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Medizin

Gehirnerschütterung: Sport beschleunigt in Studie die Erholung von Teenagern

Mittwoch, 6. Februar 2019

/matteozin, stockadobecom

Buffalo/New York – Entgegen den derzeitigen Empfehlungen kann bei Teenagern, die bei einem Sportunfall eine leichte Schädel-Hirn-Verletzung erlitten haben, ein leichtes Sportprogramm die Erholung beschleunigen und möglicherweise einem postkommo­tio­nellen Syndrom vorbeugen. Dies kam in einer randomisierten klinischen Studie in JAMA Pediatrics (2019; doi: 10.1001/jamapediatrics.2018.4397) heraus.

„Rest is best“ lautet derzeit die zentrale Empfehlung bei Schädel-Hirn-Verletzungen. Vor dem Abklingen der Symptome sollen die Patienten sich schonen und keinesfalls sportlich aktiv werden. Dies gilt auch für Jugendliche, die bei einem Sportunfall eine leichte Schädel-Hirn-Verletzung („Gehirnerschütterung“) erlitten haben. Die Empfehlung stützt sich auf tierexperimentelle Studien und einen internationalen Konsens von Experten. Randomisierte klinische Studien wurden zu dieser Frage bisher nicht durchgeführt.

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Vielen betroffenen Teenagern ist es immer schwer gefallen, sich an die Anordnung der Ärzte zu halten, und auch viele Sportmediziner sind der Ansicht, dass ein wenig Bewegung während der Rehabilitation nicht schaden kann. Nachdem 2 kleinere Studien in den letzten Jahren zu dem Ergebnis kamen, dass sportliche Übungen nicht schaden, wenn sie im „Subsymptom“-Bereich bleiben, hat ein Team um John Leddy von der State University of New York in Buffalo jetzt eine randomisierte klinische Studie durchgeführt.

An der Studie nahmen 103 Jugendliche im Alter von 13 bis 18 Jahren teil, die vor weniger als 10 Tagen beim Sport eine leichte Schädel-Hirn-Verletzung erlitten hatten. Die Diagnose wurde von einem erfahrenen Sportmediziner bestätigt. Zu den Ausschlusskriterien gehörten fokale neurologische Defizite sowie die Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Störung (ADHS) oder Depressionen sowie Schädel-Hirn-Verletzungen in der Vorgeschichte.

Die Probanden nahmen zunächst an einem Ergometertest teil. Dabei wurde die Herzfrequenz bestimmt, bei der es zu Kopfschmerzen oder anderen Symptomen kam. Danach wurden die Teilnehmer auf 2 Gruppen randomisiert. Die eine Gruppe wurde gebeten, an 5 Tagen der Woche jeweils für 20 Minuten auf einem Heimtrainer zu üben, wobei die Herzfrequenz nicht über 80 % der zuvor ermittelten Schmerzschwelle steigen sollte. Der zweiten Gruppe wurden Streckübungen verordnet, bei denen die Herzfrequenz nach Möglichkeit nicht ansteigen sollte.

Der primäre Endpunkt der Studie war die Zeit bis zur Erholung, definiert als der erste von 3 Tagen ohne Symptome und das Wiedererlangen einer vollständigen körperlichen Belastbarkeit.

Dieses Ziel erreichten die Teilnehmer der Sportgruppe bereits nach 13 Tagen, während die Teilnehmer der Streckübungsgruppe im Durchschnitt 17 Tage benötigten. Die Differenz war laut Leddy statistisch signifikant. Das leichte aerobe Training hatte also zu einer um 4 Tage früheren Erholung geführt. Mehr noch: Nach 30 Tagen waren in der Sportgruppe bis auf 2 alle Kinder symptomfrei. In der Streckübungsgruppe litten noch 7 Kinder unter Symptomen. Diese verzögerte Erholung ist ein häufiges und ungelöstes Problem bei leichten Schädel-Hirn-Verletzungen. Einige Patienten erholen sich nur sehr langsam von diesem postkommotionellen Syndrom. Die Unterschiede in diesem sekundären Endpunkt waren jedoch nicht signifikant, sodass hier keine eindeutigen Aussagen möglich sind.

Das Konzept von Leddy steht im Widerspruch zu den derzeitigen Empfehlungen. Bevor die Leitlinien umgeschrieben werden, dürften weitere Studien erforderlich sein, um die Auswirkungen auf das postkommotionelle Syndrom genauer zu untersuchen. © rme/aerzteblatt.de

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