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Geplante Neuausrichtung der Psychotherapeuten­ausbildung stößt weiter auf Ablehnung

Donnerstag, 7. Februar 2019

/terovesalainen, stockadobecom

Berlin/Münster – Der vom Bundesministerium für Gesundheit (BMG) vorgelegte Referentenentwurf für eine Reform der Psy­cho­thera­peuten­aus­bildung stößt bei Ärztevertretern weiterhin auf wenig Zustimmung. Die Ärztegewerkschaft Marburger Bund (MB) sowie die Ärztekammer Westfalen-Lippe (ÄKWL) warnten heute vor einer Zersplitterung somatischer und psychischer Behandlungskompetenz sowie einer steigenden Schnittstellenproblematik.

Die reformierte Psy­cho­thera­peuten­aus­bildung sieht vor, dass Absolventen nach Abschluss ihres Bachelor- und Masterstudiums eine staatliche Approbationsprüfung ablegen. Zudem soll modellhaft erprobt werden, die Ausbildung auf das Veranlassen psychopharmakologischer Maßnahmen zu erweitern. In einer Stellungnahme lehnte der MB diese Pläne kategorisch ab. Zum einen stelle die Psychotherapie eine zentrale ärztliche Behandlungsoption darstelle, die zu den genuinen ärztlichen Aufgaben zähle.

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Zum anderen sei der geplante Modellstudiengang schon allein aus Gründen der Patientensicherheit nicht vertretbar. „Jede Pharmakotherapie ist eine hochkomplexe Form der Heilbehandlung, die besondere und umfassende Kenntnisse der medizinischen Grundlagen und der Anwendungspraxis erfordert und stets in die Hand von Ärzten gehört“, betonte der MB in seiner Stellungnahme.

ÄKWL-Präsident Theodor Windhorst kritisierte den Gesetzesentwurf ebenfalls: „Diese Pläne fördern die Beschränkung auf einen eng umrissenen Bereich, wo vielmehr ein verstärkter Austausch sowie die Bündelung der jeweiligen Kompetenzen gefragt sind“, so der Kammerchef. Im Dialog von Psychotherapeuten und Somatikern sei es leichter, psychosomatische Probleme angemessen im Sinne des Patienten anzugehen. „Die dafür wichtigen Querverbindungen und Vernetzungen werden den Psychotherapeuten neuen Stils jedoch fehlen“, mahnte Windhorst.

Kritik an der Psy­cho­thera­peuten­aus­bildung hatten bereits die Bundes­ärzte­kammer, der Spitzenverband ZNS, der sich aus psychiatrischen und neurologischen Berufsverbänden zusammensetzt, und die Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN) geübt.

„Der Entwurf verfehlt völlig das Ziel einer verbesserten Ausbildung in diesem wichtigen Versorgungsbereich“, hieß es beispielsweise aus der BÄK. Er führe zu einer Gefährdung der Patienten. Menschen mit psychischen und psychosomatischen Erkrankungen dürften nicht aus dem medizinischen Versorgungssystem ausgegliedert werden. Die vorgeschlagene Ausbildungsreform der Psychologischen Psycho­therapeuten und Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten würde unweigerlich zu getrennten Versorgungsbereichen führen, kritisierte die BÄK.

Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) und die Psychotherapeutenverbände stellten sich hinter die Pläne des Ministeriums. Den Modellstudiengang zur Pharmakotherapie lehnen aber auch die Psychotherapeuten ab.

Kritik am TSVG

ÄKWL-Präsident Theodor Windhorst bemängelte heute auch, dass der Gedanke einer ganzheitlichen Patientenversorgung insgesamt beim Terminservice- und Versorgungs­gesetz (TSVG) auf der Strecke bleibt. Zudem werde das TSVG in einem Gesund­heitssystem, das unter chronischem Ressourcenmangel leidet, nichts ausrichten.

„Es verwundert nicht, dass kein Blatt Papier zwischen Politik und Krankenkassen passte, als es darum ging, von Ärzten noch mehr und noch flexiblere Sprechstunden zu fordern“, monierte Windhorst. Dass viele Kollegen schon längst am Limit arbeiten, sei dabei geflissentlich ignoriert worden, kritisierte der Kammerchef die „staatlich verordneten Überstunden“. © hil/sb/aerzteblatt.de

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