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Vermischtes

Verbände wollen systematische Hilfe für Kinder suchtkranker Eltern

Freitag, 8. Februar 2019

/pavel_shishkin, stockadobecom

Stuttgart – Kinder suchtkranker Eltern werden Experten zufolge mit ihrem Problem zu häufig alleingelassen. Man müsse die Hilfsangebote systematisieren und das Umfeld stärker sensibilisieren, forderte Elke Wallenwein von der Landesstelle für Suchtfragen der Liga der freien Wohlfahrtspflege heute in Stuttgart. Hilfsangebote erreichten die Betroffenen oft nicht. Selbst da, wo die Eltern sich in Behandlung begeben, würden die Kinder nicht immer automatisch unterstützt.

Bundesweit leben nach Schätzungen von Experten mehr als 2,6 Millionen Kinder unter 18 Jahren mit alkoholkranken Eltern zusammen. Vom 10. bis 16. Februar läuft eine bundesweite Aktionswoche für Kinder aus Suchtfamilien. Allein in Baden-Württemberg seien schätzungsweise 150.000 Kinder unter 15 Jahren betroffen, das sei jedes siebte Kind, sagte Wallenwein.

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Bei den Suchtberatungsstellen im Land seien rund 7.000 bis 8.000 Kinder aktenkundig. „Das ist nur die Spitze des Eisbergs“, so Wallenstein. 15,4 Prozent der Kinder und Jugendlichen seien zumindest zeitweise von einer Alkoholstörung der Eltern betroffen. Ein Drittel der Kinder mit Sucht in der Familie entwickele später selbst eine Abhängigkeit, ein Drittel psychische oder soziale Störungen.

Jugendhilfe und Suchthilfe müssten enger zusammenrücken, forderte die Referentin für Suchtprävention der Landesstelle, Christa Niemeier. Die Suchtberatungsstelle müsse automatisch immer mit einbezogen werden. Nicht nur Familienmitglieder, Freunde oder Nachbarn schauten weg, sondern auch professionelle Helfer übersähen Suchtprobleme häufig, wie die Liga mitteilte.

Sucht sei nach wie vor ein Tabuthema, sagte Wallenwein. Selbst Erzieher und Lehrer hätten oft Scheu, Probleme zu sehen und anzugehen, selbst wenn die Belastung der Kinder sehr deutlich sei. Wissen und Sicherheit im Umgang mit dem Problem fehle.

Sabine Sturm, Psychologin der Sucht-Fachklinik Haus Kraichtalblick, machte deutlich, dass betroffene Kinder teils erheblichen Belastungen ausgesetzt sind. Die Kinder übernähmen oft viel zu früh Verantwortung und scheiterten damit. Die Suchtkrankheit der Eltern sei mit Stigmatisierung und Isolation verbunden.

Die Wohlfahrtsverbände kritisierten auch, dass bisher erst ein Anspruch auf Jugendhilfe existiere, wenn Kinder Auffälligkeiten zeigten. Kindern müsse aber bereits vorher geholfen werden – eben sobald es ein Suchtproblem in der Familie gebe. Die Gesellschaft habe eine Verantwortung, Hilfsangebote flächendeckend zur Verfügung zu stellen. © dpa/aerzteblatt.de

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