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Ausland

UN-Flüchtlings­koordinator will mehr Hilfe für Venezuela

Montag, 11. Februar 2019

Kolumbianische Feuerwehrleute organisieren die Hilfsgüter, die nach Venezuela geschickt werden sollen, in einem Lagerhaus neben der Grenzbrücke Tienditas. /dpa

Cúcuta/Caracas – Der UN-Flüchtlingskoordinator für Venezuela, José Samaniego, hat zu verstärkten Hilfsanstrengungen für die Nachbarstaaten des südamerikanischen Landes aufgerufen. Inzwischen gebe es etwa 1,6 Millionen Venezolaner, die als Pendler in angrenzenden Staaten medizinische Versorgung, Lebensmittel oder auch Einkommens­möglichkeiten suchten, sagte Samaniego. Die Zahl dieser Menschen, die Venezuela nicht permanent verlassen wollten, sei zuletzt gestiegen. Samaniego ist regionaler Koordinator des UN-Flüchtlingshilfswerkes UNHCR.

Obwohl Venezuela über die größten bekannten Erdölreserven weltweit verfügt, fehlen dem sozialistisch regierten Land massenweise Lebensmittel und Medikamente. Hyperinflation macht Bargeld faktisch wertlos. Etwa drei Millionen Menschen sind bereits ins Ausland geflüchtet. Staatschef Nicolás Maduro und der selbst ernannte Interimspräsident Juan Guaidó liefern sich einen Machtkampf.

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Samaniego forderte, humanitäre Hilfe nicht zu politisieren, vermied aber jede Parteinahme in dem Konflikt. „Ich denke, wenn Menschen leiden, ist es nie akzeptabel, humanitäre Hilfe zu blockieren. Wir müssen aber auch bedenken, dass humanitäre Hilfe immer nach humanitären Prinzipien erfolgen muss – Menschlichkeit, Unparteilichkeit und Unabhängigkeit“, sagte er.

Wichtig sei es, die Aufnahmeländer zu stärken, um soziale Spannungen zwischen Bürgern der Nachbarländer und geflüchteten Venezolanern zu verhindern. „Die Länder der Region habe in der Krise große Solidarität gezeigt“, sagte er. Im Januar hätten täglich etwa 5.000 Menschen Venezuela verlassen, diese Zahl sei praktisch unverändert.

Hilfslieferungen kommen nicht an

Am Wochenende war die erste Hilfslieferung für Venezuelas notleidende Bevölkerung ins Stocken geraten. Zehn Lastwagen mit rund 100 Tonnen Lebensmitteln, Medika­menten und Hygieneartikeln stehen seitdem in der kolumbianischen Grenzstadt Cúcuta vor der Tienditas-Brücke – doch die venezolanischen Soldaten lassen sie nicht durch. „Venezuela wird diese Show der falschen humanitären Hilfe nicht zulassen, denn wir sind keine Bettler“, sagte Staatschef Maduro. „Das ist keine Hilfe, das ist eine Demütigung des Volkes. Von außen sieht das Paket sehr schön aus, aber im Inneren ist Gift.“

Venezuelas selbst ernannter Interimspräsident Guaidó will die über die US-Entwicklungsbehörde USAID zur Verfügung gestellten Hilfsgüter nach Venezuela schaffen lassen. Weitere Lieferungen sollen im benachbarten Brasilien sowie auf einer Karibikinsel zum Transport in das südamerikanische Krisenland bereitgestellt werden. „Ich rufe die Soldaten der Streitkräfte dazu auf, kein Verbrechen gegen die Menschlichkeit zu begehen und die humanitäre Hilfe durchzulassen“, sagte Guaidó.

Mitarbeiter des Katastrophenschutzes packten in einer Lagerhalle in Sichtweite der Grenzbrücke die Hilfsgüter in weiße Säcke. „Soldaten von Venezuela, ihr müsst eine Entscheidung treffen“, sagte der US-Botschafter in Kolumbien, Kevin Whitaker. „Ihr könnt Teil einer bewundernswerten, humanitären Kampagne sein.“

Maduro macht für die wirtschaftlichen Probleme des Landes die US-Sanktionen gegen seine Regierung verantwortlich. „Gebt das blockierte Geld frei. Es ist ein makabres Spiel: Wir schnüren ihnen die Kehle zu und zwingen sie, um Krümel zu betteln“, sagte er am Freitag.

Angesichts der Not der Bevölkerung und des internationalen Drucks stehen die Soldaten nun vor einem Dilemma. Stoppen sie die Hilfslieferungen, verspielen sie ihren Rückhalt unter den Venezolanern. Lassen sie die Güter aber passieren, verweigern sie damit einen direkten Befehl von Präsident Maduro. © dpa/aerzteblatt.de

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