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Krankenhäuser melden Millionenschäden an Versicherungsmakler

Donnerstag, 7. Februar 2019

/Herjua, stockadobecom

Berlin/Detmold – Dem Versicherungsmakler für Krankenhäuser, Ecclesia, sind von 2009 bis 2018 Schäden in Höhe von 22,8 Millionen Euro infolge von Diebstählen und Einbrüchen gemeldet worden. Davon entfallen nach Angaben von Ecclesia 16,7 Millionen auf die Einbruchdiebstahlversicherung.

Voraussetzung für diesen Schadensfall ist, dass das Diebesgut aus geschlossenen Schränken entwendet wurde, sei es aus Schließfächern von Pflegern und Patienten oder aus geschlossenen Technikräumen. Gelegenheitsdiebstähle gehören nicht dazu. Der Rest entfällt auf die Elektronikversicherung für Laptops, Beamer, Fernseher und Medizingerätetechnik.

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Dabei ist nach Angaben von Ecclesia für einen Großteil der Gesamtsumme die Welle von Endoskopiediebstählen in den Jahren 2015 bis 2017 verantwortlich. Seit die Polizei Fahndungserfolge hatte, seien Schadensfälle und -summe zurückgegangen. Im vergangenen Jahr wurden 254 Schäden in Höhe von rund 492.000 Euro registriert – nach 2017 rund 3,7 Millionen Euro.

Keine bundesweite Übersicht

Bundesweite Kriminalstatistiken zu Einbruchdiebstahlfällen in Krankenhäusern gibt es nicht. Das Ausmaß erahnen lassen nur die Ländererhebungen. Die neuesten Zahlen sind dabei aus dem Jahr 2017.

Im bevölkerungsreichsten Bundesland Nordrhein-Westfalen (NRW) wurden 2017 laut Landeskriminalamt (LKA) fast 6.500 Diebstahlsfälle mit einem Schaden von 3,5 Millionen Euro in Krankenhäusern registriert. Ein Negativrekord war im Jahr davor mit einem Schaden von 8,2 Millionen Euro erreicht worden, bei nur leicht höherer Fallzahl. Zum Vergleich: 2011 wurde infolge von 4.715 Diebstählen ein Schaden von nahezu zwei Millionen Euro angerichtet.

Auch in hessischen Krankenhäusern kommt einiges abhanden: 2017 etwa neben Schmuck, Bekleidung und einem Regenschirm auch Tiefkühlkost, ein Bolzenschuss­apparat oder ein Brettspiel. Gesamtschaden: knapp 1,8 Millionen Euro. Die Aufklärungsquote bei den 1.836 Fällen lag gerade mal bei 16 Prozent. Auch ein Hund gehörte einmal zum registrierten Diebesgut.

In Baden-Württemberg hat die Schadenssumme 2017 einen Höchststand von nahezu 2,75 Millionen Euro erreicht. 2013 waren es noch 1,8 Millionen Euro, aber die Zahl der Fälle, in die auch Arztpraxen einbezogen sind, lag damals bei 3.200 und damit über dem aktuellsten Wert von knapp unter 3.000.

Rückläufige Fallzahlen

Der Trend rückläufiger Fallzahlen bei höherer Schadenssumme lässt sich in mehreren Bundesländern beobachten, so etwa in Thüringen mit 384 Diebstählen und einem Schadensvolumen rund 400.000 Euro (2017) nach 496 Fällen und einem Schaden von 118.000 Euro (2016).

In Sachsen-Anhalt wurden am häufigsten Wertsachen aus Patientenzimmern entwendet. 231 Fälle waren es laut LKA 2017. Medizinische Geräte sind im vorvergangenen Jahr 18-mal, Betäubungsmittel elfmal gestohlen worden.

In Rheinland-Pfalz sorgte eine Häufung von Diebstählen hochwertiger endoskopischer Geräte zwischen Juli 2015 und November 2017 für Aufregung. Dort ging der Schaden wahrscheinlich in die Millionen. Ein Diebstahl von medizinischen Geräten im Wert von 500.000 Euro ließ 2017 auch in Brandenburg die Schadenssumme hochschnellen.

Auf das Unwesen von Gangs, die es auf medizinisches Equipment abgesehen hatten, reagierte die Universitätsklinik Tübingen mit der Anstellung eines Sicherheitsdienstes, wie die Kaufmännische Direktorin Gabriele Sonntag schildert. Tübingen sei verschont geblieben und die Diebe inzwischen gefasst. „Aber es gibt immer wieder Sachen, die wegkommen.“ Das betreffe auch Wertgegenstände der Mitarbeiter. Unter anderem seien Kupferkabel gestohlen worden, als neue Leitungen verlegt wurden. Auch die Berliner Charité setzt auf einen Sicherheitsdienst, der rund um die Uhr hauptsächlich mit Präventionsmaßnahmen befasst ist.

Krankenhäuser haben es schwer

Die Krankenhäuser tun sich im Allgemeinen schwer, gegenzusteuern. „Krankenhäuser sind große Komplexe mit unkontrolliertem Zugang“, sagte LKA-Sprecher Frank Scheulen aus Düsseldorf. Für Diebe sei es einfach, auf die Stationen zu kommen und Schubläden und Schränke in leeren Zimmern zu durchwühlen. Deshalb sollten Patienten zumindest vorhandene Schließfächer nutzen.

Auch Pfleger seien inzwischen für die Problematik sensibilisiert, sagt Lothar Kratz, Sprecher der Krankenhausgesellschaft NRW. Es sei aber schwierig, den Überblick zu behalten. „Wir haben in NRW rund 4,6 Millionen Patienten jährlich in Krankenhäusern. Wenn jeder von ihnen auch von zwei oder drei Menschen Besuch bekommt, dann sind drei Viertel aller Bewohner NRWs einmal pro Jahr im Krankenhaus.“

Die Univeritätsklinik Mannheim tut nach Angaben von Sprecher Philip Egermann ihr Möglichstes, um Diebstähle zu verhindern. „Wir weisen auf allen Kanälen darauf hin, möglichst keine Wertgegenstände ins Krankenhaus mitzunehmen – was nicht dabei ist, kann nicht gestohlen werden.“

Appelle an Patienten

Die Appelle an die Patienten finden sich auf den Stationen, in Patientenzimmern, in der Hausordnung und im Internetauftritt. Wer partout nicht auf Schmuck oder teure elektronische Geräte verzichten wolle, könne diese im Panzerschrank hinterlegen. Das Haus übernehme nur dafür die Haftung. Ganz ließen sich Diebstähle nicht verhindern, betont Egermann. „Wir möchten offen bleiben, damit Angehörige und Freunde die Patienten besuchen können.“ Das sei deren Gesundheit förderlich.

Der Allgemeine Patientenverband wünscht sich hingegen schärfere Kontrollen in den Eingangsbereichen von Kliniken. Dort müssten sich Besucher anmelden und sagen, wen sie auf welcher Station besuchen wollten und sich gegebenenfalls ausweisen. „Nicht jeder sollte direkt in eine Klinik hineinspazieren können“, meint Verbands­präsident Christian Zimmermann. Mit elektronischer Datenverarbeitung lasse sich leicht abschätzen, ob der Besucher lautere Absichten habe. © dpa/aerzteblatt.de

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