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Luftreinigungsgeräte werden kritisch gesehen

Mittwoch, 6. Februar 2019

Prototyp des Purevento Stadtluftreinigers am Theodor-Heuss-Ring in Kiel /dpa

Kiel/Dessau-Roßlau – Ein Experte des Umweltbundesamtes und auch die Deutsche Umwelthilfe haben sich kritisch zu Luftreinigungsgeräten geäußert. Ein Unternehmen will mit einem Prototyp die Luft in Kiel verbessern.

„Einen NO2-Staubsauger auf der Straße aufzubauen, passt eher zu Schilda als zu Kiel“, sagte der Geschäftsführer der Umwelthilfe, Jürgen Resch. Eine solche Anlage sei nicht in der Lage, die Luft von den in Kiel sogar um sieben Prozent gestiegenen Stickstoff­dioxidkonzentrationen zu reinigen. „Wir müssen die Dieselabgasgifte an der Quelle herausfiltern, indem alle schmutzigen Dieselfahrzeuge im Rahmen eines amtlichen Rückrufs eine neue funktionierende Hardware eingebaut bekommen“, forderte Resch.

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Auch Marcel Langner, Fachmann für Grundsatzfragen der Luftreinhaltung beim Umweltbundesamt, meint, dass man an die „Wurzel des Bösen“ ran müsse. „Nur da macht es eigentlich Sinn anzusetzen“, sagte er. Jede Maßnahme, die in der Außenluft ansetze, sei wesentlich ineffizienter als eine, die direkt am Auspuff beginne. Langner verwies darauf, dass es langfristigeren Studien bedürfe. Bei kurzfristigeren Messungen etwa lasse sich oft nicht sagen, ob eine Verbesserung ein Effekt des Systems sei oder zufällig etwas weniger Verkehr an diesen Tagen war. „Das ist ein grundsätzliches methodisches Problem.“

Der Punkt sei aber auch, dass es bei dem Grenzwert von 40 Mikrogramm Stickstoff­dioxid (NO2) pro Kubikmeter um einen Jahresmittelwert gehe. Kurzfristige Einsätze von Luftreinigungsgeräten seien sinnlos. Ob diese für einen Dauerbetrieb geeignet seien, sei eine weitere Frage. So habe es keinen Sinn, das Gerät mal vier Wochen aufzustellen und dann sei es gut. Wenn, dann müsste es die ganze Zeit laufen. Und dann sei die große Frage, ob das Gerät für den Dauerbetrieb geeignet sei. „Sonst macht das überhaupt keinen Sinn“, so Langner.

Kiel betrachtet der Experte als Sonderfall, da es dort tatsächlich ein relativ punktuelles Problem gebe. In einer größeren Stadt sei es eine Art Sisyphusarbeit, weil man sehr viele Luftreinigungsgeräte aufstellen müsste.

Gestern wurde bekannt, dass in Kiel ein neuartiges Luftreinhaltegerät an einer besonders belasteten Verkehrsader Schadstoffe aus der Luft filtern soll – eine Woche lang und in einer ersten Phase noch nicht im Reinigungsbetrieb, sondern zur allgemeinen technisch-praktischen Erprobung, wie Geschäftsführer Robert Krüger von der Entwicklungsfirma Purevento miteilte.

Das mobile Gerät soll in anderen Städten in Deutschland vorgestellt und in etwa zwei Monaten nach Kiel für einen mehrwöchigen Luftreinhalte-Praxistest aufgestellt werden. Man hoffe auf das Interesse vieler Kommunen mit starker Luftverschmutzung, hieß es. In welchen Städten das Gerät vorgestellt werde, wollte Krüger nicht sagen. Die besonders belasteten Städte Stuttgart und München gehörten aber nicht dazu.

Als Alleinstellungsmerkmal nannte Krüger die Mobilität des Geräts, das als 3,5-Tonnen-Anhänger von Ort zu Ort gefahren und ohne Baugenehmigung schnell aufgestellt werden könne. Bislang neuartig sei auch die Fähigkeit dieses Stadtluftreinigers, gleichzeitig Feinstaub und alle gasförmigen Schadstoffe wie Stickoxide in einem zweistufigen Verfahren aus der Luft herauszufiltern.

Feinstaub- und Stickoxidbelastung senken

Ziel sei es, mit den Geräten im direkten Umfeld die Feinstaub- und Stickoxidbelastung um etwa zehn Prozent zu reduzieren. Die von dem Gerät angesaugte Luft werde sogar um etwa 80 bis 85 Prozent von Schadstoffen gereinigt. Das System sei simpel: Belastete Luft werde von der Straßenseite angesaugt und auf dem Bürgersteig zur Häuserseite gesäubert wieder herausgepustet. Der Geräuschpegel sei nicht lauter als der Verkehr, sagte Krüger.

„Wir verstehen diese Geräte als einen Baustein einer Zwischenlösung, bis die Elektro­mobilität in den Städten stark zunimmt und die Schadstoffbelastung zurückgeht“, sagte Krüger. Seine Firma werde nicht von der Autoindustrie unterstützt, sagte er auf Nachfrage. Die Geräte sollen etwa 80.000 Euro pro Stück kosten.

Bislang hat Purevento nur den Prototyp fertig. Sollte Kiel Interesse haben, könnten innerhalb von sechs Monaten die sechs notwendigen Geräte für den Theodor-Heuss-Ring hergestellt werden. Die Stadt Kiel will erst einmal abwarten, ob mit solchen Geräten tatsächlich Luftverbesserungen erreicht werden können, wie ein Sprecher erläuterte. „Das ist ein bisschen angewandte Forschung, die sind nicht Bestandteil unseres Konzepts für eine sauberere Luft“, sagte Oberbürgermeister Ulf Kämpfer (SPD).

Am Ende entscheide das Umweltministerium des Landes, ob die Geräte mit in den Luftreinhalteplan kämen. Dessen Entwurf wolle das Ministerium noch vor der Sommerpause vorlegen. „Nach unserem Plan wollen wir spätestens Ende 2021 die EU-Grenzwerte einhalten“, sagte Kämpfer. Stickstoffdioxid in Städten stammt zu einem großen Teil aus Dieselabgasen und ist der Grund für Dieselfahrverbote. Ein solches Fahrverbot will die Stadt Kiel vermeiden. © dpa/aerzteblatt.de

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