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Vermischtes

Sozialverband kritisiert wachsendes Armutsrisiko in der Pflege

Freitag, 8. Februar 2019

/dpa

Stuttgart – Pflegebedürftigkeit stellt aus Sicht des Sozialverbands VdK immer häufiger ein Armutsrisiko dar. Durch zu hohe Heimkosten würden immer mehr Pflegebedürftige zum Sozialfall, kritisierte VdK-Landeschef Roland Sing gestern in Stuttgart.

Es sei entwürdigend, nach einem arbeitsreichen Leben zum Taschengeldempfänger erniedrigt zu werden, teilte der Verband mit. Um die Pflegeheimkosten zu senken, müsse das Land die Investitionskosten der Pflegeheime tragen. Die Investitionskosten sind etwa vergleichbar mit der Kaltmiete. Diese Kosten dürften nicht auf die Betroffenen abgewälzt werden, forderte Sing.

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Die gesetzliche Pflegeversicherung beteiligt sich an den Pflegekosten nur mit einem gewissen Festbetrag. Den Rest müssen die Heimbewohner selbst tragen. Pflegebedürftige, die ihren Eigenanteil nicht alleine tragen können, müssen Sozialhilfe beantragen.

Laut VdK sind von den mehr als 96.000 Pflegebedürftigen in Heimen in Baden-Württemberg fast 28.000 auf Hilfe angewiesen. Dabei sei die Pflegeversicherung 1995 eingeführt worden, damit niemand im Alter aufgrund der Pflegebedürftigkeit mehr zum Sozialfall werde. 2010 ist das Land aus der Förderung der Investitionskosten stationärer Heime ausgestiegen – dies müsse nun korrigiert werden, forderte Sing.

Im Schnitt bezahlten Heimbewohner in Baden-Württemberg einen Eigenanteil von rund 2.098 Euro – davon monatlich 440 Euro für Investitionskosten. Der Bundes­durchschnitt des Pflege-Eigenanteils liegt bei rund 1.830 Euro. Auch der Paritätische Wohlfahrtsverband Baden-Württemberg unterstützte die Forderung des VdK. Das Land stehe im Rahmen der Daseinsvorsorge in zentraler Verantwortung, eine Infrastruktur an leistungsfähigen, ausreichenden Pflege-Angeboten zu sichern.

Baden-Württembergs Sozialminister Manne Lucha (Grüne) lehnte die Forderung ab und sprach sich für ein vielfältiges Versorgungsangebot aus. In den vergangenen Jahren seien die stationären Pflegeeinrichtungen und damit die verfügbaren Plätze gestiegen, während bei den ambulanten Diensten und Kurzzeitpflegeplätzen Stillstand verzeichnet wurde. „Wir haben damit offenbar einen Nachholbedarf bei wohnortnahen, unterstützenden Wohnformen und bei der Kurzzeit,- Tages- und Nachtpflege“, sagte er.

Die SPD im Landtag forderte die volle Übernahme der Pflegekosten in Heimen durch die Pflegeversicherung. Baden-Württemberg müsse wieder mehr in die finanzielle Förderung der Pflegeinfrastruktur einsteigen, sagte die sozialpolitische Sprecherin der Fraktion, Sabine Wölfle. Ein besonderer Bedarf liege bei der Kurzzeit- und der Tagespflege. „Wir plädieren in diesem Zusammenhang für eine dauerhafte Förderung in der Pflege. Die Politik von Sozialminister Manfred Lucha mit Modellprojekten hier und Restmittelvergabe dort muss ein Ende haben.“ © dpa/aerzteblatt.de

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