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Medizin

Hüft-TEP: Welche Schmerzmittel den Opioidbedarf am besten senken

Mittwoch, 13. Februar 2019

/photophonie, stockadobecom

Næstved/Dänemark – Die Kombination aus Paracetamol und Ibuprofen hat in einer randomisierten Vergleichsstudie die postoperativen Schmerzen von Patienten nach einer Hüft-Totalendoprothese am stärksten gelindert. Eine Monotherapie mit Ibuprofen war allerdings nur unwesentlich schwächer wirksam, und da es nicht zu dem befürchteten Anstieg von Komplikationen kam, geben ihr die Autoren im US-amerikanischen Ärzteblatt (JAMA 2019; 321: 562-571) den Vorzug.

Die Schmerztherapie nach Gelenkersatz erfolgt multimodal. Am häufigsten werden die Patienten mit Paracetamol und/oder einem nichtsteroidalen Antiphlogistikum (NSAID) behandelt, um den Einsatz von Opioiden auf ein Mindestmaß zu beschränken. Anäs­thesisten sind beim Einsatz der NSAID zurückhaltend, weil sie Blutungsrisiken und negative Auswirkungen auf die Nierenfunktion befürchten. Zuletzt wurden die Mittel auch mit einem erhöhten Herzinfarktrisiko in Verbindung gebracht. 

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Die dänische PANSAID-Studie hat jetzt die Wirksamkeit und Sicherheit unter­schiedlicher Schmerzbehandlungen verglichen. An 6 Kliniken wurden 556 Patienten auf 4 Gruppen randomisiert. Die erste Gruppe wurde mit Paracetamol (1.000 mg) plus Ibuprofen (400 mg) behandelt, die zweite nur mit Paracetamol (1.000 mg plus Placebo), die dritte nur mit Ibuprofen (400 mg plus Placebo) und die vierte mit Paracetamol (500 mg) plus Ibuprofen (200 mg) in der halben Dosierung. Primärer Endpunkt war zum einen die Morphindosis, die die Patienten sich in den ersten 24 Stunden über eine patientenkontrollierte Analgesie (PCA) selbst applizierten. Der andere primäre Endpunkt war die Zahl der schweren Nebenwirkungen, die über 90 Tage bei den Patienten telefonisch erfragt wurden.

Wie Kasper Thybo vom Næstved Hospital und Mitarbeiter berichten, erzielte die Kombination aus Paracetamol (1.000 mg) plus Ibuprofen (400 mg) die beste analgetische Wirkung. Die Patienten benötigten in den 24 Stunden nach der Operation im Durchschnitt 20 mg Morphin. Unter der alleinigen Behandlung mit Paracetamol (1.000 mg) verabreichten sich die Patienten im Durchschnitt 36 mg Morphin. Der Unterschied von 16 mg war mit einem 99,6-%-Konfidenzintervall von 6,5 bis 24 mg signifikant. Demnach wäre Paracetamol plus Ibuprofen die beste Wahl.

Die Patienten, die nur mit Ibuprofen behandelt wurden, verabreichten sich 26 mg Morphin, unter der Kombination mit Paracetamol (500 mg) plus Ibuprofen (200 mg) in der halben Dosierung waren es 28 mg. Die Unterschiede zur hochdosierten Kombination von Paracetamol (1.000 mg) plus Ibuprofen (400 mg) waren nicht signifikant. 

Eine Monotherapie mit Ibuprofen könnte demnach eine vernünftige Option für die postoperative Schmerztherapie sein, finden Thybo und Mitarbeiter, zumal es keine Hinweise auf eine erhöhte Rate von schweren Nebenwirkungen gab. Von den Patienten, die ausschließlich mit Ibuprofen behandelt wurden, erlitten 15 % eine schwere Komplikation gegenüber 11 % der Patienten, die eine Monotherapie mit Paracetamol erhalten hatten. Das relative Risiko von 1,44 war mit einem 97,5-%-Konfidenzintervall von 0,79 bis 2,64 nicht signifikant. Eine Monotherapie mit Ibuprofen ist aus Sicht von Thybo deshalb vertretbar. © rme/aerzteblatt.de

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