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Mehrheit der EU-Bürger wünscht mehr Kontrolle beim Einsatz von Algorithmen

Mittwoch, 6. Februar 2019

/Gorodenkoff, stockadobecom

Gütersloh – Eine große Mehrheit der Menschen in der Europäischen Union (EU) wünscht einer Umfrage zufolge mehr Klarheit und Kontrolle beim Einsatz von Algorithmen. Laut einer heute von der Bertelsmann-Stiftung veröffentlichten Befragung sprachen sich drei von vier Teilnehmern dafür aus, derartige computerbasierte Entscheidungen nachvollziehbarer zu gestalten und ein Recht auf Überprüfung durch Menschen zu verankern.

64 Prozent fühlen sich demnach unwohl, wenn Computer Entscheidungen ohne menschliche Beteiligung treffen. Die Akzeptanz dafür schwankt jedoch je nach Einsatzgebiet. Bei Rechtschreibprüfungen können sich 53 Prozent rein computer­basierte Methoden vorstellen, bei hochgradig sensiblen Themen wie der Diagnose von Krankheiten oder der Vorauswahl von Bewerbern auf Stellen sind es lediglich sieben sowie sechs Prozent.

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Darüber hinaus halten die Befragten eine Kennzeichnungspflicht für Algorithmen für wünschenswert, um für mehr Transparenz zu sorgen. Die Stiftung befürwortete das. Die EU sei bei der Schaffung eines solchen „Vermummungsverbots“ für Algorithmen „in der Pflicht“, erklärte sie. „Die EU muss als globaler Akteur einen eigenen Weg ins Zeitalter der Algorithmen finden“, betonte Stiftungsvorstand Jörg Dräger in Gütersloh.

Zugleich zeigte die Umfrage, dass fast die Hälfte der Europäer nicht weiß, was Algorithmen sind. Nur acht Prozent gaben an, viel darüber zu wissen. Genauere Vorstellungen, wo derartige Entscheidungsprozesse eingesetzt werden, haben demnach nur wenige. Etwa ein Fünftel war gar nicht über die Anwendungsfelder von Algorithmen orientiert, hieß es.

Unterschiede zwischen den Ländern

Dabei offenbarte die Studie auch erhebliche Unterschiede zwischen den Staaten. So fanden drei Prozent der Befragten in Polen den Einsatz von Algorithmen beängstigend, in Frankreich waren es dagegen 21 Prozent. Im Schnitt waren 34 Prozent der Menschen unentschlossen, was sie von diesen halten sollten. In Deutschland belief sich der Wert auf 36 Prozent. Die Stiftung forderte eine „gesamteuropäische Diskussion und Strategie zum Einsatz von Algorithmen und künstlicher Intelligenz“.

Die Grünen-Bundestagsfraktion forderte als Konsequenz aus den Ergebnissen eine breite gesellschaftliche Debatte über Algorithmen. Anna Christmann, Grünen-Obfrau in der Enquetekommission künstliche Intelligenz, nannte die Bundestagskommission genau den richtigen Ort für solch eine Debatte.

Tabea Rößner, Grünen-Sprecherin für Netzpolitik, nannte ein Transparenzkennzeichen für künstliche Intelligenz und Algorithmen einen möglichen sinnvollen Ansatz. Es sei „höchste Zeit“, Mechanismen für eine Überprüfbarkeit und Kontrolle von Algorithmen und künstlicher Intelligenz zu entwickeln. Verbraucherschutzministerin Katarina Barley (SPD) stehe in der Pflicht, deutlich mehr für die Aufklärung der Menschen und die Transparenz und Regulierung von Algorithmen zu tun.

Die Ergebnisse der Bertelsmann-Studie basieren auf einer Befragung von knapp 11.000 Menschen aller 28 EU-Mitgliedstaaten und ist laut Stiftung repräsentativ für die Bürger der gesamten EU und der sechs größten Mitgliedstaaten Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Polen und Spanien. Es handelte sich um eine Onlinebefragung der Stiftung in Zusammenarbeit mit dem Umfrageinstitut Dalia Research. © afp/aerzteblatt.de

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