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Politik

Finanzinvestoren sind im Gesundheitswesen auf dem Vormarsch

Mittwoch, 13. Februar 2019

/Frog 974, stockadobecom

Essen/Gelsenkirchen – Der Gesundheitsmarkt ist offenbar für kapitalstarke private Finanzinvestoren zunehmend interessant. Das legt eine Studie des Instituts Arbeit und Technik (IAT/ Westfälische Hochschule) nahe. 

Das IAT zählt rund 130 Übernahmen von Unternehmen im Gesundheitssektor seit dem Jahr 2013, 60 Prozent davon allein in den letzten zwei Jahren. Das Geschäftsmodell der sogenannten Private-Equity-Gesellschaften basiere darauf, Krankenhäuser, Arztpraxen, Pflegeheime und -dienste zu kaufen, diese zu restrukturieren und wieder zu verkaufen. Der Gesundheitssektor sei bereits im Jahr 2017 zur wichtigsten Zielbranche dieser Finanzinvestoren geworden. „Die Dynamik hat insbesondere in den letzten Jahren zugenommen. Wichtig ist es daher, die weitere Entwicklung zu beobachten und potenzielle Auswirkungen zu analysieren“, sagte Sebastian Merkel aus dem IAT. 

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Einen Schwerpunkt bei den Übernahmen haben die Investoren bei Pflegeheimen und Pflegediensten. Hier entfallen laut dem IAT bereits relevante Marktanteile auf die Private-Equity-geführten Unternehmen. „Für die Beschäftigten sind der Wechsel des Eigentümers und die möglichen Folgen häufig nicht transparent. Gerade in der Altenpflege ist es problematisch, wenn Spielräume der Lohngestaltung und des Personalbesatzes genutzt werden und die ohnehin knappen Ressourcen als Renditen ins Ausland abfließen“, sagte die Arbeitsforscherin Michaela Evans aus dem IAT. 

Zweitens sei ein Trend zur Übernahme von Facharztsparten erkennbar – vor allem in der Zahnmedizin, Radiologie und Augenheilkunde. Bislang seien etwas mehr als 30 Medizinische Versorgungszentren (MVZ) durch Private-Equity-Gesellschaften übernommen worden. Allerdings entfielen 80 Prozent dieser Fälle auf den Zeitraum des Jahres 2017 und des ersten Halbjahres 2018. 

Überwiegend wurden die Übernahmen von kapitalkräftigen, fondsbasierten Private-Equity-Gesellschaften aus verschiedenen europäischen Ländern und aus den Vereinigten Staaten getätigt. Zwei Drittel der beteiligten Fonds hatten ihren rechtlichen Sitz in einem Offshore-Finanzzentrum, insbesondere auf den Cayman Islands und auf Guernsey. „An diese Standorte fließen die im deutschen Gesundheitssektor erzielten Gewinne“, berichtet das IAT.

Ärzteverbände haben in den vergangenen Monaten immer wieder auf das Problem von ökonomisch motivierten Übernahmen durch Kapitalinvestoren hingewiesen, insbesondere bei den Medizinischen Versorgungszentren. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung hatte deswegen die Pläne der Politik begrüßt, im Rahmen des Terminservice- und Versorgungsgesetzes (TSVG) die Möglichkeiten zur MVZ-Übernahme durch Investoren zu begrenzen. © hil/aerzteblatt.de

Kommentare

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Avatar #672734
isnydoc
am Donnerstag, 14. Februar 2019, 16:19

Unzureichende Honorierung?

fjmvw mit einer zutreffenden Erklärung aus welcher Sicht? Defizite beim Honorar wodurch?
Teilhabe an der Gesamtvergütung nach § 85 SGB V haben doch alle zugelassenen Vertragsärzte und diese Gesamtsumme fällt zudem milliardenschwer aus - wird falsch verteilt?
Avatar #88767
fjmvw
am Donnerstag, 14. Februar 2019, 10:55

Es ist kein Problem - es ist ein Segen, wenn Kapitalinvestoren

auf dem Gebiet tätig werden. Denn dann wird offensichtlich, in welchen Bereichen man Geld verdient.

All die Bereiche, an denen Kapitalinvestoren kein Interesse haben, sind wirtschaftlich unattraktiv. Und für unattraktive Facharztpraxen finden sich nun mal keine Nachfolger.

Was die Ärzteschaft aus sich heraus nicht schafft, nämlich die von Honorardefiziten betroffenen Fachgruppen zu benennen und für Abhilfe zu sorgen, das schaffen die Finanzinvestoren. Zieht man von allen Spezialisierungen diejenigen ab, für die sich Finanzinvestoren interessieren, bleibt der unattraktive Teil übrig.

Überproportional häufig sind dabei die konservativen GOUDAH vertreten.

Wer wissen will, warum es bei den konservativen GOUDAH zu wenig Nachwuchs gibt, jetzt hat er es quasi schriftlich: Unzureichende Honorierung.
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