NewsÄrzteschaftRuf nach einer Strategie gegen den Klimawandel
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Ärzteschaft

Ruf nach einer Strategie gegen den Klimawandel

Montag, 11. Februar 2019

/Tom Wang, stockadobecom

Hannover – Niedersachsens Ärztekammerpräsidentin Martina Wenker hat ein umfassendes Konzept gefordert, um die negativen Auswirkungen von Klimawandel und Umweltverschmutzung auf die Gesundheit einzudämmen. So lasse sich die Luft­verschmutzung nicht allein mit Dieselfahrverboten in den Städten lösen, sagte die Lungenfachärztin.

„Das ist eine Stellschraube, an der man gerade herumdreht, aber kein Konzept“, meinte Wenker. Wenn alte Diesel verbannt würden, seien möglicherweise mehr Benziner unterwegs, die Feinstaub ausstoßen. „Feinstaubpartikel dringen tief in die Lunge ein und sind häufig zusätzlich mit krebserregenden Substanzen behaftet.“ Die Lungenfachärztin plädiert für mehr Elektromobilität aus erneuerbaren Energien.

Anzeige

„Wir müssen Strategien entwickeln, wie wir mit den Folgen des Klimawandels umgehen“, sagte Wenker. So sei es wichtig, eine aufsuchende Hilfe für alte, kranke Menschen in Zeiten extremer Hitze wie im Sommer 2018 zu organisieren. Auch bei Sturm oder Glatteis könnten Senioren ihre Wohnungen nicht verlassen. „Hausärzte sind nicht in der Lage, bei jedem Patienten jeden Tag einen Hausbesuch zu machen“, gab die Chefin der Ärztekammer Niedersachsen zu bedenken. Dies würde das Gesundheitssystem zum Kollabieren bringen.

Als Oberärztin in der Helios Lungenklinik Hildesheim sieht Wenker beinahe täglich Patienten, die unter den Folgen des Klimawandels leiden. „Es gibt gar keine Zeit mehr, in der Asthmatiker und Allergiker einmal durchatmen können“, sagte sie. „Wir haben ganzjährig eine allergene Belastung, weil es keine langen Frostperioden mehr im Winter gibt und zum Beispiel Hasel oder Birken auch im Dezember blühen.“

Hinzu kommen neue Allergene wie die Ambrosia. Die aus Nordamerika stammende Pflanze breitet sich in Deutschland immer weiter aus, bereits fünf bis zehn Pollen pro Quadratmeter können heftige allergische Reaktionen auslösen.

Auch Ralph von Kiedrowski, Vorstandsmitglied des Berufsverbandes der Deutschen Dermatologen (BVDD), sieht dringenden Handlungsbedarf. „Die Zahl der Hautkrebsfälle steigt kontinuierlich“, sagte der Hautarzt. Hintergrund sei auch, dass die Menschen ihre Freizeit draußen verbringen und immer älter werden. UV-Licht sei krebsauslösend. Daher müsse die Prävention schon im Kindergarten anfangen.

„Gerade der letzte Sommer sollte dafür sorgen, dass wir alle umdenken“, betonte auch Lungenfachärztin Wenker. Die Politik, die Industrie und jeder Einzelne seien gefragt. © dpa/aerzteblatt.de

Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

11. Mai 2020
Berlin − Die Unionsfraktion bremst die Klimaschutzambitionen von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) aus. Merkel hatte sich kürzlich in ihrer Rede beim Petersberger Klimadialog hinter die
Unionsfraktion bremst Merkels Klimaschutzambitionen aus
6. Mai 2020
Wageningen − Wenn der Ausstoß der Treibhausgase nicht gemindert wird, könnten in 50 Jahren 3,5 Milliarden Menschen unter großer Hitze leiden. Sie würden in Gebieten leben, in der die jährliche
Ein Drittel der Weltbevölkerung könnte 2070 unter großer Hitze leiden
4. Mai 2020
Berlin – Beim ersten Onlineparteitag der Grünen haben die Vorsitzenden Annalena Baerbock und Robert Habeck am vergangenen Samstag in der Coronakrise den Schwerpunkt auf soziale Fragen, Klimaschutz und
Grüne wollen mehr soziale und medizinische Hilfen
28. April 2020
Berlin – Bundeskanzlerin Angela Merkel befürwortet eine deutliche Anhebung des EU-Klimaschutzziels für das Jahr 2030. Sie begrüße Vorschläge der EU-Kommission, eine Treibhausgasminderung von 50 bis 55
Merkel für deutliche Anhebung des EU-Klimaschutzziels 2030
27. April 2020
Berlin − Bundeskanzlerin Angela Merkel ist Befürchtungen entgegengetreten, dass in der Coronakrise der Klimawandel von der Agenda der EU verdrängt werden könnte. Die EU-Ratspräsidentschaft
Klima und Gesundheit auf Agenda der EU-Präsidentschaft
2. April 2020
London – Die für November im schottischen Glasgow geplante UN-Klimakonferenz ist wegen der Coronavirus-Pandemie für unbestimmte Zeit verschoben worden. Ein neuer Termin für 2021 solle später genannt
UN-Klimakonferenz wegen Corona-Pandemie verschoben
16. März 2020
Berlin – Inmitten der Coronakrise hat Bundesumweltministerin Svenja Schulze gute Neuigkeiten: Deutschland ist im Klimaschutz im vergangenen Jahr besser vorangekommen als erwartet. Der
LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER