NewsMedizinFamiliärer Brustkrebs: Mammografie entdeckt Krebserkrankungen vor dem 40. Lebensjahr
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Familiärer Brustkrebs: Mammografie entdeckt Krebserkrankungen vor dem 40. Lebensjahr

Montag, 11. Februar 2019

/dpa

Manchester – Frauen mit einem erhöhten familiären Risiko können bereits vor dem 40. Lebensjahr an Brustkrebs erkranken. Eine Kohortenstudie kommt in EClinicalMedicine (2019; doi: 10.1016/j.eclinm.2019.01.005) zu dem Ergebnis, dass ein Mammografie­screening bereits im Alter von 35 bis 39 Jahren sinnvoll sein kann.

Bei 5 bis 15 % aller Brustkrebse erkranken mehrere Frauen in der Familie. Diese Tumore sind meist genetisch bedingt. Das Lebenszeitrisiko der betroffenen Frauen kann erheblich sein und einige erkranken bereits im frühen Erwachsenenalter. Die FH01-Studie hat vor einigen Jahren gezeigt, das ein jährliches Mammografie­screening im Alter von 40 bis 49 Jahren viele Tumore in einem frühen Stadium erkennt. Von 6.710 Frauen erkrankten im Verlauf von 4 Jahren 136 an Brustkrebs, davon wurden 105 im Screening erkannt. Die prognostizierte 10-Jahres-Gesamtsterblichkeit war mit 1,10 % niedriger als in einer anderen Kohorte ohne Screening (1,38 %). Das relative Risiko von 0,80 war mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 0,66 bis 0,96 statistisch signifikant. Die in Lancet Oncology (2010; 11: 1127-34) publizierten Ergebnisse haben dazu beigetragen, dass der National Health Service (NHS) heute das frühere Screening für Frauen mit einem erhöhten Risiko anbietet.

Jetzt liegen die Ergebnisse der Anschlussstudie FH02 vor, die von der Stiftung „Breast Cancer Now“ gesponsert wurde. Dieses Mal war das Screening 2.899 Frauen bereits im Alter von 35 bis 39 Jahren angeboten worden. Einschlusskriterium war eine positive Familienanamnese mit einem 10-Jahres-Risiko von 1,5 % auf eine Brustkrebs­erkrankung vor dem 40. Lebensjahr (nach Tyrer-Cuzick).

Wie Gareth Evans von der Universität Manchester und Mitarbeiter mitteilen, wurden (bei den Frauen, die an allen Untersuchungen teilnahmen) 50 Brustkrebserkrankungen (bei 49 Frauen) diagnostiziert. Darunter waren 35 invasive Mammakarzinome. Von diesen 35 invasiven Mammakarzinomen hatten 80 % (28/35) bei der Diagnose eine Größe von 2 cm oder weniger. Nur in 20 % (7/35) der Mammakarzinome war bereits ein Lymphknoten befallen.

Evans vergleicht die Ergebnisse mit der POSH-Studie, die eine Kohorte von 2.733 Frauen unter 40 Jahren mit ähnlichem Risiko begleitet hatte. Dort waren nur 45 % (131/293) der Brustkrebserkrankungen festgestellt worden, als der Tumor 2 cm oder kleiner war. Außerdem hatten 54 % (158/290) der Tumore bereits auf die Lymphknoten gestreut (Lancet Oncology 2018; 19: 169-180).

Eine Senkung der Sterblichkeit konnte die FH02-Studie nicht nachweisen. Evans schätzt die 10-Jahres-Gesamtüberlebensrate auf 79 % gegenüber 71 % in der POSH-Studie. Das relative Risiko von 0,72 verfehlte mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 0,49 bis 1,07 das Signifikanzniveau.

