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Medizin

Typ-2-Diabetes: Schmerzlose Pille injiziert Basalinsulin in die Magenschleimhaut

Montag, 11. Februar 2019

/dpa

Cambridge/Massachusetts – US-Forscher haben eine Pille entwickelt, die während der Magenpassage Insulin in die Schleimhaut injiziert, bevor sie unversehrt über den Darm ausgeschieden wird. Erste Experimente in Science (2019; 363: 611-615) an Schweinen verliefen erfolgreich.

Schon bald nach der Entdeckung von Insulin kam der Wunsch auf, das Hormon ohne die schmerzhaften subkutanen Injektionen zu applizieren. Alle Versuche mit oralem Insulin verliefen jedoch erfolglos, und die inhalative Applikation scheiterte an der fehlenden Akzeptanz durch die Patienten. Jetzt haben Forscher des Massachusetts Institute of Technology in Cambridge (MIT) einen neuen Applikator entwickelt, der eine schmerzlose Injektion ermöglichen soll.

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Die „Soma“ (für „self-orienting millimeter-scale applicator“) hat die Form eines Ellipsoids. Ihre Basis besteht aus rostfreiem Stahl. Der tiefe Schwerpunkt führt dazu, dass die „Soma“ im Magen von selbst mit der Basis auf der Schleimhaut zu liegen kommt. Die Forscher vergleichen dies mit der Überlebensstrategie einer tropischen Schildkröte, die dank eines spitz zulaufenden Panzers immer wieder von selbst auf die Beine rollt.

Wenn die Tablette ihre „Landeposition“ erreicht hat, wird das Insulin in die Schleim­haut injiziert. Die Injektion erfolgt über eine Nadel, die sich im Inneren der Pille befindet und über ein Loch in der Basis ausgestoßen wird. Der „Motor“ ist eine kleine gespannte Feder, die in Zucker eingebunden ist (gewissermaßen in einem Karameltropfen).

Wenn der Zucker sich durch Einwirkung des Magensafts aufgelöst hat, löst sich die Feder und die Nadel wird in Richtung der Schleimhaut gestoßen. Die Nadel besteht zu 80 Prozent aus gepresstem Insulin und zu 20 Prozent aus Polyethylenoxid, das biologisch abbaubar ist. Nach dem „Abschuss“ der Nadel löst sich die Tablette von der Magenwand und wird über den Darm ausgeschieden.

Da die Magenschleimhaut keine Schmerzrezeptoren hat, sollte dies für den Patienten schmerzlos sein, schreibt das Team um Giovanni Traverso vom MIT in Cambridge/Mas­sa­chusetts.

Das Insulindepot in der Schleimhaut wird langsam resorbiert. Die Forscher haben „Soma“ an Ratten und Schweinen getestet und dabei verlässliche Insulin­konzentrationen und Blutzuckerabfälle erreicht.

Der Sponsor NovoNordisk hat offenbar Interesse an einer klinischen Entwicklung, die sich allerdings über Jahre hinziehen dürfte. Die Pille könnte natürlich auch für die Injektion anderer Peptide oder der zahlreichen Antikörper eingesetzt werden, die zunehmend zur Behandlung unterschiedlichster Erkrankungen eingesetzt werden. © rme/aerzteblatt.de

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