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Politik

Verband warnt vor schlechterer Versorgung akuter und chronischer Wunden

Mittwoch, 6. Februar 2019

/dpa

Berlin – Der Bundesverband Medizintechnologie (BVMed) befürchtet eine schlechtere Versorgung von Patienten mit akuten und chronischen Wunden, wenn das „Gesetz für mehr Sicherheit in der Arzneimittelversorgung“ (GSAV) so umgesetzt wird, wie es der Kabinettsentwurf im Augenblick vorsieht.

Darin wird zwischen einer „Hauptwirkung“ und „zusätzlichen Wirkungen“ von Verbandmitteln unterschieden. Letztere dürfen laut dem Entwurf nicht pharmakologisch, immunologisch oder metabolisch sein und im menschlichen Körper stattfinden.

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Aus Sicht des BVMed bedeutet dies, dass Verbandmaterialien, die in der Wundversorgung dringend benötigt werden, künftig nicht mehr ohne aufwendige Nachweise erstattungsfähig wären. Zahlreiche Produkte, zum Beispiel bestimmte Verbandmittel mit antimikrobieller Wirkung, stünden Patienten und verordnenden Ärzten in der Regelversorgung nicht mehr zur Verfügung.

„Für Patienten mit akuten und chronischen Wunden würde die aktuelle Änderung der Verbandmitteldefinition mit Sicherheit eine Verschlechterung der medizinischen Versorgung mit sich bringen“, sagt BVMed-Geschäftsführer und Vorstandsmitglied Joachim Schmitt.

Mit dieser Regelung würde viele Produkte, die sich zum Teil seit Jahrzehnten in der Wundversorgung bewährt hätten, nicht mehr wie bisher als Verbandmittel von den Krankenkassen bezahlt werden. Das wäre auch wissenschaftlich ein erheblicher Rückschritt, sagte Schmitt. Er warnte, dass in der Folge mehr Menschen mit chronischen Wunden stationär behandelt werden müssten und auch Antibiotika häufiger zum Einsatz kämen.

Der BVMed fordert daher, eine ursprüngliche Formulierung aus dem Referentenentwurf wieder in den Gesetzentwurf aufzunehmen. Darin wurden Verbandmittel und sonstige Produkte zur Wundversorgung auf Basis einfacher Wirkweisen definiert. 

Mit dem GSAV will die Bundesregierung die Arzneimittelversorgung sicherer machen. Die Definition der Verbandmittel ist ein weiterer Aspekt des Gesetzes. Das Bundes­kabinett hat dem Entwurf des GSAV Ende Januar zugestimmt.  © hil/aerzteblatt.de

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ullrichkatz
am Mittwoch, 6. Februar 2019, 23:20

Unseriöse Panikmache

Das Geschrei um eine Verschlechterung der Versorgung von Patienten mit chronischen Wunden ist kaum noch zu ertragen. Wir haben 5000 verschiedene so genannte moderne Wundauflagen auf dem Markt. Die in den Markt zu drücken geht offensichtlich sehr schnell. Deren Wirksamkeit zu überweisen ist offensichtlich nicht mehr ganz so einfach – würde wahrscheinlich auch Jahrzehnte dauern.
Aber man hat ja immer die gleichen Leute, opinion leader , die die Marktgängigkeit forcieren.
Der absolute Hauptgrund warum die meisten chronischen Wunden, die überwiegend venös bedingt sind, nicht heilen, ist die mangelhafte Kompression. 68 % aller Patienten die einen Kompressionsverband benötigen, bekommen diese nicht! Laut BARMER GEK. Dieses wird sogar als Kunst fehlerhaft bezeichnet – und das ist der eigentliche Skandal, nicht die 5001 Wundauflage.
Man bringt circa 30-40.000 so genannten „Wundexperten“ in drei Wochen Kurs bei, wie man mit dem Sammelsurium an Wundauflagen umgeht und reklamiert wissenschaftliche Nähe. Was zu beweisen war… Aber man bringt denen nicht bei, wie haltbare und wirksame Kompressionsverbände angelegt werden. Wundauflagen heilen keine Wunden- da gibt es keine Evidenz! Die Kompressionstherapie hat die höchste Evidenz. In unserem neu gebauten Wundzentrum im Wedding in Berlin, welche seit drei Jahren besteht haben wir eine Wundheilungsquote von 88 % – ohne diese so genannten „modernen Wundauflagen“. Dafür wird auf Kompressionstherapie und intermittierende Kompression grössten Wert gelegt.
Einer der entscheidenden Faktoren für die Wundheilung scheint der Druck zu sein – man hat festgestellt, dass die Kapillaren unter Druck sprießen und neue wachsen – Max Delbrück Zentrum Berlin Professor Gerhard. Hier wäre es interessant, weiter zu forschen. Wir brauchen keine 5000 wundauflagen, die Kosten nur unnötiges Geld der Versicherten. Ich
Wenn die Krankenkassen hier nicht langsam eine konzertierte Aktion gegen diesen Wahnsinn immer neuer Wundauflagen organisieren, dürfen Sie sich nicht wundern, wenn die Kosten für die chronischen Wunden weiter in den Milliardenbereich steigen!
Die Hersteller geben ein Vermögen aus für Werbung , für Meinungsbildner – seit Jahren immer die gleichen – und der betroffene Patient kommt zu kurz. Langsam ist es kaum noch erträglich. Ich habe hunderte Vorträge gehalten – die Pflegedienste sind hoch interessiert, müssen Sich aber von einer externen Kraft, Wundmanagerin, Wundmanager, vorschreiben lassen, was auf die Wunde drauf gehört. Als ob es dazu Gesetze gäbe , wann was gemacht werden muss... da werden billigste Plastikschwämme als „ Wundfüller“ verkauft, wo jeder Mulltupfer genauso geeignet ist. Es gibt unendlich viele Einflussnahme ! Und die Verquickung von Werbung, Verkauf und Verschreibung ist derart verflochten, dass man nur mit größter Mühe durch steigt .
Die Wundauflagen sind von völlig untergeordneter Bedeutung. Es wird Zeit dass sich hier etwas ändert. Wer Wundauflagen verkauft, darf nicht in die Therapie eingebunden werden.
Aber es wird auch Zeit, dass sich die Ärzte mit der chronischen Wunden befassen und diese sehr dankbar Therapie in die Praxis zurück holen.
Der Patient wird es Ihnen danken.

Ullrich Katz
Ehemaliger Chefarzt der Klinik am Ruhrpark Bochum
Ehemaliger leitender Arzt des Wundzentrums AOK Nord Ost Berlin
Berater verschiedene Krankenkassen und Verbände

LNS

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