Ob der NHS dem früheren Screeningbeginn zustimmen wird, bleibt abzuwarten. Der nächste Schritt dürfte eine Kosten-Nutzen-Analyse sein. Evans schätzt, dass 3 bis 4 % der weiblichen Bevölkerung in der Altersgruppe von 35 bis 39 Jahren für ein jährliches Screening infrage kämen. Das wären in Großbritannien zwischen 64.000 und 86.000 Frauen. Bedacht werden muss ferner, dass die wiederholten Mammografien die Frauen mit einem gewissen Strahlenrisiko belasten. Eine Metaanalyse kam in European Radiology (2010; 20: 2547-255) zu dem Ergebnis, dass 5 oder mehr Expositionen das Risiko auf ein strahlungsinduziertes Mammakarzinom um 80 % steigern (Odds Ratio 1,8: 1,1-3,0). © rme/aerzteblatt.de

Liebe Leserinnen und Leser,

diesen Artikel können Sie mit dem kostenfreien „Mein-DÄ-Zugang“ lesen.

Sind Sie schon registriert, geben Sie einfach Ihre Zugangsdaten ein.

Oder registrieren Sie sich kostenfrei, um exklusiv diesen Beitrag aufzurufen.

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort


Mit der Registrierung in „Mein-DÄ“ profitieren Sie von folgenden Vorteilen:

Newsletter
Kostenfreie Newsletter mit täglichen Nachrichten aus Medizin und Politik oder aus bestimmten Fachgebieten
cme
Nehmen Sie an der zertifizierten Fortbildung teil
Merkfunktion
Erstellen Sie Merklisten mit Nachrichten, Artikeln und Videos
Kommentarfunktion und Foren
Kommentieren Sie Nachrichten, Artikel und Videos, nehmen Sie an Diskussionen in den Foren teil
Job-Mail
Erhalten Sie zu Ihrer Ärztestellen-Suche passende Jobs per E-Mail.

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

5. Juni 2020
Alexandria – Eine breite Testung auf Mutationen, die mit einem erhöhten Krebsrisiko assoziiert sind, kann zu ungerechtfertigten Operationen führen. So unterzogen sich einige Frauen des
Nach Gentest zu oft die Eierstöcke raus
5. Juni 2020
Alexandria – Die zielgerichtete Therapie mit Tucatinib zusätzlich zu Trastuzumab und Capecitabin verlängert deutlich das Überleben von Frauen mit einem metastasierten HER2-positiven Brustkrebs, die
Tucatinib verbessert Prognose des HER2-positiven Mammakarzinom auch bei Hirnmetastasen
5. Juni 2020
Alexandria – Auch mit längerer Beobachtungszeit belegt die MINDACT-Studie, dass es bei einigen Patienten mit Brustkrebs sicher möglich ist, nach dem MammaPrint-Testergebnis auf die Chemotherapie zu
Brustkrebs: Wann nach genetischem Testergebnis auf die Chemotherapie verzichtet werden kann
3. Juni 2020
Köln – Patientinnen nach der Menopause mit Hormonrezeptor-positivem, HER2-negativem, lokal fortgeschrittenem oder metastasiertem Brustkrebs können von einer initiale endokrinen Therapie mit Ribociclib
Brustkrebspatientinnen könnten von Ribociclib profitieren – aber deutliche Nebenwirkungen
30. Mai 2020
Alexandria – Die Entfernung des intakten Primärtumors nach der Chemotherapie verbessert die Prognose von Frauen mit einem neu diagnostizierten metastasierten Brustkrebs nicht. Das zeigen die
Metastasierter Brustkrebs: Soll der Primärtumor nach der Chemo raus?
30. Mai 2020
Alexandria – Eine Erstlinientherapie mit Pembrolizumab zusätzlich zur Chemotherapie senkt das Risiko für Progress oder Tod beim metastasierten tripelnegativen Mammakarzinom (TNBC) mit PD-L1-Expression
PD1-Hemmer kann Progressrisiko beim metastasierten tripelnegativen Mammakarzinom senken helfen
30. Mai 2020
Alexandria – Trastuzumab-Emtansin (T-DM1) statt Taxan plus Trastuzumab führt nicht zu einer höheren Wirksamkeit oder weniger Nebenwirkungen in der adjuvanten Therapie des frühen HER2-positiven
VG WortLNS LNS LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER