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Ärzteschaft

Tabakwerbeverbot muss E-Zigaretten einschließen

Dienstag, 12. Februar 2019

/Eberhard Hahne

Berlin – Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn (CDU) hat sich kürzlich für ein weitreichendes Werbeverbot für Zigaretten ausgesprochen. Der Bundes­ärzte­kammer (BÄK) geht das nicht weit genug. „Mit einem Verbot der Werbung an Hauswänden oder Bushaltestellen würde Deutschland endlich zum Rest der EU aufschließen, denn in allen anderen EU-Ländern sind solche Plakate schon längst nicht mehr erlaubt“, sagte BÄK-Präsident Frank Ulrich Montgomery heute.

In Anbetracht von 120.000 Tabaktoten jährlich reiche ein Ende der Plakatwerbung allein nicht aus. Es müssten weitere Schritte folgen. „Wir brauchen ein umfassendes Werbeverbot, das auch die E-Zigaretten mit einschließt“, mahnte Montgomery. Das forderten Bundes­ärzte­kammer und Deutsche Ärztetage schon seit Jahren.

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„Natürlich würde ein konsequentes ‚Nein‘ zur Tabakwerbung den Zigarettenherstellern nicht schmecken. Aber es wäre ein klares Signal der Politik, dass ihr die Gesundheit der Bevölkerung wichtiger ist als die Gewinne der Tabakkonzerne“, sagte der BÄK-Präsident.

In die seit Langem festgefahrene Debatte um ein Verbot der Tabakwerbung auf Plakatflächen in Deutschland war erst kürzlich Bewegung geraten. Die Fachpolitiker der Union sprachen sich dafür aus, dass die Tabakrahmen­konvention der Welt­gesund­heits­organi­sation (WHO), der Deutschland 2005 beigetreten ist, umgesetzt werden soll. Über die wesentlichen Punkte wollen die Fachpolitiker in der Unionsfraktion diskutieren.

In der vorigen Wahlperiode war ein Anlauf für ein Außenwerbeverbot an Widerspruch der Union gescheitert. Das Bundeskabinett stimmte 2016 zwar einem Entwurf zu, Tabakwerbung auf Plakatwänden und im Kino ab 2020 weitgehend zu verbieten. Das Gesetz wurde aber nie beschlossen.

Hoffnungen der Verbotsbefürworter richten sich auf die neu gewählte Unions­fraktionsführung. Die SPD dringt auf einen neuen Anlauf – und hat schon weitergehende Forderungen genannt, alle Formen von Werbung und auch alternative Produkte wie E-Zigaretten einzuschließen.

Damit zeichnen sich Diskussionen darüber ab, wie weit ein mögliches Werbeverbot greifen könnte. Der Kabinettsbeschluss von 2016 sah vor, Werbung an Fachgeschäften und Verkaufsstellen wie Tankstellen oder Kiosken weiter zu erlauben. Ebenso im Kino bei Filmen mit Freigabe ab 18 Jahren.

Die Grünen fordern in einem eigenen Entwurf ein völliges Verbot im Kino und auf Außenflächen mit Ausnahme von Fachgeschäften – auch für E-Zigaretten und nicht nur für Tabakwaren. Gesundheitsexperten dringen seit Langem auf schärfere Werberegeln. © may/dpa/EB/aerzteblatt.de

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Avatar #79783
Practicus
am Sonntag, 24. März 2019, 01:01

Wo soll die Grenze sein?

Bei 74.000 Alkoholtoten darf munter auf allen Kanälen, sogar rund um Sportveranstaltungen und Kindersendungen geworben werden, und selbstverständlich wird bei Talkshows munter getrunken, Fernsehkommisare arbeiten meist verkatert vom vorabendlichen Besäufnis...
Bei 120.000 Tabaktoten kommt in den Medien öffentliches Rauchen kaum noch vor, Talkshows sind rauchfrei, außer auf Plakatwänden mit Schockbildern ist Werbung schon tabu...
Wie handhabt das die Politik? Unter 100.000 Toten machen wir gar nichts, ab 100.000 ist alles verboten...
Avatar #731292
cis2000
am Freitag, 22. März 2019, 21:58

"In Anbetracht von 120.000 Tabaktoten jährlich reiche ein Ende der Plakatwerbung allein nicht aus."

Schöne Zahlen! 120.000 Tabaktote? Ist es wirklich schon soweit, dass dem Staat alles über uns bekannt ist? Woher kommen solche Zahlen?
LNS

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