dawudi Bohra, denen FGM religiöse Pflicht ist (https://tinyurl.com/y7wearfe).

Islam der Sunniten. Im islamischen Recht der Schafiiten gilt die männliche wie weibliche Beschneidung als wâdschib (farD), religiös verpflichtend. Die anderen sunnitischen Rechtsschulen bejahen die weibliche Beschneidung, den Malikiten gilt sie als sunna (unbedingt nachzuahmen), Hanafiten wie vielen Hanbaliten als makrumâ (ehrenwert), die übrigen Hanbaliten bewerten sie als religiöse Pflicht (https://tinyurl.com/yamu9kvt).

Sind Sie der Auffassung, dass eine religiös begründete FGM Typ Ia oder FGM Typ IV durch Art. 4 Grundgesetz gedeckt und auch nicht durch § 226a StGB verboten ist? (https://tinyurl.com/qzxoz2k)

Auch die Jungenbeschneidung, die männliche „Genitalverstümmelung ist immer ein massiver Eingriff, der nicht selten den Tod und häufig lebenslange Schmerzen und psychologische Traumata nach sich zieht“, um Ihre, für das männliche Geschlecht ebenfalls zutreffende, Aussage zur FGM zu zitieren. Die Grund- und Freiheitsrechte des Individuums betreffend, hat das Grundgesetz zwischen Frau und Mann, zwischen Mädchen und Junge nicht zu differenzieren (https://tinyurl.com/yb8dvgau).

Bekennen Sie sich zum Beibehalten der WHO-Kategorisierung weiblicher Genitalverstümmelung, welche FGM definiert als Typ I, II, III, IV? Kämpfen Sie mit uns gegen die Straffreistellung der Chatna (chitan al-inath, sunat perempuan), auch der milden Sunna? Jede Form von FGM (I, II, III, IV) gehört verboten – überall auf der Welt.

Edward von Roy, Diplom-Sozialpädagoge (FH)

https://www.abgeordnetenwatch.de/profile/dr-katarina-barley/question/2018-03-28/297901
Avatar #760104
Emily O.Tedio
am Mittwoch, 6. Februar 2019, 09:39

Fehler

Es muss heißen:
Genitalverstümmelung verletzt Menschenrechte von KINDERN. Schließlich sind weltweit auch unzählige Jungen von medizinisch nicht indizierten Vorhautbeschneidungen betroffen....oder stellt das männliche Glied kein Genital dar????? Bzw. handelt es sich bei diesen Eingriffen nicht um Übergriffe und unumkehrbare Veränderungen am Körper von Kindern, die nicht einwilligen können???
LNS

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