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Ärzteschaft

KV Niedersachsen spricht sich für vollständige Abschaffung von Arznei- und Heilmittelregressen aus

Montag, 11. Februar 2019

/joyfotoliakid, stockadobecom

Hannover – Die Kassenärztliche Vereinigung Niedersachsen (KVN) hat sich erneut für eine vollständige Abschaffung von Regressen für niedergelassene Ärzte ausge­sprochen. Die Regressdrohungen schreckten viele Nachwuchsmediziner von der Niederlassung ab, betonte die KVN.

Zwar ist die von Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn (CDU) angekündigte Lockerung der Kontrollen in Bezug auf die Wirtschaftlichkeit ärztlicher Verordnungen im Termin­service- und Versorgungsgesetz (TSVG) laut KV zu loben – dies genüge allerdings noch nicht, weil die Regresse grundsätzlich weiter bestehen bleiben sollen.

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„Wir fordern nach wie vor die generelle Abschaffung von Arznei- und Heilmittel­regressen. Regresse sorgen weiterhin für Frust in der Praxis und sind ein wesentlicher Hinderungs­grund für die Niederlassung von und Ärzten“, sagte KVN-Chef Mark Barjenbruch heute in Hannover.

Umfrage weist auf Problem hin

Er verwies auf eine jüngste Umfrage im Auftrag der Kassenärztlichen Bundes­vereinigung (KBV) unter rund 13.000 Medizinstudierenden. Die befragten Studierenden gaben an, dass vor allem die Bürokratie in der Praxis (62,3 Prozent) sowie das hohe finanzielle Risiko (57,4 Prozent) sie von einer Niederlassung abhalten würden. Die Angst vor Regressforderungen ist danach ebenfalls ein wichtiger Faktor (46,7 Prozent), der gegen die Niederlassung spricht.

Bei der Umfrage handelt es sich um die dritte Befragungswelle des „Berufsmonitorings Medizinstudierende“. Diese führt die Universität Trier seit 2010 alle vier Jahre im Auftrag der Kassenärztlichen Bundesvereinigung und in Kooperation mit dem Medizinischen Fakultätentag und der Bundesvertretung der Medizinstudierenden in Deutschland (bvmd) durch.

2018 gaben 53,5 Prozent der Studierenden an, gern in eigener Praxis tätig zu werden. Vor vier Jahren konnten sich das noch gut 60 Prozent vorstellen. Eine Anstellung im ambulanten Sektor ist dagegen jetzt für 70,7 Prozent der Befragten eine Option (2014 nur für 65,4 Prozent).

„Unser ambulantes System funktioniert nicht ohne die selbst­ständigen Ärzte in eigener Praxis – schon gar nicht, solange die Politik den Versicherten ein unbegrenztes Leistungsversprechen macht“, sagte der KBV-Vorstandsvorsitzende Andreas Gassen bei der Vorstellung der Ergebnisse. Deshalb sei sie gut beraten, den Nachwuchs nicht abzuschrecken.

TK droht mit Regressen

Der Landesverband Niedersachsen des Deutschen Hausärzteverbands wies heute unterdessen darauf hin, dass die Techniker Krankenkasse 1.300 Hausärzten im Land mit Regressen in Höhe von insgesamt mehr als 180.000 Euro drohe. Laut Hausärzteverband begründet die TK ihren Vorstoß damit, dass Untersuchungen ergeben hätten, dass viele Dokumentationen zu Disease-Management-Programmen im Prüfungszeitraum 1/2015 bis 1/2016 unvollständig gewesen seien oder dass Teilnahmevoraussetzungen von chronisch kranken Patienten nicht vorgelegen hätten.

„Es ist im digitalen Zeitalter schleierhaft, dass knapp vier Jahre nach Leistungs­erbringung und Bezahlung durch die Krankenkassen auf einmal etwas nicht in Ordnung sein soll“, sagte Matthias Berndt vom Hausärzteverband. Er nannte Honorarkorrekturen noch Jahre nach der Abrechnung „ein Unding“. Man forder Rechtssicherheit durch eine drei Monate nach Leistungserbringung abschließende Honorarabrechnung. „Dies entlastet sowohl die Praxen als auch die Krankenkassen-Verwaltung von unnötiger Bürokratie“, sagt Berndt. © hil/may/aerzteblatt.de

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Avatar #88255
doc.nemo
am Dienstag, 12. Februar 2019, 13:23

Regress für Politiker?

Schön wär's, geht aber nicht. Gesetze werden formal von den Parlamenten beschlossen, und deren Mitglieder, die Abgeordneten, genießen verfassungsrechtliche Indemnität. Sie können also für die Folgen ihres Abstimmungsverhaltens juristisch niemals zur Rechenschaft gezogen werden. Zudem sind Abgeordnete nur ihrem Gewissen verantwortlich, also niemandem. Am allerwenigsten ihren Wählern.
Avatar #94527
Rie-Rie
am Dienstag, 12. Februar 2019, 10:14

Regress für Politiker und Kassenfuntionäre

Wenn es Regressforderungen an Ärzte gibt, weil sie tatsächlich oder fraglich lax mit Versichertengeldern umgehen, warum gibt es dann keine Regresse für Politiker, die mit den Steuergeldern ebenfalls das Geld, das die Bürger eingezahlt haben, ganz selbstverständlich und ohne Risiko da und dort großzügig einsetzen? Ich kann auch nicht verstehen, weshalb der Arzt seinem Patienten aus ökonomischen Erwägungen bestimmte Behandlungswege vorenthalten muss, weil die Kasse dies nicht bezahlt. Es ist Aufgabe der Kasse dem Patienten mitzuteilen, was er bekommt! Die Probleme im Sozialversicherungssystem werden in den kommenden Jahren wachsen, da die geburtenstarken Jahrgänge in das Alter kommen, in dem sie zunehmend Leistungen brauchen. Wenn sich unsere Standespolitker nicht wehren, dann wird die Ärzteschaft weiterhin Verantwortung dafür tragen, dass die Krankenkassen nicht verarmen. Meiner Ansicht nach ist das ein einmaliges und krankes System, in dem nicht der die Leistung verweigert, der sie nicht zahlen will, sondern der, der am wenigsten davon hat. Fordern wir im Gegenzug zum Arzt-Regress den Politiker-Regress, schließlich sichert sich der Politiker mit mancher Ausgabe die notwendigen Wählerstimmen oder setzt sich ein tolles Denkmal auf Kosten aller Bürger.
LNS

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