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Rezept­sammelstellen ersetzen Apotheken

Montag, 11. Februar 2019

/dpa

Erfurt/Pößneck – In zahlreichen kleinen Gemeinden Thüringens ersetzen Sammelbriefkästen für Rezepte die vor Ort fehlende Apotheke. Nach Angaben der Landesapothekerkammer sind derzeit landesweit 79 solcher Sammelstellen in Betrieb.

In abgelegenen Regionen würden so Versorgungslücken für auf Medikamente angewiesene Menschen geschlossen, sagte der Geschäftsführer der Landes­apothekerkammer, Danny Neidel. Nach Angaben der Kammer haben in den vergangenen zehn Jahren zehn Thüringer Kommunen die einzige Apotheke am Ort verloren. „Natürlich wäre eine Apotheke vor Ort besser, aber wenn das nicht möglich ist, ist eine Rezeptsammelstelle besser als gar keine Versorgung“, so Neidel.

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Die Sammelbriefkästen werden von Apotheken größerer Orte betreut. Deren Angestellte leeren die Briefkästen täglich, prüfen die Rezepte und liefern die Arzneimittel in der Regel noch am selben Tag direkt bei den Patienten ab. Aus Apothekersicht funktioniert das Prinzip Rezeptsammelstelle besser als die von der Branche seit Jahren kritisch beäugten Onlineapotheken. „Das heißt, die Sammelstellen sind schneller als Internetportale“, so Neidel.

Zudem kämen empfindliche Medikamente auch sicherer an, meint Stefan Fink, der Vorsitzende des Thüringer Apothekerverbandes. „Insulin für Diabetiker zum Beispiel muss im Sommer beim Transport gekühlt werden. Doch im Versandhandel ist das nicht sichergestellt.“ Es gebe keine entsprechenden Auflagen für die Versandhändler.

Der Verband rechnet damit, dass die Zahl der Rezeptsammelstellen in Thüringen in Zukunft steigen könnte. „Wenn in weiteren Orten die einzige Apotheke schließt, wird das wohl passieren“, sagte Fink. Bereits jetzt sei der jahrelange Boom bei der Gründung von Apothekenzweigstellen in Thüringen abgeflaut. Dies sei vor allem im ländlichen Raum eine Frage der Wirtschaftlichkeit. „Eine Apotheke braucht ein Einzugsgebiet mit rund 4.000 Einwohnern.“ Zudem würden für die Filialleitung approbierte Apotheker und zusätzliches pharmazeutisches Personal benötigt.

„Hier aber steuern wir auf ein Riesenproblem zu“, warnt Fink. Vor allem in ostdeutschen Apotheken arbeiteten noch viele Pharmazieingenieure – ein Berufsbild, das es in der DDR gab und mit der Wiedervereinigung abgeschafft wurde. Pharmazieingenieure übernehmen ebenso wie Apotheker unter anderem die Anfertigung von Rezepturen, handgefertigte Spezialmedikamente für Säuglinge, Cremes, Salben, Pulver oder Tropfen. Viele von ihnen stünden jetzt kurz vor dem Rentenalter, so Fink. „Um sie zu ersetzen, brauchen wir mehr Apotheker.“ © dpa/aerzteblatt.de

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