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Medizin

Woran Radiologen Opfer von Gewalt durch den Partner erkennen können

Donnerstag, 7. Februar 2019

/alice_photo, stockadobecom

Boston – Gewalt in Beziehungen ist vermutlich häufiger, als die meisten Radiologen ahnen. Die Verletzungen veranlassen dann meist radiologische Untersuchungen. Eine Studie in Radiology (2019; doi: 10.1148/radiol.2019180801) zeigt, worauf geachtet werden sollte.

Die Welt­gesund­heits­organi­sation schätzt, dass jede dritte Frau im Verlauf ihres Lebens körperlicher oder sexueller Gewalt ausgesetzt ist. Zu ähnlichen Ergebnissen kam auch eine Untersuchung der US-Centers for Disease Control and Prevention. Gewalt in Beziehungen ist demnach kein auf ärmere Länder beschränktes Problem.

Die Auswertung der elektronischen Krankenakten von 185 Patienten, die an der Notfallambulanz des Brigham and Women’s Hospital in Boston behandelt wurden, weil ihr Partner sie attackiert hatte, zeigt, dass die Anamnese die wichtigsten Hinweise liefert. Wie zu erwarten, waren die meisten Opfer Frauen (96,2 %). Das Durchschnitts­alter lag bei 34,1 Jahren, sodass ungewöhnliche Verletzungen vor allem bei jüngeren Frauen Verdacht erregen sollten. Die Männer, die Opfer von Beziehungskrisen wurden, waren mit durchschnittlich 43,6 Jahren älter.

In den USA tritt Gewalt in Partnerschaften häufiger unter Afroamerikanern (Odds Ratio OR 4,3), Hispanics (OR 3,1) und anderen nichtweißen Minderheiten (OR 3,0) auf, die häufiger zu den einkommensschwachen Schichten gehören. Das Team um Bharti Khurana ermittelt für die 3 untersten Quartile des Einkommens (OR 3,1, 3,6 und 2,1) ein erhöhtes Risiko. Am meisten gefährdet waren Obdachlose (OR 26,9), psychisch Kranke (OR 7,7), Behinderte (OR 7,1) und Drogenkonsumenten (OR 4,9), also die Schwächsten der Gesellschaft.

Auch Schwangere (OR 2,9) werden überdurchschnittlich oft Opfer von partner­schaftlicher Gewalt, ebenso die ungeborene Kinder (OR 6,3). Hinweise sind intrauterine Wachstumsstörungen, subchoroidale Hämatome oder Fehlgeburten.

Verdächtig auf partnerschaftliche Gewalt sind auch Weichteilverletzungen (OR 3,5) sowie nicht altersentsprechende subakute oder chronische Frakturen (OR 3,4), Bänderverletzungen (OR 3,0) und akute Frakturen (OR 2,2), vor allem wenn die Ursachenbeschreibung nicht zu den Verletzungen passt.

Im Einzelfall dürfte es schwierig werden, die Verletzung ohne Angaben des Patienten auf partnerschaftliche Gewalt zurückzuführen. Bei Kindesmisshandlungen hätten die Radiologen jedoch in den letzten Jahrzehnten ein feines Gespür entwickelt, schreibt Khurana. Die Diagnose sei mittlerweile Bestandteil der Ausbildung. Über die partnerschaftliche Gewalt sei dagegen noch zu wenig bekannt. Die Forscherin plant weitere Analysen, um vielleicht auch mithilfe eines maschinellen Lernens einen Algorithmus zu entwickeln, der Radiologen häufiger als bisher alarmieren könnte. © rme/aerzteblatt.de

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