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Medizin

Fernsehkonsum zeigt erhöhtes Darmkrebsrisiko von jüngeren Frauen an

Mittwoch, 6. Februar 2019

/Degimages, stockadobecom

St.Louis/Missouri – Frauen, die länger als 14 Stunden in der Woche vor dem Fernseher verbrachten, erkrankten in einer prospektiven Beobachtungsstudie häufiger in jüngerem Alter an Darmkrebs. Am deutlichsten erhöht war laut einer Studie in JNCI Cancer Spectrum (2019; 2: pky073) das Risiko auf ein Rektumkarzinom.

Darmkrebserkrankungen traten früher – außer bei Menschen mit einem genetischen Risiko – selten vor dem 50. Lebensjahr auf. Inzwischen steigt die Zahl der Patienten, die in jüngeren Jahren an Darmkrebs erkranken. In den USA wird nach jüngsten Schätzungen der Geburtsjahrgang 1980 doppelt so häufig vor dem 50. Lebensjahr an einem Kolonkarzinom und 4-fach so häufig an einem Rektumkarzinom erkranken wie der Geburtsjahrgang 1950.

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Die Krebserkrankungen werden bei den jüngeren Menschen meist zu spät entdeckt, und sie neigen offenbar häufiger zu einem aggressivem Wachstum. Die American Cancer Society hat deshalb im letzten Jahr die Altersgrenze für die Darmkrebsvorsorge auf 45 Jahre gesenkt.

Dass vor allem die Krebserkrankungen im Enddarm steigen, deutet auf körperliche Inaktivität als Risikofaktor hin. Menschen, die sich wenig bewegen, haben häufiger eine verlängerte intestinale Transitzeit, vielleicht auch eine Obstipation. Dies verlängert die Zeit, in der die Schleimhaut den Karzinogenen der Faeces, etwa den sekundären Gallensäuren, ausgesetzt ist.

Ein Team um Yin Cao von der Washington University School of Medicine in St. Louis hat den Zusammenhang zwischen sitzenden Tätigkeiten und frühen Darmkrebs­erkrankungen in der Nurses Health Study II untersucht, die seit 1989 eine Gruppe von 116.430 Krankenschwestern begleitet. Von diesen sind nach einer mittleren Beobachtungszeit von 13,9 Jahren 118 vor dem 50. Lebensjahr an Darmkrebs erkrankt.

Die Krankenschwestern sind im Verlauf der Jahre mehrmals zu ihren körperlichen Aktivitäten befragt worden. Der Fernsehkonsum erwies sich als der beste Parameter für eine sitzende Tätigkeit, vermutlich weil die beruflichen Unterschiede zwischen den Krankenschwestern nicht sehr groß waren. Fernsehen war auch ein Marker für eine insgesamt ungesunde Lebensweise. Unter den Frauen, die mehr als 14 Stunden in der Woche fernsahen, waren mehr Raucherinnen, mehr Übergewichtige und Typ-2-Diabetikerinnen, und im „Alternate Healthy Eating Index 2010“ erhielten die Frauen, die viel fernsahen, schlechtere Noten für ihre Ernährung.

Die Dauer des Fernsehkonsums war jedoch auch nach Berücksichtigung dieser Faktoren ein Marker für ein erhöhtes Darmkrebsrisiko. Verglichen mit Frauen, die 7 Stunden oder weniger in der Woche vor dem Fernseher verbrachten, erkrankten Frauen mit einem Fernsehkonsum von 14 oder mehr Stunden pro Woche zu 69 % häufiger an Darmkrebs (relatives Risiko 1,69, 95-%-Konfidenzintervall 1,07 bis 2,67). Für den Enddarmkrebs ermittelte Cao sogar ein relatives Risiko von 2,44 (1,03 bis 5,78).

Die Studie bringt als eine der ersten sitzende Tätigkeiten in der Freizeit mit der steigenden Zahl von Darmkrebserkrankungen in Verbindung. Im Untersuchungs­zeitraum gab es noch keine Smartphones und Tablets. Es steht deshalb zu befürchten, dass auch andere Bildschirmzeiten als das Fernsehen das Risiko erhöhen. Menschen mit langen Bildschirmzeiten sollten nach Ansicht von Cao frühzeitig an einer Darmkrebsvorsorge teilnehmen. © rme/aerzteblatt.de

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