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Medizin

Studie: Antibabypille fördert Fehleinschätzung von Gesichtern

Mittwoch, 13. Februar 2019

/dpa

Greifswald – Frauen, die die Antibabypille einnehmen, können offenbar die Gesichtsausdrücke anderer Menschen schlechter interpretieren. Dies zeigen die Ergebnisse einer experimentellen Studie in Frontiers in Neuroscience (2019; doi: 10.3389/fnins.2018.01041).

Orale Kontrazeptiva gehören zu den am besten untersuchten Arzneimitteln. Zahllose Studien haben die Nebenwirkungen auf Hormonhaushalt und Sexualfunktion, Herz- und Kreislaufsystem, Krebs- und Thromboserisiko und auch auf die Psyche untersucht. Bisher kaum bekannt sind die Auswirkungen auf kognitive Leistungen. Dazu gehört beispielsweise die Fähigkeit, die Emotionen anderer Menschen an ihrem Gesichts­ausdruck zu erkennen.

Ein Team um Alexander Lischke von der Universität Greifswald hat 42 Frauen, die die „Pille“ einnehmen, und 53 Nichtanwenderinnen den „Reading the Mind in the Eyes“-Test vorgelegt. Er besteht aus Fotos von 36 Gesichtern, denen die Probanden jeweils eine von 4 vorgegebenen Emotionen zuordnen sollten (etwa „verspielt", „tröstend“, „irritiert“ oder „gelangweilt"). 

Die Anwenderinnen der hormonellen Kontrazeptiva schätzten die Emotionen der abgebildeten Frauen schlechter ein als die Nichtanwenderinnen. Die Unterschiede waren nicht gravierend, die Fehlerrate war laut Lischke bei den Anwenderinnen hormoneller Kontrazeption um etwa 10 % höher. Die Unterschiede könnten jedoch gerade bei jüngeren Frauen wichtig sein, da sie die „Anbahnung und Aufrechterhaltung von zwischenmenschlichen Beziehungen erschweren könnten“, meint der Psychologe. Gynäkologen sollen sie deshalb auf diesen möglichen Nachteil hinweisen.

Worauf die Unterschiede beruhen, ist nicht bekannt. Dass die verabreichten Hormone der Auslöser sind, liege auf der Hand. Ein Einfluss der hormonellen Schwankungen während des Menstruationszyklus waren nicht erkennbar. © rme/aerzteblatt.de

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Avatar #106651
Gromer
am Freitag, 15. Februar 2019, 09:53

Publish or Perish

Ich fürchte, diese Studie fällt unter diese Kategorie.
Ich empfehle dazu beispielsweise:
"Schnelles Denken, langsames Denken" von D. Kahneman oder
"Der Hund, der Eier legt: Erkennen von Fehlinformation durch Querdenken" von Hans-Hermann Dubben und Hans-Peter Beck-Bornholdt
Avatar #682954
Markus 67
am Donnerstag, 14. Februar 2019, 11:20

Kaffeesatzlesen hilft auch...

Spannend, was man alles aus einer Statistik herauslesen kann. Es ist wohl unbestritten, dass es auch so deutliche Unterschiede zwischen Frauen gibt, was die Fähigkeit der Wahrnehmung von Emotionen angeht. Um hier etwas Sinnvolles zu testen, müsste man die individuellen Werte mit und ohne Pille vergleichen, um den Einfluss der Hormone auf die Fähigkeiten der Person zu ermessen. Die Größe der Vergleichsgruppen ist auch überschaubar. Ob der Einsatz der Pille sich über alle Frauen gleich verteilt, unabhängig von deren emotionalen Fähigkeiten, oder ob Personen mit vermehrtem emotionalem Können auch die Nebenwirkungen der Pille verstärkt spüren und diese dann eher nicht tolerieren, wäre auch eine spannende Frage.
Das Erstaunen in meinem Gesicht ob dieser Interpretation der Daten ist statistisch signifikant...
LNS

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